Jetzt, während der Wiesn, ist es wieder einmal an der Zeit, der Handwerker Münchens zu gedenken. Wer sich nun fragt, warum gerade jetzt, muss nur mal versuchen, für die letzte September- oder erste Oktoberwoche einen Maler oder Fliesenleger zu buchen. Das schallende Gelächter am anderen Ende der Telefonleitung dröhnt noch länger im Ohr als die Böllerschüsse nach dem Anstich.
Glücklich, wer dann wenigstens eine Zusage für "irgendwann im dritten Quartal nächstes Jahr" bekommt. Wenn es allerdings heißt "kann aber sein, dass wir's vor der Wiesn nicht mehr schaffen", sollte man hoffen, dass die alten Fliesen im Bad doch nicht so bald von der Wand fallen. Kommt dann der Satz "rufen Sie nicht an, wir melden uns", weiß man, dass man mal wieder gründlich abgeblitzt ist wie ein unliebsamer Verehrer.

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Ja, Münchens Handwerker sind mindestens so gefragt wie britische Prinzen auf dem Heiratsmarkt. Wobei sie natürlich etwas bescheidener auftreten und zum Beispiel auf einen Chauffeur verzichten, wenn sie - wahre Geschichte! - mit ihrem goldenen SUV zum Kostenvoranschlag anrollen. So bürgerlich ist man bei aller Seltenheit dann doch geblieben.
Es gibt Handwerker, die hoffen, dass sie einen Auftrag nicht bekommen, weil sie zwar ausgebucht sind, aber gelernt haben, nichts abzulehnen, weil's dem Ruf schadet. In dem Fall veranschlagen sie fürs Bad-Aufhübschen den Preis eines halben Gold-SUVs, in der Hoffnung dass es dem Kunden zu teuer ist. Akzeptiert man aber als Badbesitzer mangels Alternativen und eigener Qualifikation das Angebot, ist's dem Handwerker auch irgendwie recht - dann ist immerhin schon die nächste Wiesn finanziert.
Wer dieser Tage akut einen Fliesenleger oder ähnliches braucht, sollte sein Glück im Weinzelt oder beim Käfer versuchen und am besten immer da nachfragen, wo gerade eine Magnum-Flasche Schampus die Runde macht.
Vorsichtig dagegen sollte man bei Leuten sein, die kurzfristig und ohne zu jammern Aufträge annehmen. Es könnte ein ehrlicher, aber leider unfähiger Mensch sein. Oder einer dieser falschen Handwerker, vor denen die Polizei immer warnt, weil sie einem nur die Bude ausräumen wollen. Am besten ist, man achtet darauf, mit welchem Auto einer vorfährt. Ist es nicht mindestens so viel wert wie eine Ein-Zimmer-Wohnung, sollte man die Tür verrammeln und so tun, als sei man nicht zu Hause. Handwerk hat goldenen Wagen. Das sollte man sich in München merken.

