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Oktoberfest:Diese Player beherrschen die Wiesn

183. Münchner Oktoberfest

Auch was auf den Teller kommt, stammt von wenigen Zulieferern.

(Foto: dpa)

Vom Bier über die Zelte bis zum Kartoffelsalat: Nur wenige Zulieferer verdienen am Münchner Oktoberfest.

Für Wirtschaftstheoretiker der neoliberalen Schule ist das Oktoberfest ein einziger Horror. Hans-Werner Sinn, der frühere Leiter des ifo-Instituts, dürfte hyperventilieren vor Schreck, wenn er an die Wiesn denkt. Schließlich ist dort so gut wie alles anders, als es sich die neoliberale Ideologie so vorstellt: Die ganze Unternehmung ist extrem erfolgreich, obwohl sie von der öffentlichen Hand - der Stadt München - veranstaltet wird. Es gibt keinen freien Marktzugang, denn es kann keineswegs jeder, der Lust drauf hat, Geschäfte auf der Theresienwiese machen.

Die Konkurrenz hält sich sehr in Grenzen, genau genommen wird die Wiesn beherrscht von ein paar wenigen "Playern", wie das im Big Business heißt. In der Fachsprache ist von einem "Oligopol" die Rede, wenn ein paar wenige den Markt unter sich aufgeteilt haben.

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Das fängt schon bei einem der wichtigsten Rohstoffe des Gesamtprodukts Oktoberfest an, dem Bier. Da teilen sich vier Großbrauereien die Versorgung der 14 großen Zelte auf: die staatliche Hofbräu, die Augustinerbrauerei, die zur Hälfte einer Stiftung gehört, die Anheuser-Busch-Inbev-Gruppe mit ihren Töchtern Spaten und Löwenbräu sowie die Brau Holding International mit Hacker-Pschorr und Paulaner. Diese vier Unternehmen dürfen die Wiesn alleine beliefern, weil es sich bei ihnen um Münchner Traditionsbrauereien handelt (auch wenn sie teilweise internationalen Konzernen gehören), die aufgrund ihres Hektoliterausstoßes in der Lage sind, das Volksfest verlässlich mit Bier zu versorgen.

Letzteres ist ein dehnbares Kriterium, aber bislang hält es kleinere Brauereien, die es in München ja auch gibt, vom Oktoberfest fern. Die etwa sieben Millionen Liter Bier, die in den gut zwei Wochen getrunken werden, gehen also auf das Konto der vier Großen.

Auch was auf den Teller kommt, stammt von wenigen Lieferanten

Noch klarer aufgeteilt ist der Markt, was die Bierzelte als Bauwerke angeht. Die wurden und werden entweder von der Firma Pletschacher Holzbau in Dasing oder von Deuter Zeltbau in Augsburg im Auftrag von Brauereien oder Wirten entworfen, gebaut und übers Jahr auch dort eingelagert. Oft sind die Zeltbaufirmen auch Eigentümer der Zelte, die sie dann an die Betreiber verleasen. Deuter hat zum Beispiel das neue Hackerzelt entworfen und gebaut, Pletschacher den Marstall. Der ist eines der wenigen Zelte, das dem Wirt selbst gehört.

Auch was drinnen steckt, kommt oftmals aus einer Hand. Die Spülmaschinen für Masskrüge und Geschirr beispielsweise liefert praktisch überall auf der Wiesn der Parsdorfer Unternehmer Hubert Hackl. Seine Firma Hackl-Rent hat sich auf Spülanlagen für die Großgastronomie spezialisiert und verleiht sie oder stellt sie auf Leasingbasis zur Verfügung. Die Firma Braudienst Bayern wiederum liefert für viele Zelte Schank- und Kühlanlagen sowie Biertischgarnituren.

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Nicht nur, was ins Glas, sondern auch was auf den Teller kommt, stammt oft von wenigen Lieferanten. So kommen viele Wiesnhendl eigentlich aus Niedersachsen, dort haben die Großproduzenten Wiesenhof und Astenhof ihren Hauptsitz. Geschlachtet werden die Tiere meist in einem Großschlachthof in Massing, weshalb sie oft als bayerisches Erzeugnis vermarktet werden. Überhaupt ist die Herkunft der Tiere schwer nachzuvollziehen. Die großen Produzenten stehen wegen der Haltungsbedingungen und der Aufzucht oft im Kreuzfeuer der Kritik von Tierschützern und sind schon deshalb nicht sehr auskunftsfreudig.