Das Rennen um den Wiesnhit
Gibt es einen Wiesnhit? Während es diesen einen Song viele Jahre fast immer gab, mussten sich bei der vergangenen Auflage zwei Lieder den ersten Platz teilen: „Wackelkontakt“ von Oimara und „Bella Napoli“ von Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys. Und heuer? Ist tatsächlich „Bella Napoli“ noch immer hoch im Kurs. Aber auch „Gute Laune“ – eigentlich ein Kinderlied – des Duos Großstadtengel und „Mon Amour“ von Adrian Vogt, Marc Eggers und Paul Frege werden oft in den Zelten gespielt.

Gelegentlich ist noch „Bierzelt Legende“ der Band Troglauer zu hören. Das hat immerhin den Wettbewerb „A Liad für d’Wiesn“ der Stadt gewonnen. Nur reicht das am Ende für den Wiesnhit? Gerade scheint das Rennen offen zu sein. jala
Weniger Andrang zum Auftakt
Liegt es daran, dass das Geld nicht mehr so locker sitzt? Oder schrecken Überfüllung und Sperrungen vom vergangenen Jahr Besucherinnen und Besucher ab? Jedenfalls scheint der Andrang auf die Theresienwiese ein wenig nachgelassen zu haben. In den Biergärten bekam man bislang eigentlich immer noch einen Platz und auch in den Zelten war die Suche nach einem Tisch oft nicht aussichtslos. Offizielle Zahlen liegen bislang nicht vor. Eine Analyse des Mobilfunkanbieters Telefónica vom ersten Wochenende deutet jedoch auf eine leichte Entspannung hin.

Demnach sank die Besucherzahl trotz Bilderbuchwetters um vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf insgesamt etwa eine Million. Die Gäste ließen es ruhiger angehen und blieben etwas länger auf der Wiesn – fast sechs Stunden am Samstag und fünfeinhalb am Sonntag, knapp eine Viertelstunde mehr als im Vorjahr. Auch das Durchschnittsalter stieg demnach um ein Jahr auf 45,8 Jahre am Sonntag. Und dass der Anteil internationaler Touristen am ersten Wochenende um vier bis fünf Punkte deutlich auf 29,4 Prozent am Sonntag stieg, bedeutet im Umkehrschluss, dass es offenbar gerade die Einheimischen nicht mehr ganz so stark wie im vergangenen Jahr auf die Wiesn zog. dac
Auf einen Kaffee
Ob nach der Mittagswiesn oder vor der Abendreservierung, ein Kaffee am Nachmittag geht immer, vor allem, wenn man ihn wie in diesem Jahr in der Sonne genießen kann. Weil viele große Zelte keine Heißgetränke auf der Karte haben, strömen Besucherinnen und Besucher für einen Koffein-Kick nach draußen und tummeln sich stehend vor den kleinen Café-Zelten.

Der Straßenverkauf des Café Theres etwa gleicht einem Pub im Feierabendbetrieb. Menschentrauben bilden sich davor, und an den wenigen Stehtischen quetscht man sich bei Cappuccino und Espresso Martini zusammen. Auch die Terrasse von Bodos neuem Cafézelt wird gut angenommen. Die alte Alu-Konstruktion ist einem einladenden Holzbau gewichen. An Törtchen, Strudeln, Krapfen und Ausgezogenen kommt man da nur schwer vorbei. smad
Geschmack auch ohne Alkohol
Vor allem die kleinen Zelte bieten immer mehr Getränke ohne Alkohol an. Da wäre etwa der Bioland-Aperitivo „Sankt Sprizz“ aus Bad Aibling, der im Fisch-Bäda in kleinen Steinkrügen ausgeschenkt wird. Dieses Rosé-Tonic aus entalkoholisiertem Wein und Kräuterextrakten schmeckt fruchtig-herb und nicht zu süß.
Der „Matcha Spritz alkoholfrei“ in Bodos Cafézelt geht geschmacklich in eine ähnliche Richtung. Wer Matcha nicht mag, kann hier bedenkenlos zugreifen, denn der Drink schmeckt mehr nach Frucht als nach Grüntee. Die giftgrüne Farbe steuert der alkoholfreie Matcha-Aperitif von Maēmo Organics aus Kempten bei. Falls man nach zu viel Bier ein „Reparier-Getränk“ benötigt, kann man im Café Theres die Birne-Zitrone-Brause vom Münchner Hersteller Daenz probieren. Die enthält fünf verschiedene Elektrolyte, die dem Kater vorbeugen sollen. smad
Transparent und monochrom
Die weiße Dirndlbluse ist ein zeitloser Klassiker, doch in diesem Jahr machen ihr verspieltere Modelle Konkurrenz: Man sieht transparente Blusen in allen Farben und Schnitten, von Flügel-Ärmelchen bis Langarm, von zarten Puder-Tönen bis Dunkelblau, Weinrot und Schwarz – oft im angesagten „Monochrom-Look“, also Ton in Ton mit Dirndl und Schürze. Transparente Blusen dürfen gemustert oder bestickt sein, ja sogar glitzern. Hauptsache, die Haut schimmert darunter durch.

Auch die Silhouette des Dirndls wird immer mehr aufgebrochen, durch Zweiteiler zum Beispiel. Ein Mieder mit angenähten Puffärmeln etwa lässt sich vielseitig kombinieren: Zum Trachtenrock oder zur Stoffhose wirkt es klassisch elegant, zur Jeans lässig und doch festlich. Zudem kann man sich bei einem Mieder die Bluse darunter sparen. Akzente erzeugen in diesem Jahr außerdem Kettengürtel auf der Schürze sowie auffällige Taillengürtel. smad
Der neue OB und sein Lächeln
Es wäre nicht verwunderlich, wenn Dominik Krause mit einer besonderen Art von Wiesn-Kater ins Wochenende starten würde: einem Muskelkater im Gesicht, vom vielen Lächeln. Selfies muss der neue grüne Oberbürgermeister immer viele machen. Aber auf dem Oktoberfest sei es „unübersichtlich“ geworden, sagte er dieser Tage auf die Frage, wie viele da täglich zusammenkommen. Am Donnerstagabend etwa in der Ratsboxe im Schottenhamel-Zelt muss er alle paar Minuten vom Tisch aufspringen. Junge Frauen mit Hüten, Teenies beim ersten Wiesn-Besuch, Rentnerinnen und Rentner: Alle wollen ein Foto mit dem OB. Der macht bereitwillig mit – und knipst sein Krause-Strahlen an.

Die wichtigste Aufgabe hatte er schon zum Auftakt gemeistert und das erste Bierfass mit zwei Schlägen angezapft. Gleich mehrere Premieren gab es da: Zum ersten Mal legte die Stadtspitze beim Einzug mit der Kutsche am Mahnmal für die Attentatsopfer von 1980 einen Gedenkstopp ein. Zum ersten Mal war es ein grüner Oberbürgermeister, der dem CSU-Ministerpräsidenten die erste Mass reichte. Und zum ersten Mal seit Jahrzehnten musste die SPD zuschauen, wie keiner der ihren das größte Volksfest der Welt eröffnete. Seine Teilnahme am Trachtenumzug am Sonntag musste der OB wegen Kreislaufproblemen zwar abbrechen, doch am Montag war er schon wieder am Start – Krause-Strahlen inklusive. hob
Auf geht’s zum „Septemberfest“!

Wer als Influencerin oder Influencer auf die Wiesn geht, von dort aus postet und gedenkt, damit auch Geld zu verdienen, muss jetzt eine offizielle Erlaubnis haben. Das gilt schon für die Nutzung der beiden geschützten Begriffe „Oktoberfest“ und „Wiesn“. Etwa 200 Content-Creator erhielten bislang eine Lizenz, das bestätigte eine Sprecherin der Stadt der Deutschen Presse-Agentur.
Streng genommen untersagt die städtische „Oktoberfestverordnung“ Werbung auf der Wiesn schon seit Längerem. Dieses Jahr aber wurden die Regeln auf den Berufsstand Influencer hin angepasst. Die Stadt sagt: Wer mit einem städtischen Fest Geld verdient, müsse sich auch an den Kosten beteiligen. Fragt man Influencer zu der Lizenzregelung, zeigen diese sich meist wenig begeistert.
Ganz ohne Fest müssen selbst lizenzlose Content-Creator aber nicht auskommen. Manche piepen „Oktoberfest“ aus wie ein Schimpfwort, umschreiben es oder machen sich gar eine Wortschöpfung zunutze. Bei denen heißt es dann allen Ernstes: Ozapft is auf dem „Septemberfest“! flud

