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Oktoberfest:Am schönsten zeigen die Wandmalereien den Wandel der Zeit

Wie im alten Zelt hat auch im neuen das Atelier Rudi Reinstadler die gesamten Seitenwände so mit München-Motiven bedeckt, dass die Stadtansichten nach oben direkt in den blauen Himmel übergehen, also mit der Decke eine schöne Einheit bilden. Und da in der Mitte der Halle wie früher die kreisrunde Drehbühne für die Musik aufgebaut ist, fragt man sich, was wirklich neu ist in diesem Hackerzelt.

Vorstellung Hackerzelt, Hacker-Festzelt auf dem Oktoberfest, Wiesn

Sie sind stolz aufs neue Wiesnzelt: die Hacker-Festwirte Thomas (links) und Toni Roiderer.

(Foto: Florian Peljak)

Tatsächlich ist das Zelt im bewährten Stil neu konstruiert und dabei an einigen Stellen sinnvoll verändert und vergrößert worden. So hat das Haus jetzt statt des nach oben öffenbaren "Cabrio-Dachs", das nur selten zum Einsatz kam, eine am First in ganzer Länge entlanglaufende Sheddach-Belüftung, die das Klima im Raum deutlich verbessern wird. Das Dach wurde dabei um 1,80 Meter angehoben, was der vorher schon konkurrenzlos weiten Mittelhalle noch mehr Offenheit gibt, in den engen Obergeschossen der Seitenschiffe aber als luftiger Raumgewinn genossen werden kann.

Die wichtigste räumliche Veränderung im Zelt ist der stattliche Balkon an der Südseite; er ist vom darunterliegenden Biergarten aus über Treppen erreichbar. Für Raucher wurde auf der Nordseite ein zusätzlicher Balkon eingerichtet; er ist freilich nur von den Boxen und den geschlossenen Stuben aus zugänglich. Überhaupt sind die Galerien des Seitenschiffs jetzt deutlich komfortabler eingerichtet: Nun gibt es auch dort oben auf beiden Seiten je einen Ausschank sowie vergleichsweise geräumige Toiletten, die lange Umwege ersparen.

Oktoberfest Neues Hackerzelt: Im Himmel gibt es bald mehr Klos
Oktoberfest

Neues Hackerzelt: Im Himmel gibt es bald mehr Klos

Außerdem wird das neue Wiesnzelt höher und besser zu lüften sein, es bekommt einen weiteren Balkon und breitere Gänge - zum Wohle aller Wankenden.   Von Franz Kotteder

Am schönsten lässt sich der Wandel der Zeit an den großflächigen Wandmalereien des Ateliers Reinstadler studieren. Hatten die Maler beim letzten Mal auf einer der langen Längswände vor allem Wirtshäuser aus der Geschichte der Brauereien Hacker und Pschorr im monumentalen Riesenformat abgebildet, so sind nun die schönsten Innenansichten Münchens über die Wände verteilt.

Und auf all den perspektivisch geschickt gemalten Plätzen bewegen sich Menschen, die exakt unserer Zeit entsprechen. So sieht man beispielsweise auf dem St. Anna-Platz neben heimisch wirkenden Passanten auch zwei schwarz verhüllte Frauen herumspazieren - eine verbirgt ihr Gesicht hinter einem Niqab.