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Oktoberfest-Bierprobe:Malzige Aromen und ein flacher Witz

Was wäre die Wiesn ohne ihr Bier? Andreas Brunner (Augustiner; von links nach rechts), Bernd Kräußel (Löwenbräu), Rainer Kansy (Hacker-Pschorr), Harald Stückle (Spaten), Christian Dahncke (Paulaner) und Rolf Dummert (Hofbräu) präsentieren ihre gesammelten Werke vor dem Haupteingang zum Oktoberfest.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die sechs Münchner Brauereien laden zum Probieren ins ehemalige Tröpferlbad ein. Dabei zeigt sich: Die malzigen Aromen sind bekömmlich, manche Sprüche eher nicht.

Ist's "heller Bernstein" (Hacker-Pschorr), der einem da aus dem Glas entgegenfunkelt, oder doch eher "kräftig leuchtendes Strohgelb" (Augustiner)? Fällt das Aroma in diesem Jahr "dezent malzig" (wiederum Augustiner) aus, oder hat es "an Biskuit erinnernde Malznoten, in Kombination mit citrusartigen Hopfenaromen" (Hofbräu)? Womöglich ist der Körper auch "abgerundet und sündhaft süffig" (Paulaner) oder "vollmundig, majestätisch, begleitet von charakteristischen Hopfenaromen" (Löwenbräu). Dann fehlt nur noch, dass man es im Abgang mit einem "lieblichen Abtrunk, unterlegt mit einer abgestimmten, dezenten Bittere" (Spaten) zu tun hat.

Der alljährliche Wiesn-Countdown hat eine ganze Reihe von Höhepunkten, von der Kerzenweihe in Maria Eich bis zum Einzug der Wiesnwirte. Einen besonderen Rang nimmt dabei die Bierprobe des Vereins der Münchner Brauereien ein. Da treffen sich nämlich die Braumeister der sechs großen Brauereien, um ihre Wiesnbiere vorzustellen und sie mit wohlgesetzten Worten anzupreisen. Besonders im sogenannten "sensorischen Vergleich" lassen die Braumeister selbst gestandene Weinsommeliers alt aussehen. Wobei es sich bei den eingangs erwähnten Formulierungen nur um Textbausteine handelt, die man anscheinend munter durcheinander würfeln kann, denn sie tauchen jedes Jahr wieder auf dem Beipackzettel zur Bierprobe auf.

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Dieses Jahr fand sie im Bad statt, dem neuen Augustiner-Wirtshaus im ehemaligen Tröpferlbad nördlich der Theresienwiese. "Man glaubt nicht, was man aus so einem öffentlichen Brausebad machen kann", frotzelte Paulaner-Chef Andreas Steinfatt, der auch Vorsitzender des Münchner Brauereivereins ist, "wenn man etwas Geld in die Hand nimmt." Auch der Zweite Bürgermeister Manuel Pretzl (CSU) zeigte sich beeindruckt und sah der Bierprobe zuversichtlich entgegen: "Ich habe auf der Wiesn noch nie ein schlechtes Bier bekommen."

Vermutlich wird ihm das auch in diesem Jahr nicht widerfahren. Alle Biere haben eine Stammwürze zwischen 13,6 (Paulaner) und 13,8 Prozent (Hofbräu) sowie einen Alkoholgehalt zwischen 5,9 (Spaten) und 6,4 Volumenprozent (Augustiner). Die Bittere bewegt sich zwischen 19 (Augustiner) und 26 EBU (Löwenbräu) - was immer diese Einheit genau besagt. Alles andere erläuterten die sechs Braumeister in aller Ausführlichkeit, und das durchaus lehrreich. Von Rolf Dummert (Hofbräu) erfuhr man, dass für drei Mass Wiesnbier Braugerste von einem Quadratmeter Ackerfläche benötigt werden. Und Harald Stückle von Spaten zog zahlreiche Parallelen zu Wetter und Klima. Seinen Aussagen zufolge bindet ein Liter Wiesnbier fünf Milligramm Kohlendioxid, was bei 7,5 Millionen Mass einem Wald von 1000 Hektar entspräche.

Steinfatt nahm die Rechnung zum Anlass, einen recht flachen Witz über streikende Schüler zu machen, was einem anscheinend leichter fällt, wenn man seinen Kohlendioxidausstoß gerade mit Bier kompensiert. Später sprach er dann noch von einem "inneren Reichsparteitag". Hoffentlich hat ihm einer der anwesenden Stadträte noch gesagt, dass man diesen Ausdruck heute höchstens noch verwenden kann, wenn man AfD-Abgeordneter oder Schlimmeres ist.

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