OktoberfestAls Wiesnbesucher ihre Hendl noch selber mitbrachten

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Richard Süßmeier war 14 Jahre lang Sprecher der Wiesnwirte.
Richard Süßmeier war 14 Jahre lang Sprecher der Wiesnwirte. Stephan Rumpf

Richard Süßmeier erinnert sich gut an schlecht besuchte Bierzelte und spärliche Zeiten. Er arbeitete selbst 26 Jahre lang als Wiesnwirt - und ist noch immer für taktische Finessen und seine Körpergröße bekannt.

Von Franz Kotteder, München

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Damals, als er anfing, kamen viele Gäste noch vom Land rein und brachten ihre gerupften Hendl gleich selber mit. "Die hat man ihnen dann für ein Fuchzgerl gegrillt", erzählt Richard Süßmeier, "wir waren halt auch eine Lohnbraterei!"

Damals mussten die Wiesnwirte schließlich noch schauen, wo sie blieben, der Besuch in den Festzelten war eher spärlich, und Süßmeier erinnert sich an den guten Rat eines Kollegen, als er im alten Armbrustschützenzelt anfing, das damals, 1958, noch eine ehemalige Baracke des Reichsarbeitsdienstes gewesen ist. "Die ersten paar Tage brauchst eigentlich gar nicht aufsperren", sagte der andere Wirt, "da kommt eh koana!"

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Richard Süßmeier, vor knapp zwei Wochen 87 Jahre alt geworden, ist am Montagabend Gast im Münchner Presse-Club und erzählt im Gespräch mit dem Vorsitzendem Peter Schmalz aus seinem Leben als Wiesnwirt. 26 Jahre lang war er das auf dem Oktoberfest, vierzehn davon sogar Sprecher der Wiesnwirte. Den "Napoleon der Wirte" hat man ihn genannt, nicht nur wegen seiner strategischen Begabung und seinen taktischen Finessen, sondern vor allem wegen seiner Körpergröße, mit der er auch heute noch gerne kokettiert: "Ich bleib sitzen, weil wenn ich aufsteh', bin ich auch nicht größer."

Überhaupt, die Sprüche: "Was verdient ein Wiesnwirt? Eine links und eine rechts!" ist sein Klassiker. Das sei eben seine Technik gewesen, sagt er, solchen Fragen auszuweichen. Eine andere Variante war: "Was ein Wiesnwirt verdient, gleicht sich über die Jahre immer aus. Verdient er weniger, macht ihm das mehr aus, verdient er mehr, dann macht ihm das weniger aus."

Der Wirtssohn, der im Straubinger Hof an der Blumenstraße aufgewachsen ist, erinnert sich aber auch noch an andere Zeiten. Daran, als gegenüber am Blauen Bock noch eine Tankstelle der NSDAP stand und ein gewisser Sepp Dietrich dort Tankwart war: "Der hat dann später die Ardennenoffensive angeführt - das waren noch Karrieren."

Süßmeier erinnert sich an seinen ersten Einzug auf die Wiesn mit einem Karren und zwei Eseln, die irgendwann nicht weiter wollten. Als der damalige Wirtesprecher Hans Schottenhamel grantelte, der Wirteeinzug sei doch kein Faschingszug, stieg Süßmeier im Jahr darauf in Ritterrüstung auf ein Schaukelpferd.

Auffallen war halt wichtig im Kampf um die Kundschaft: "Mir war bald klar: Ein Zelt braucht eine wuchtige Fassade, damit jemand reingeht." Und es muss eine Gaudi her, wozu in Bayern selbstverständlich auch gehört, sich über einen anderen lustig zu machen. Leider konnte er das auch bei dem damaligen neuen Kreisverwaltungsreferenten Peter Gauweiler (CSU) nicht lassen. Prompt flog er von der Wiesn.

"Der Gauweiler wollte alle Federn allein auf seinem Hut haben", sagt Süssmeier heute, "ich habe ihn provoziert, anstatt dass ich ihm aus dem Weg gegangen bin." Aber mit 87 ist man natürlich immer gescheiter. Wie oft Gauweiler heute noch auf die Wiesn geht, weiß man nicht, bei Richard Süßmeier hingegen schon: "Jedes Jahr fünf- bis sechsmal. Ich werde immer eingeladen, und da kann man ja schlecht nein sagen."

© SZ vom 06.09.2017 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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