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Ökobilanz zum Oktoberfest:So viel Müll verursacht jeder Wiesn-Besucher

Das Müllkonzept auf dem Oktoberfest: Ein Mann entsorgt Abfälle bei den Müllcontainern hinter dem Volkssängerzelt auf der Oidn Wiesn.

Im Schnitt hinterlässt jeder Wiesnbesucher 180 Gramm Müll - Anfang der Neunzigerjahre waren es noch zwei Kilogramm.

(Foto: Florian Peljak)
  • 1991 hinterließ jeder Wiesnbesucher zwei Kilogramm Müll - heute sind es weniger als ein Zehntel davon, 180 Gramm.
  • Der Stromverbrauch ist nach wie vor hoch: Drei Millionen Kilowattstunden werden in den 16 Tagen Oktoberfest verbraucht - Ganze 100 Prozent davon sind Ökostrom.

Wenn man ehrlich ist, stellt man sich das Oktoberfest ja vor wie eine riesengroße Öko-Sauerei: Verbraucht Strom wie eine mittelgroße Stadt, produziert Dreck und Müll, dass es für ein eigenes Großlappen reichen würde, das Essen dort macht industrielle Massentierhaltung erst so richtig rentabel, und über die CO₂-Bilanz muss man gar nicht weiter reden. So weit die Vorurteile, die aber nur zum Teil einigermaßen zutreffen. Tatsächlich geschieht schon seit vielen Jahren so einiges, um die Ökobilanz des größten Volksfests der Welt zu verbessern.

Klar, der Stromverbrauch ist nach wie vor hoch auf der Wiesn. Drei Millionen Kilowattstunden werden während der 16 Tage auf dem Gelände verbraucht. Immerhin sind 100 Prozent davon Ökostrom und über 60 Prozent der Nutzer zahlen zusätzlich einen Aufpreis für den Ausbau der regenerativen Stromerzeugung.

Promis auf dem Oktoberfest

Was, so sehen die heute aus?

Und die Politik der Stadt seit Beginn der Neunzigerjahre, bei der Zulassung zum Fest Ökologie und Nachhaltigkeit besonders zu belohnen, hat sich auch an anderer Stelle ausgezahlt. Am Mittwochmittag stellten der Zweite Bürgermeister Manuel Pretzl, Wirtschaftsreferent und Wiesnchef Clemens Baumgartner sowie Kommunalreferentin Kristina Frank (alle CSU) das erfolgreiche Müllkonzept für die Wiesn vor.

Frank, zum Termin im schwarzen Dirndl mit grell leuchtender Schürze in Abfallwirtschaftsamts-Orange erschienen, verwies auf die erfreuliche Entwicklung seit 1991: "Damals hinterließ jeder Wiesnbesucher zwei Kilogramm Müll - heute ist es nicht einmal mehr ein Zehntel davon, 180 Gramm." Und das, sagt sie, sei noch immer zu verbessern. Allein von 2017 bis 2018 habe man das Müllvolumen immerhin noch um vier Prozent senken können.

Jetzt will man mit neuen Papiercontainern auch noch Kartonagen und Altpapier trennen, denn auch die verursachen noch jede Menge Müll. Allein die Menge an Altpapier entspreche 720 000 Schulheften. Auch Altglas falle ins Gewicht, seine Menge entspreche 34 000 neuen Masskrügen. Die 500 Tonnen Speisereste, die auf der Wiesn weggeworfen werden, könnten ebenfalls noch weniger werden. Genauso wie die 1000 Tonnen Restmüll, die im Heizkraftwerk Nord aber immerhin noch zur Stromerzeugung dienen und dem gesamten Jahresbedarf von 23 Durchschnittsverbrauchern entsprechen.

Aber auch die einzelnen Betriebe tun von sich aus einiges für eine bessere Ökobilanz. Hofbräu zum Beispiel hat als erste Brauerei nur noch klimaneutrale Festzelte auf der Wiesn, angefangen beim großen Hofbräuzelt selbst bis hinunter zum Volkssängerzelt Zur Schönheitskönigin, dem Weißbierkarussell Fahrenschon und der Weißbieralm Haas. Die mit Bierproduktion und Ausschank verbundene CO₂-Belastung in Höhe von 66 Tonnen kann nicht komplett vermieden werden, wird aber kompensiert durch die Renaturierung eines Moorgebiets im Chiemgau. Hofbräu führt sie zusammen mit dem Bayerischen Naturschutzfonds durch. Außerdem wird ein weiteres Bodenprojekt in Thann bei Zolling finanziert.

Vorreiter der ganzen Bewegung aber war die Hühnerbraterei Ammer, die nicht nur ausschließlich Hendl aus biologischer Aufzucht verkauft, sondern seit 2016 auch das erste klimaneutrale Festzelt auf dem Oktoberfest betreibt. Die nicht vermeidbaren Emissionen werden vor allem durch die Finanzierung von Klimaschutzprojekten in Nigeria, Indien und Kenia kompensiert. Seit 2018 ist auch das kleine Festzelt Zum Stiftl komplett klimaneutral, und in diesem Jahr ist das Weinzelt dazugekommen. Bei den Schaustellern fallen der Bayern-Tower und Dr. Archibald in diese Kategorie, zwölf weitere kompensieren immerhin schon ihre Emissionen beim Transport.

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