Süddeutsche Zeitung

Thomas Reitmaier:Landwirt beim Festwirt

Die Münchner rücken schon zusammen, sagt der 35-Jährige aus dem Chiemgau

Thomas Reitmaier verlässt auch dieses Jahr wieder seinen Bauernhof, um auf der Wiesn zu arbeiten. Der 35-Jährige betreibt im Chiemgau zusammen mit seinem Partner den abgeschieden gelegenen Huberhof-Niesgau. Dort bewirtschaften sie Wald- und Ackerflächen, züchten Rinder und vermieten Ferienwohnungen. Im September tauscht Reitmaier das ruhige Landleben gegen das laute Festtreiben im Paulaner Zelt.

Auf der Wiesn zu bedienen, sei ein Kindheitstraum gewesen. Vor sieben Jahren hat er sich dann beworben, seitdem ist er jedes Jahr dabei. Mittlerweile sei es auch nicht mehr schwer für ihn, eine Unterkunft zu finden. "Für uns Bedienungen rücken die Münchner scho' zusammen", sagt er. Schließlich würden die auch lieber an Bedienungen als an Touristen vermieten. "Wir arbeiten ja auch den ganzen Tag und kommen nur zum Duschen und schlafen nach Hause."

Vor sieben Jahren suchte er noch im Internet ein Zimmer und wohnte mit zwei anderen Bedienungen in einem zehn Quadratmeter großen Raum. "Für uns vom Land war das eine Abstellkammer." Die folgenden Jahre kam er in einem WG-Zimmer von Studenten unter. Nun hat er über private Kontakte eine Unterkunft gefunden, an der Lindwurmstraße, zehn Minuten fußläufig zur Theresienwiese. "Ich möchte abends nicht noch mit den Menschen, die ich den ganzen Tag über betrunken gemacht habe, in der S- und U-Bahn sitzen." Der Spaziergang sei gut, um abschalten zu können. Nun kann er es kaum noch erwarten: "So groß die Freude ist, wenn die zwei Wochen vorbei sind, so groß ist auch jedes Jahr wieder die Vorfreude."

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Quelle:
SZ vom 17.09.2019 / inra
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