Was für ein Tag zum Start des 190. Oktoberfests: Die Sonne scheint, der Himmel ist blau – da ist die ohnehin schon gute Wiesn-Laune gleich mal noch besser, die viele auch unbedingt sofort im Foto festhalten müssen. Doch mit bis zu 30 Grad Außentemperatur fließt zum Anstich nicht nur das Bier in Strömen, sondern auch der Schweiß.
Der Wiesntrend zum Anstich: Fächer
Die Findigen unter den Oktoberfest-Besuchern hatten einen Fächer dabei, die Trachtenträger freuten sich, dass sie mit Dirndl und Lederhosen diesmal nicht frieren mussten. Es gab ja auch schon Oktoberfeste, wo mittendrin plötzlich Glühwein ausgeschenkt werden musste.

Davon ist München am Samstag weit entfernt. Der Wetterdienst hatte sogar vorab prognostiziert, dass es der heißeste Wiesn-Tag jemals werden könnte - und tatsächlich, er wurde es: 31 Grad wurden am Samstagnachmittag auf der Festwiese gemessen.


Warm war's also, im Freien, wo sich viele Besucher Schattenplätze unter teils improvisiertem Sonnenschutz suchten, und in den vollen Zelten sowieso. Die Sanitäter mussten oft wegen Kreislaufproblemen rausrücken.
Das schon traditionelle Warten vor dem Start

Schon um halb elf harrten die ersten Wiesn-Fans am Vorabend vor dem Festgelände aus, um ihre Plätze möglichst weit vorn am Einlass zu sichern. Wer einen Tisch im Zelt ergattern wollte, bestenfalls auch noch im Anstich-Zelt, schlug sich rund um die Theresienwiese die Nacht um die Ohren. Mit der Zeit gesellten sich immer mehr Feierwütige dazu, mit Decken und müden Gesichtern. Kurz vor der Eröffnung warten mehrere Hundert Menschen auf den Einlass.
Um 9 Uhr: München rennt


Und dann heißt es: rennen, rennen, rennen. Viele von den meist jüngeren Wiesn-Besuchern wollen ins Schottenhamel-Zelt, wo um zwölf Uhr das erste Bierfass von Oberbürgermeister Dieter Reiter angezapft wird. Einmal einen Run aufs Wiesn-Zelt mitmachen – für einige Wiesn-Besucher mindestens ein Once-in-a-lifetime-Moment.
Anzapfen mit schwitzigen Händen

Fast wäre es noch schiefgegangen: Wegen der Hitze im Zelt bekam Dieter Reiter schwitzige Hände, der Schlegel zum Anzapfen sei dadurch ganz feucht und rutschig geworden, erzählt der Oberbürgermeister. „Er wäre mir fast aus der Hand gefallen.“
Glücklicherweise konnte er ihn doch noch festhalten. Auch die im Mai operierte Schulter spielte mit und musste nicht als Ausrede herhalten: Wie gewohnt reichten Reiter zwei Schläge. Leicht gefallen war ihm das nicht, wie er sagte, nach dem Anstich wischte er sich den Schweiß von der Stirn.
Dialekt-Fauxpas beim Anstich: „Hier ist Wiese!“

Rund um das Oktoberfest lauern im Bairischen unzählige grammatikalische Fallstricke. Wer das „a“ in Mass zu sehr in die Länge zieht, outet sich ebenso schnell als Auswärtiger wie Menschen, die „die Wiesn“ als Plural betrachten. Dass auch ein Moderator des Bayerischen Rundfunks nicht unbedingt vor solchen Fettnäpfchen gefeit ist, zeigte sich kurz vor dem Anstich: Ministerpräsident Markus Söder rief dazu auf, während des Oktoberfests die Krisen der Welt für eine Weile zu vergessen. Dort sei Wiesn, sonst nichts. Der BR-Moderator griff den Freudenruf auf, stolperte dabei allerdings und verkündete: „Hier ist Wiese!“ Die Leute hätten vermutlich zu dem Zeitpunkt lieber gehört: Hier ist Bier.
Trachtenfasching auf der Theresienwiese

Die Wiesn ist jedes Jahr auch wieder ein Laufsteg – nicht nur für die schönsten Trachten, sondern auch für die kuriosesten Kostüme. Was für manchen Bayern ein Affront ist, wird für viele Besucher aus aller Welt zum großen Kreativitätswettbewerb.

Ein Gast aus Italien etwa kleidete sich am Anstich-Tag als Bierkönig um gelben Mantel und mit Schaumkrone. Auch Lederhosen aus leichtem Stoff, Perücken mit geflochtenen Zöpfchen und knappe Mini-Dirndl sind wieder überall auf dem Gelände zu entdecken.

Spaß scheinen sie ja zu haben, wie die Tausenden anderen Besucher, die die Sommerwiesn an diesem Wochenende genießen.

