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Oktoberfest-Kuriositäten:Braucht's des?

Drogen-Tipps vom Wiesnwirt. Ein Handyaufladeautomat. Und ein "Wiesenpostamt" (sic!). Wir haben Kurioses rund um das Oktoberfest gesammelt.

Von SZ-Autoren

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Wiesn-Postamt

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Quelle: Catherina Hess

Urlaubspostkarten bekommt man heute kaum mehr. Vielleicht zwei oder drei sind es noch pro Jahr - und dann denkt man sich inzwischen: Mann, der Urlaub muss ja langweilig sein, dass die noch Zeit zum Kartenschreiben haben. Heute gibt's ein lustiges Foto per Whatsapp und das war's. Insofern ist die kleine Open-Air-Postfiliale am Haupteingang der Wiesn eine hübsche Idee.

Es gibt sie schon seit mehreren Jahren, und immer noch kommen viele Wiesnbesucher, lassen sich dort fotografieren und das Bild gleich auf eine Postkarte drucken. Wer Lebkuchenherzerl oder anderen Wiesnschnickschnack direkt als Paket verschicken möchte, kann dies auch gleich hier erledigen. Zudem gibt es auch passende Briefmarken wie die heuer erschienene 62-Cent-Marke "125 Jahre erster bayerischer Gebirgstrachtenverband" oder die schon fünf Jahre alte 55-Cent-Marke "200 Jahre Oktoberfest". Sehr nett das alles, vor allem, wenn das Handynetz überlastet ist und sich partout keine digitalen Nachrichten verschicken lassen. Wer den Stift noch halten kann, schreibt dann eben eine Karte. So manches dort feilgebotene Postkartenmotiv wie ein Säugling an der Mutterbrust mit dem Spruch "Ozapft is" ist eher Geschmackssache. Auch die Beschriftung "Wiesenpostamt" braucht's nicht wirklich. Denn trotz längeren Abgrasens des Geländes ließen sich auf der Wiesn keine Wiesen finden.

Andreas Schubert

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Akkumat

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Quelle: Stephan Rumpf

Plötzlich funktionierten die Kassen im Schottenhamel nicht mehr. Findige Gäste hatten den Stecker gezogen und einfach ihr Handy-Ladegerät angeschlossen. Christian Schottenhamel passiert das nicht noch einmal. Er hat ein Holzbrett vor die Steckdosen klemmen lassen und ein wenig gegoogelt.

Heute ist er der erste Wiesnwirt mit einem "Akkumaten" im Zelt, einer Handy-Ladestation. Das Gerät steht geschickt platziert zwischen Toiletten und Ausgang, und es sieht ein wenig so aus wie ein Bankautomat mit sechs Schließfächern. Wer den Akkumaten nutzen möchte, kostenlos übrigens, gibt eine Pin ein, stöpselt sein Telefon an das passende Kabel in der Box (laut Hersteller lassen sich 95 Prozent aller Smartphones aufladen) und holt es ein, zwei, drei oder vier Mass später wieder ab. Hier wird die ganze Sache etwas verzwickt. Was passiert, wenn sich der Besucher nicht mehr in der Lage sieht, die richtigen Zahlen einzugeben? Dafür gebe es einen Mastercode, sagt Schottenhamel. Der Gast müsse nur belegen, dass das Handy ihm gehöre, mit darauf gespeicherten Selfies zum Beispiel.

Nun kann man darüber diskutieren, ob sechs Ladefächer für 10 000 Gäste reichen. Aber das sei heuer ja nur ein Test, sagt Schottenhamel, und das Gerät komme "riesig gut" an: "Die Schließfächer sind fast immer belegt." Bleibt nur eine Frage: Was bringt ein aufgeladenes Handy, wenn man sich damit nicht verabreden kann, weil es im Akkumaten liegt?

Thierry Backes

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Schrumpfhendl

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Quelle: privat

Das Wiesn-Hendl ist beliebt. Jahr für Jahr werden auf dem Oktoberfest rund eine halbe Million Hühner vertilgt - die meisten davon kommen aus Massentierhaltung. Abgesehen davon hat das Wiesn-Hendl zumindest geschmacklich einen weitgehend guten Ruf, auch wenn es ihm nicht immer gerecht wird. So kommt es schon mal vor, dass einem ein angebranntes vorgesetzt wird oder ein zu trockenes.

Aber was SZ-Leser K. dieser Tage im Hofbräuzelt serviert bekam, ließ ihn rätseln, welch seltsamer Vogel da wohl auf seinem Teller gelandet sein könnte: ein gut faustgroßes Stück Geflügel, das Herrn K. zur Mutmaßung veranlasste, es könnte sich um ein "halbes Liliputaner-Stubenküken" oder eine "federlose Stachus-Flugratte" handeln, die noch dazu "staubtrocken" schmeckte. Mehr als zehn Euro für dieses Schrumpfhendl zu bezahlen, war Herrn K. viel zu viel. Nun, das Geschmackserlebnis lässt sich per Foto nicht nachvollziehen. Aber dass das Hendl deutlich unterentwickelt war, ist auch so erkennbar.

Oder war's doch was anderes? Vielleicht sind dem Zelt ja die Gockerl ausgegangen und ein Küchenhelfer hat aus Versehen eine Ladung Wachteln gekauft. Das würde erklären, warum das Vöglein so trocken geraten ist. Denn Wachteln zuzubereiten, erfordert Feingefühl. Aber wahrscheinlich war es nur ein Hendl, das sich aus Protest geweigert hat zu wachsen, um dem Schlachter vielleicht doch auszukommen. Geholfen hat es ihm leider nichts. Das hätt's echt nicht gebraucht.

Andreas Schubert

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Trachten-Chucks

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Quelle: oh

Ohne Tracht auf die Wiesn? Für viele geht das inzwischen überhaupt nicht mehr. Sie kommen oft in edelstem Zwirn, an den Füßen tragen Männer Haferlschuhe, mit denen macht man nichts verkehrt. Frauen überlegen da schon eher, ob sie High Heels tragen sollen oder Ballerinas.

Erstere sind natürlich zu einem kurzen Dirndl schick, der Nachteil: Nicht selten passiert es, dass eine Frau im Trubel mit ihren Pfennigabsätzen (oder muss man jetzt Cent-Absätze sagen?) umknickt, was dazu führt, dass Schürfwunden nach Stürzen die Nummer eins bei Wiesnverletzungen sind. Und die Ballerinas? Die sind da schon komfortabler, nur sollte frau in Fahrgeschäften nicht vergessen, sie vorher auszuziehen, sonst fliegen sie durch die Gegend.

Praktischer, bequemer - und deshalb auch beliebt zum Dirndl - sind deshalb auch Stoffturnschuhe, die oft mit allerlei Alpenkitsch-Motiven verziert sind. Das ist zwar nicht stilecht, sieht aber recht lustig aus - bei Mädchen unter 16. Ältere Semester und vor allem Männer sollten sich dagegen genau überlegen, ob's das wirklich braucht.

Andreas Schubert

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Kälte

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Quelle: Stephan Rumpf

Schon gut, schon gut: Es heißt Oktoberfest und nicht Julifest. Und Anfang Oktober wären Temperaturen von 30 Grad ja anormal. Aber dass es derzeit so kalt sein muss? Die Sonne, die dieser Tage scheint, ist trügerisch: Die Leute machen sich in Lederhosen und Dirndl auf zur Wiesn - und dann blasen ihnen fiese Nordwinde den Durst weg.

Blöd sind frühabendliche Temperaturen um die zehn Grad vor allem für diejenigen, die tatsächlich auf die Wiesn gehen, um ein Hendl zu essen oder gemütlich ein, zwei Mass Bier zu trinken. Das geht im unreservierten Bereich der Zelte nicht, weil dort laut ungeschriebenem Wiesngesetz nach 18 Uhr auf den Bänken getanzt werden muss. Aber draußen sitzen geht nur, wenn man einen Platz unterm Heizstrahler ergattert.

Im Hackerzelt-Biergarten waren schon Gäste zu beobachten, die verzweifelt versuchten, die Gasbrenner anzuzünden - zum großen Amusement der Bedienungen, die draußen derzeit auch nicht sonderlich viel zu tun haben. Man hat das Gefühl, am Christkindlmarkt sei es wärmer. Vielleicht sollten die Wirte zur Abwechslung mal Glühwein ausschenken. Was eine Mass davon bewirkt, wäre interessant herauszufinden.

Andreas Schubert

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Katwarn

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Quelle: SZ

Ein guter Münchner trägt die Wiesn immer mit sich. Im Herzen sowieso, außen rum als Lederhose, im Gesicht den Rausch. Und natürlich trägt er das Oktoberfest auf dem Handy in der Hosentasche mit sich: Da zeigt ihm seine MVG-App in Gestalt einer Brezn, wie's zur Festwiese geht. Und ganz narrisch gefreut hat sich der Münchner, als seine Feuerwehr vor zwei Wochen kundtat, heuer einen Katastrophen-Warndienst zur Wiesn anzubieten. In der App "Katwarn".

Er hat sie also sofort installiert, um stets mitzubekommen, wenn Katastrophen passieren - echte einerseits, andererseits die relevanten, und das sind auf dem Oktoberfest ja schon überfüllte Straßen oder gesperrte U-Bahnhöfe. Seitdem wartet der Münchner Wiesn-Fan. Und wartet. Und wartet. Aber nicht ein einziger Alarm. Katwarn schlummert vor sich hin.

Weil es heuer so ruhig und friedlich ist auf der Wiesn? Weil das Oktoberfest eine einzige Katastrophe ist, die gar keine Einzelalarmierung mehr rechtfertigt? Der Münchner weiß nicht so recht, er muss sich das jetzt gleich noch mal vor Ort anschauen - wo ist noch mal die MVG-App mit der Brezn?

Kassian Stroh

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Drogen-Tipps vom Wiesnwirt

Ecstasy

Quelle: SZ

Dass ein Wirt ein sehr zuverlässiges Wesen sein muss, das wissen informierte Münchner spätestens seit der Causa Krätz und manche sogar - das sind die, die gerne noch mit Dackel auf das Oktoberfest gingen - seit der Causa Süßmeier. Also: Ein Wirt muss höchsten gesellschaftlichen und moralischen Maßstäben genügen, um eine Konzession zu bekommen. Zumal auf der Wiesn. Deshalb gehen wir jetzt einfach mal davon aus, dass Stephan Kuffler keinen Schmarrn geschrieben hat, am Montag im Münchner Merkur.

Da macht sich der Weinzelt-Wirt lustig über einen Mann, der in einem Rucksack "sackweise" blaue Pillen ins Zelt schmuggeln wollte. "Es muss sich aber auch wirklich um Deutschlands dümmsten Drogendealer gehandelt haben, denn man weiß doch, dass Rucksäcke stichprobenartig durchsucht werden", schreibt Kuffler. Und weiter: "Hätte der Mann sich das Zeug in seine Hosen- und Jackentasche gesteckt . . ." Hurra, Kuffler sei Dank weiß jetzt auch noch der zweitdümmste Dealer, wie er die Stimmung auf dem Oktoberfest noch mehr berauscht. Nun verdient natürlich auch ein Wiesnwirt sein Geld mit einer Droge, wenn auch einer legalen. Aber Drogentipps vom Wiesnwirt? Des braucht's nun wirklich nicht.

Kassian Stroh

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Flirtbanderl

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Quelle: SZ

Diese Leute aus dem Internet lassen sich ja immer so Sachen einfallen. Geht aber bisweilen schief, wenn sie vom Digitalen ins Analoge wechseln. So hat ein Flirt- und Partnersuche-Portal jetzt extra für die Wiesn ein Flirtbändchen erfunden. Die Frauen hätten die Möglichkeit, mittels der Positionierung ihrer Dirndlschleifen eventuelle Paarungsbereitschaft anzuzeigen, sagt die Kuppelplattform. Ist die nämlich (vom Betrachter aus) rechts gebunden, so gehe was. Männer verfügten über ein derartiges Mittel nicht, deshalb bräuchten sie unbedingt ein orangefarbenes Gummiband mit der Aufschrift: "Mogst obandln?"

Feldversuche haben allerdings längst ergeben, dass sich einsame Männer spätestens nach der zweiten Mass auch ohne Bandl zu helfen wissen (oder das zumindest von sich glauben). Wenn nicht, hilft das Gummiband aber wohl ebenfalls nicht sehr viel. Weil die schüchternen Burschen dann wahrscheinlich so peinlich berührt und aufgeregt sind, dass sie zusätzlich zum orangenen Bandl noch einen feuerroten Kopf tragen. Außerdem darf man vermuten: Wer für zwei Worte schon ein Flirtbandl braucht, kriegt auch später kaum ein Wort heraus. Der größte vorstellbare Fehler aber wäre es, das Band zwar anzulegen, dann aber zu vergessen, den Ehering abzustreifen.

Franz Kotteder

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3-D-Aufklappkarten

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Quelle: Stephan Rumpf

Ja mei, dass es viel Glump auf der Wiesn zu kaufen gibt, ist nichts Neues. Wen's freut, dass er im Suri mit einem Sepplhut oder blinkenden Hasenohren durch die Gegend läuft, der soll sich so etwas halt dann kaufen. Und dass dann andere wiederum schimpfen, das alles trage zur Verballermannisierung der Wiesn bei, ist man auch schon gewohnt.

Der Schöpfer der "3-D-Aufklappkarten", die es für drei Euro beim "Offiziellen Wiesn-Shop" an der Kreuzung Matthias-Pschorr- und Wirtsbudenstraße gibt, scheint aber wirklich von Mallorcas Prollmeile inspiriert gewesen zu sein. Da gibt es etwa die Dirndl-Aufklappkarte, mit Dekolleté-Fotos und dem Spruch "Fesche Mädels haben viel Holz vor der Hütte!" Mädels! Holz vor der Hütte! "Heidewitzka, was'n Spaß sie hier auf den Wiesen verticken", wird da manch rotgesichtiger Sepplhutträger im Bierrausch frohlocken, während Feministinnen die Zornesröte ins Gesicht steigt.

Zu Recht! Denn es gibt schon genug tumbe Typen auf der Wiesn, die genug tumbe Sprüche dieser Art klopfen. Solche Karten braucht's dann wirklich nicht auch noch. Und dem Postkartendichter vom Ballermann, der vermutlich auch das Motiv mit den Männerhintern und dem Spruch "Uns Bayern ziagt koana de Lederhos'n (sic!) aus . . . es sei denn, wia woin des so" (sic! sic!) zu verantworten hat, sollte man seinen Sangria-Kübel entreißen und ihn - wenn er wieder nüchtern ist - zu einem Bairischkurs zwingen.

Andreas Schubert

© SZ.de/infu/tba

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