Nichts ist mehr so, wie es mal war. Das betrifft jetzt sogar schon das Oktoberfest. Jahr für Jahr fieberten die Menschen einst der Antwort auf die Frage entgegen, welch schwindelerregende Höhen der Preis für das ebenso schwindelerregende Wiesnbier denn heuer erreichen werde?
Das ist nun vorbei, der böse Bürgermeister Josef Schmid ist schuld daran, obwohl er doch als CSUler einen Sinn haben sollte für lieb gewordene Traditionen. Aber nein, er will sich mit einer "Bierpreisbremse" profilieren, und deshalb sollen die Münchner nun drei Jahre lang am Stück mit dem immer gleichen Wiesnbierpreis von 10,70 Euro für die Mass leben müssen. Wie unendlich fad!

Oktoberfest:Kartellbehörde: München darf Wiesn-Bierpreis einfrieren
Damit könnte die Stadt den Preis bis zum Jahr 2019 auf maximal 10,70 Euro deckeln. Außerdem denkt Bürgermeister Schmid über einen zusätzlichen Wiesntag nach.
Doch nicht genug damit. Nun bricht auch noch Finanzminister Markus Söder mit einer schönen Tradition. Seit die Bundesregierung 2011 den permanenten Lohnsteuerjahresausgleich abgeschafft hatte, durch den zum Beispiel Volksfestbedienungen mehr Geld erstattet bekamen, trat alle Jahre wieder Bayerns Finanzminister vor sein Volk und verkündete in der Manier eines heldenhaften Drachentöters, dass es mittels Landesrechts gerade noch gelungen sei, dieses Gesetz auszuhebeln und dass bayerische Bedienungen in diesem Jahr wieder in den Genuss der alten Regelungen kämen.
Doch dieser schöne Brauch hat ein Ende. Am Montag verkündete Söder, er könne nun "zum letzten Mal" verkünden, dass Volksfestbedienungen "mehr Netto vom Brutto" bekämen. Im Bundesrat habe er erreicht, dass die bayerische Sonderregelung in ganz Deutschland Gesetz werde: "Ich habe Nordrhein-Westfalen dazu gebracht, mitzumachen."
Mit Nordrhein-Westfalen, auch das noch . . . Da wundert einen freilich nichts mehr. Bang fragt man sich da, was der CSU als nächstes einfällt, um Wiesntraditionen zu schleifen. Die Revision der Becksteinschen Zwei-Mass-pro-Führerschein-Regel? Eine strenge Promillegrenze für Parteimitglieder, eine Limopflicht gar?
Plant Dobrindt eine Maut für Bierfuhrwerke oder für die Festwagen beim Einzug der Wiesnwirte? Muss der Schichtl eine breitere Guillotine anschaffen, weil die CSU neuerdings den Großkopferten an den Kragen will? Der Grausamkeiten sind noch viele denkbar, und die Zukunft wird fürchterlich.
