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Oktoberfest-Attentat:Zeugin wurde sechs Wochen lang beschattet

W. verschwand am nächsten Tag aus München. Er habe sie noch informiert, dass er nach Argentinien wolle, "zu Freunden", so erinnert sich die Zeugin, die sich wunderte, wie ein Aussiedler ohne Pass und Geld nach Südamerika kommen wollte. Bis 2005 sah die Theologin den Mann, der heute Mitte 60 sein dürfte, nicht mehr.

Dann traf sie ihn in München zufällig auf der Straße wieder. Er arbeite nun in einer großen Buchhandlung und als freier Fotograf, habe er ihr erzählt. Auf die Ereignisse von 1980 sprach sie ihn nicht an. 2008 kam es laut ihrer Aussage erneut zu einer kurzen Begegnung mit W., der dabei einen heruntergekommenen Eindruck gemacht habe.

"Mehrere Männer" in Köhlers Umgebung

Die Polizei hatte sich offensichtlich nie für Andreas W. interessiert. Die Zeugin selbst ist nach ihrer Aussage im Polizeipräsidium aber sechs Wochen lang beschattet worden: Ein Auto habe sie verfolgt, sie habe Telefonanrufe von Unbekannten bekommen, die bedrohlich über ihre Familie schwadroniert hätten. Die damalige Studentin wandte sich deshalb Hilfe suchend an ihren Münchner Professor, der ihr riet, sie solle die Verfolger im Auto einfach zur Rede stellen. Danach wurde die Frau nicht mehr behelligt.

Anwalt Dietrich sieht in den Angaben der Theologin den eindeutigen Beleg, dass Gundolf Köhler nicht alleine gehandelt haben konnte und zumindest Mitwisser hatte. Das untermauert die Aussage eines weiteren Zeugen, den Dietrich in seinem Wiederaufnahmeantrag anführt: Der IT-Fachmann Ramin A. war 1980 Zeuge der Explosion auf der Theresienwiese und hatte zuvor "mehrere Männer" in Köhlers Umgebung gesehen, die nicht wie Wiesnbesucher ausgesehen hätten.

Verbindungen zur "Wehrsportgruppe Hoffmann"

Auch für diese Beobachtung, so Ramin A., habe sich die Polizei ausdrücklich nicht interessiert. Dietrich, der in Akten des Landeskriminalamts eindeutige Hinweise auf Verbindungen Köhlers zur rechtsradikalen "Wehrsportgruppe Hoffmann" gefunden hat, geht davon aus, dass der Generalbundesanwalt die Zeugen in Kürze vernehmen wird.

Die Landtags-SPD hat bereits angedeutet, dass es zu einer Weisung von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) an den Generalbundesanwalt kommen könnte, die Ermittlungen wieder aufzunehmen. Von dessen Staatssekretär Ulrich Kelber habe er bei einer Fraktionsklausur in Berlin entsprechende positive Signale erhalten, sagte Fraktionschef Markus Rinderspacher. Dies sei auch geboten, denn das Wiesnattentat sei "der schlimmste Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik", sagte Rinderspacher.