Oktoberfest-Satire:Öl-Bohrungen in München? Sinnvoll wie die Dubai-Wiesn

Lesezeit: 2 min

Satirische Aktion auf der Theresienwiese, 2021

"Warum wir hier nach Öl bohren? Na, weil eben eine Unlogik der anderen folgt", sagt Manfred Schauer (blaue Tracht).

(Foto: Robert Haas)

Weil der Wüstenstaat mit dem Begriff "Oktoberfest" hantiert, gibt es derzeit einen Rechtsstreit. Und da das Schausteller-Leben gerade hart ist, macht der Schichtl eben daraus ein Schauspiel.

Von Philipp Crone

Der Mann ist stinksauer und ruft: "Hauptsache, die Kohle fließt, Menschenrechte sind scheißegal, oder?" Dann joggt er weiter über die leere Theresienwiese, während ihm zehn Bauarbeiter und vier Scheichs ratlos hinterherschauen. Dann lacht der erste. Dass die Aktion am Donnerstagmorgen so echt wirken würde, damit hatten sie nicht gerechnet. Dabei ist der Anblick durchaus beeindruckend.

Zehn Minuten zuvor rollt ein Konvoi auf die Theresienwiese, der sich sehen lassen kann. Eine Ölbohrung hat Manfred Schauer angekündigt, der zu normalen Zeiten, in denen jetzt schon für die große Sause aufgebaut würde, den Schichtl gibt. Nun fällt in diesem Jahr bekanntlich wieder das Oktoberfest aus, und zu diesem Frust kam dann neulich noch ein weiterer hinzu, als sich die Nachricht verbreitete, dass in Dubai ein Oktoberfest auf 40 Hektar mit 32 Zelten und 620 Fahrgeschäften und Buden ausgerichtet werden soll. Dagegen geht die Stadt München nun vor, zumindest gegen die Verwendung des Mottos "Oktoberfest goes Dubai" und den dadurch entstehenden Eindruck, dass die Wiesn dort ausgerichtet wird. An diesem Freitag wird vor dem Landgericht verhandelt. Und so eine Steilvorlage wie eine Wüstenwiesn nutzen die städtischen Berufshumoristen natürlich und schlagen zurück.

Der Schichtl-Schauer sagt, während er einen weißen Tanklaster mit dem Aufdruck "Schichtl-Opti-Oil" in der Schaustellerstraße einweist: "Warum wir hier nach Öl bohren? Na, weil eine Unlogik der anderen folgt." Ein Oktoberfest in Dubai sei genau so sinnvoll und vielversprechend wie eine Ölbohrung auf der Wiesn. Zumindest letzteres kann einem der anwesende Bohrmeister bescheinigen. Das ist der 28-jährige Georg Häsch, der auf Schauers Anweisung ein 14 Tonnen schweres rotes Spezialfahrzeug vom Anhänger lässt. Der gut masskrugbreite Bohrkopf schafft es mühelos in zwei Stunden bis auf 40 Meter Tiefe, sagt Häsch, aber die Probleme gäbe es ohnehin gleich zu Beginn, wenn er hier wirklich sein Werkzeug einsetzen würde. "Hier sind ja Tausende Leitungen verlegt, Frischwasser-, Abwasser- und Bier-Leitungen." Ansonsten wäre das Bohrergebnis zumindest vom bebohrten Material her ähnlich wie in Dubai. "Nach den ersten fünf Metern Münchner Kies kommt der tertiäre Boden, das ist ganz fester harter Sand."

Häsch legt den Bohrer, der normalerweise auf Baustellen Löcher für Anker und Erdnägel bohrt, wieder in die Horizontale. An diesem Donnerstagmorgen reicht die Drohkulisse neben dem Tanklaster, dessen Schichtl-Aufkleber an einer Stelle schon wieder abgeht.

Ein Geländewagen kommt angefahren, vier weiß gewandete Scheichdarsteller steigen aus und simulieren eine Geldkoffer-Übergabe, für die Bohrrechte. Schauer lächelt, seine Komparsen tragen Helme mit dem Aufdruck "Immofanten Bau GmbH". Auch wenn einige Gags eher den Humor von betrunkenen Wiesngängern bedienen ("Wenn ich im Oktober fest bohr"), genießt er die gelungene Satire. Der besagte Jogger läuft schimpfend durchs Bild, dann ist die kabarettistische Probebohrung vorbei und Schauer wird ernst.

An diesem Ort, wo er sonst immer so routiniert moderiert, konnte er nun wenigstens mal wieder vor ein paar Kameras und Journalisten sprechen. "Aber mei, bis zur nächsten Wiesn sind es ja noch 470 Tage!" Auf den Schreck wenigstens gleich mal ein Bier, es ist mittlerweile ja auch schon fast halb zehn, die Zelte wären also offen.

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