OktoberfestStiftls übernehmen das Paulaner-Zelt – und schon steht der nächste Wirte-Wechsel an

Lesezeit: 3 Min.

Christine und Lorenz Stiftl kennen sich auf dem Oktoberfest aus, aktuell leiten sie noch die Schützenlisl, 2026 übernehmen sie das Paulaner-Festzelt.
Christine und Lorenz Stiftl kennen sich auf dem Oktoberfest aus, aktuell leiten sie noch die Schützenlisl, 2026 übernehmen sie das Paulaner-Festzelt.
Stephan Rumpf

Eine der ältesten und größten Festhallen auf dem Oktoberfest geht an das umtriebige Gastronomen-Paar. Wer die Neuen sind und wer sich schon für ihre Nachfolge auf der Oidn Wiesn in Stellung bringt.

Von Sarah Maderer

SZ bei Google bevorzugen

In den vergangenen Tagen wurde viel spekuliert, wer Arabella Schörghubers Nachfolge antreten könnte. Die Wirtin vom Wirtshaus Spöckmeier am Marienplatz und vom Paulaner-Festzelt auf dem Oktoberfest verkündete am vergangenen Freitag, dass sie die Führung von Zelt und Wirtshaus abgeben wolle. Am Mittwoch hat die Paulaner-Brauerei im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt gegeben, wer den Doppel-Zuschlag bekommen hat: Das Wirtepaar Christine und Lorenz Stiftl wird den Spöckmeier zum 1. Juni und das Paulaner-Festzelt ab dem nächsten Jahr übernehmen.

„Das war die schönste geschäftliche Nachricht, die wir jemals bekommen haben“, sagt Christine Stiftl bei der Verkündung. Ehemann Lorenz spricht von einem „gastronomischen Ritterschlag“, mit dem für ihn ein langgehegter Traum in Erfüllung gehe. Gerade die Übernahme des Spöckmeier fühle sich wie Heimkommen an. Die Stiftls führten das Wirtshaus in der Rosenstraße bereits von 2009 bis zum Beginn der Renovierung im Jahr 2019. Erst vor zwei Jahren wurde es unter der neuen Wirtin Arabella Schörghuber wiedereröffnet.

Wäre das Wirtshaus nicht so gut wie neu und den neuen Wirten schon so vertraut, könnte man den Wechsel womöglich nicht in weniger als zwei Wochen erfolgreich umsetzen. Am wichtigsten seien jetzt die Mitarbeitenden, sagen Lorenz und Christine Stiftl, die sie allesamt übernehmen werden. Der Rest müsse sich nach und nach ergeben. Fest stehe aber bereits, dass der Straßenverkauf bestehen bleibt, es anders als unter Schörghuber keinen Ruhetag mehr geben werde und sie die Wurst- und Fleischwaren aus ihrer eigenen Metzgerei in die Speisekarte integrieren wollen.

Neben der hauseigenen Metzgerei und Produktionsküche im Münchner Norden betreibt die Familie Stiftl aktuell das Hackerhaus in der Sendlinger Straße, das Wirtshaus zum Stiftl am Marienplatz, einen Stehausschank an der Schrannenhalle und das Volkssängerzelt Schützenlisl auf der Oidn Wiesn. Daneben stemmen sie Caterings für große Häuser wie das Deutsche Theater und das Grünwalder Stadion, und können durch einen eigenen Zeltverleih auf eine langjährige Volksfesterfahrung zurückblicken.

Diese breite Aufstellung der Stiftls sei in den Vergabeprozess eingeflossen, sagt Michael Hetzler, Leiter der Pachtabteilung bei Paulaner. Es habe einige Bewerber gegeben, wie viele genau, will er nicht verraten. Die Entscheidung sei aber alles andere als leicht gefallen: „Die Kompetenz der Bewerber war so groß, dass wir uns gewünscht haben, wir könnten noch mehr Zelte vergeben.“

Das Paulaner-Festzelt gehört mit rund 8400 Plätzen (fast 6400 drinnen und knapp 2000 im Biergarten) zu den größten auf dem Oktoberfest. Im Jahr 2010 wurde das Zelt – damals noch mit dem Namen Winzerer Fähndl – rundum erneuert. In dieser Aufmachung wird es auch im nächsten Jahr unter der Familie Stiftl zurückkehren. „Das Zelt ist noch so gut in Schuss, dass es kein neues braucht“, erklärt Paulaner-Vertriebschef Thomas Drossé.

Für Lorenz Stiftl bedeutet das Paulaner-Zelt eine Rückkehr von der Oidn auf die große Wiesn, denn bevor er die Schütznlisl übernahm, führte er bereits seit 2002 das Wienerwald-Zelt, das später „Zum Stiftl“ umbenannt wurde und mit 460 Plätzen zu den kleineren Zelten gehörte. Er hat sich in der Vergangenheit auch schon auf größere Festhallen beworben, zuletzt 2022 auf die Pschorr-Bräurosl, die dann aber an Peter Reichert ging. „Das war ärgerlich, aber ich bin nicht nachtragend“, sagt Lorenz Stiftl. Ehefrau Christine fügt hinzu: „Er ist der beharrlichste Mensch, den ich kenne.“

Was die Stiftls beim Paulaner-Festzelt verändern wollen

Wie beim Spöckmeier werden die Stiftls auch die komplette Mannschaft des Paulaner-Zeltes übernehmen. Außerdem wollen sie dort das Thema Nachhaltigkeit mit Bio-Produkten aus Bayern vorantreiben und die Mittagswiesn möglichst gut auslasten. „Wir haben das große Glück, dass wir uns dieses Jahr noch mal alles genau anschauen können“, sagt Christine Stiftl. Arabella Schörghuber wird zur kommenden Festsaison noch ein letztes Mal als Wiesnwirtin auf die Theresienwiese einziehen.

Die Schützenlisl auf der Oidn Wiesn werden die Stiftls dann nächstes Jahr aufgeben. Wer ihnen nachfolgt, entscheidet die Stadt nach ihrem Punktekatalog, denn nur die großen Brauereizelte dürfen ihre Wirtinnen und Wirte selbst bestimmen. Beppi Bachmaier freut diese Nachricht nicht, obwohl der Wirt vom Fraunhofer Wirtshaus in diesem Jahr bei der Zeltvergabe erneut leer ausging und nicht mit seinem Herzkasperlzelt auf die Oide Wiesn zurückkehren darf. „Ich müsste ja für die Schützenlisl ein komplett anderes Programm gestalten und das möchte ich nicht“, sagt er im Gespräch mit der SZ. „Jedes Zelt dort hat seine eigene Kultur, das kann man nicht einfach austauschen.“

Bachmaiers Ex-Kollegin Gerda Reichert hat dagegen im Wirte-Wechsel eine Chance für sich erkannt. Seit sie ihr Zelt Schönheitskönigin vor drei Jahren an die Familie Stiftl verlor, die das Zelt zur Schützenlisl umtaufte, hat sie sich Jahr um Jahr auf die Oide Wiesn beworben und schöpft mit Stiftls Weggang nun neue Hoffnung, wie sie der SZ mitteilt. Zum einen habe sie ein neues Kulturprogramm ausgearbeitet, das sie gerne präsentieren würde, zum anderen würde sie mit Hofbräu wieder für mehr Biervielfalt auf der Oidn Wiesn sorgen.

Die Familie Stiftl wolle jedenfalls diesen Herbst auf der Oidn Wiesn gebührend Abschied feiern. „Etwas Wehmut schwingt natürlich mit“, sagt Christine Stiftl. Mit den neuen Wiesnkollegen von der anderen Zaunseite sei man aber schon im Austausch, sagt Lorenz Stiftl. Jetzt, wo die Katze aus dem Sack ist, dürfe er endlich auf deren Glückwunschnachrichten reagieren.

© SZ/dpa - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

ExklusivOktoberfest
:Die Wirtin eines der ältesten und größten Wiesn-Zelte hört auf

Arabella Schörghuber gibt nach dem Oktoberfest die Paulaner-Festhalle ab. Warum sie sich dazu entschieden hat und welche Gerüchte es um das Wiesnzelt gibt.

SZ PlusVon Franz Kotteder

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: