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Oktoberfest:Wie die Wiesn sicher werden soll

600 Polizisten und Polizistinnen sind während der Wiesn rund um das Festgelände im Einsatz.

(Foto: Robert Haas)
  • Der Polizei liegen keine konkreten Gefährdungshinweise für das Oktoberfest vor. Sie geht aber von einer hohen abstrakten Gefährdung aus.
  • 22 speziell ausgebildete Taschendiebstahlfahnder aus anderen Großstädten und dem Ausland sollen die etwa 600 Beamten der Münchner Polizei unterstützen.
  • Alle Einsatzgruppen der Polizei werden in diesem Jahr Kameras dabei haben, die an der Schutzweste getragen werden.

Wenn an diesem Samstag auf der Theresienwiese das größte Volksfest der Welt beginnt, kommen nicht nur die Besucher aus allen Winkeln des Erdkreises, auch die Sicherheit der Wiesen ist eine Herausforderung von internationaler Dimension. Da ist zunächst natürlich die Bedrohung durch den Terrorismus, weshalb die Polizei schon seit Monaten im engen Austausch mit Behörden auf der ganzen Welt steht. Es sei nach wie vor von einer "hohen abstrakten Gefährdung" auszugehen, sagte Polizeivizepräsident Norbert Radmacher am Mittwoch.

Was so viel heißt wie: Wir sind uns im Klaren darüber, dass islamistische und andere Terroristen in Deutschland Anschläge verüben wollen und dass das Oktoberfest ein attraktives Ziel wäre. Aber "konkrete Gefährdungshinweise" lägen der Münchner Polizei "trotz intensiver Lageauswertung" nicht vor. Von möglichen Plänen für einen Anschlag ist also nichts bekannt.

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Aber nicht nur die Terrorabwehr machtgrenzüberschreitende Zusammenarbeit erforderlich. Neben uniformierten Polizistinnen und Polizisten aus Frankreich und Italien, die traditionell vor allem am Italiener-Wochenende zum Einsatz kommen, werden auch 22 speziell ausgebildete Taschendiebstahlfahnder aus Berlin, Köln, Frankfurt, Hamburg, der Schweiz, sowie aus Österreich, Norwegen, Spanien, Ungarn und Tschechien die etwa 600 Beamten der Münchner Polizei unterstützen, die rund um das Festgelände Dienst tun.

Bei der Technik hat die Polizei wieder ein bisschen nachgerüstet. Nachdem 2017 erstmals Beamte eine Bodycam trugen und sich der Einsatz aus Sicht der Polizei bewährt hat, werden in diesem Jahr erstmals alle Einsatzgruppen Kameras dabei haben, die an der Schutzweste getragen werden. Den Überblick über das Treiben verschafft sich die Einsatzzentrale mit 49 Kameras, von denen heuer auch einige einen 360-Grad-Rundumblick ermöglichen.

Alle, die sich die Wiesn gern einmal aus der Luft ansehen würden, seien gewarnt: Die Flugverbotszone mit einem Durchmesser von elf Kilometern über dem Festgelände gilt auch für Drohnen jeder Art und wird von der Hubschrauberstaffel der bayerischen Polizei überwacht. Wer sich nicht dran hält, muss mit einer Strafanzeige rechnen.

Zur abstrakten Terrorbedrohung, den Taschendieben, Masskrugschlägern und Popograpschern kommt in diesem Jahr eine neue Gefahr: die E-Scooter. Seit ihrer Einführung im Frühsommer haben sich die elektrisch angetriebenen Roller zum Lieblingsfahrzeug von Betrunkenen entwickelt. Dabei ist denen meistens nicht klar, dass sie damit ihren Führerschein genauso riskieren, als würden sie sich volltrunken ans Steuer ihres Autos setzen, denn selbst wenn sie wirken wie Spielzeuge, handelt es sich rechtlich um Kraftfahrzeuge.

"Wer betrunken fährt, gefährdet sich und andere", sagte am Mittwoch Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle. Deswegen haben sich die Verleiher mit Stadt und Polizei darauf geeinigt, die Gefährte von der Festwiese und aus deren Umgebung fernzuhalten.

Sie dürfen nur bis zur Grenze des äußeren Sperrrings fahren. 29 Hinweisschilder mit der Aufschrift "No E-Scooter" sollen an den Zufahrtsstraßen daran erinnern. Außerdem wollen die Verleiher mittels Sattelitenortung gewährleisten, dass ihre Roller zwischen 17 Uhr und 6 Uhr früh in einem erweiterten Radius von bis zu einem Kilometer um die Sperrzone weder geparkt noch ausgeliehen werden können. "Abgestellte Scooter sind Stolperfallen", warnte Böhle.

Auf dem Festgelände selbst gilt wegen des Gedränges von 18 Uhr an auch ein Verbot für Kinderwagen. An Samstagen sowie am 3. Oktober gilt dieses Verbot ganztägig. Taschen und Rucksäcke, die mehr als drei Liter fassen, dürfen auch in diesem Jahr nicht mitgebracht werden. Der Kommunale Außendienst des KVR kann Taschen prüfen. Die 72 Einsatzkräfte des KAD begleiteten zudem laut Böhle an der Hackerbrücke und am Hauptbahnhof "Besucher, die nicht mehr ganz im Besitz ihrer Kräfte sind".

Alles in allem stellt der berauschte Wiesngast wohl für sich selbst die größte Gefahr dar. Im vergangenen Jahr hatten während der 16 Tage insgesamt 6,2 Millionen Menschen die Zelte und Fahrgeschäfte auf der Wiesn besucht. In dieser Zeit zählte die Polizei gerade einmal 994 Straftaten. Für eine Millionenstadt ist das eine erstaunliche Bilanz.

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