Süddeutsche Zeitung

Nach Oktoberfest-Absage:Palmenstrand statt Bierzelt auf der Theresienwiese

Auch ohne Oktoberfest soll die Theresienwiese Besucher anlocken - mit Sportangeboten, dafür aber ohne angedachtes Löwengehege. Welche Attraktionen nun bald kommen werden.

Von Heiner Effern

Es ist fast auf den Tag ein Jahr her, dass die ersten Arbeiter zum Aufbau des Oktoberfests 2019 anrückten. Die Ausgabe 2020 ist wie so vieles dem Virus zum Opfer gefallen, ein Symbol dafür, dass nichts ist wie immer in diesem Sommer und Herbst. Die 42 Hektar große Theresienwiese wird heuer nicht ihr Festgewand überstreifen mit Zelten, Buden und Fahrgeschäften, doch sie soll dafür ein Zentrum des Konzepts "Sommer in der Stadt" werden. Das beschloss der Wirtschaftsausschuss am Dienstag einstimmig. Am längsten diskutiert wurde jedoch darüber, welche vermeintliche Attraktion gestrichen wird: das öffentliche Training der Löwen von Circus Krone.

Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner hatte das Angebot des Münchner Unternehmens aufgegriffen, die Raubtiere beim Üben ihrer Nummer zu präsentieren. Dafür hätte der Zirkus ein Gehege auf der Theresienwiese aufgebaut und die Besucher kostenlos zuschauen lassen. Doch Grüne und SPD an vorderster Front, letztlich aber alle Mitglieder des Stadtrats einigten sich darauf, dass das Vorführen von Wildtieren aus der Zeit gefallen sei. Die Haltung von Löwen in dieser Form sei "nicht artgerecht", sagte Grünen-Stadträtin Julia Post, "dem können wir nicht zustimmen." Daneben gab es im Ausschuss auch Sicherheitsbedenken, wenn Raubtiere teilnähmen. Grundsätzlich sei aber der Circus Krone "herzlich willkommen" auf der Theresienwiese, aber dann mit einem tierfreien Angebot, hieß es im Stadtrat.

Was jedoch genehmigt ist und nun bald kommen wird, ist ein Palmengarten mit 1000 Quadratmeter Fläche. Sechs bis acht Bäume mit einer Höhe von bis zu drei Metern sollen aufgestellt werden, dazu sollen Liegestühle auf Sand Strandgefühl schaffen. Zusätzlich werden auf der Theresienwiese fünf grüne Inseln mit jeweils drei Pflanztrögen, wie sie in der Fußgängerzone stehen, für den Sommer aufgestellt. Auch zusätzliche Sitzgelegenheiten sollen den Aufenthalt angenehmer machen.

Ganz zentral soll diesen Sommer aber Bewegung und Sport angeboten werden, nicht passiv in Fahrgeschäften, sondern aus eigenem Antrieb. Eine mobile Boulderwand wird in den Südteil nahe dem Palmengarten kommen, in Sichtweite ist bereits ein Tennisplatz auf den Asphalt gesprüht. Besonders Neueinsteigern soll so Lust auf mehr gemacht werden. Dazu sollen aus dem mobilen Spielangebot der Stadt zum Beispiel das Stangengerüst, Riesentrampolin, Airbag und Airtrack, Balance, Parkour und Calesthenics-Stationen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene angeboten werden. Weiter werden eine Strecke zum Rad- und Verkehrstraining für Kinder und eine BMX-Strecke eingerichtet. Dazu kommen Veranstaltungen und Events wie die ohnehin geplante Europameisterschaft im Bikepolo.

Kulturell liegt der Schwerpunkt auf der Reihe "Kunst im Quadrat", einer Plattform, auf der sich lokale Künstler vorstellen können. Der Großteil der Theresienwiese bleibt wie bisher frei nutzbar, sodass niemand verdrängt wird, der dort jetzt schon seinen Hobbys nachgeht. Alle Angebote sind auf die Corona-Zeit beschränkt, dafür aber kostenlos. Auch das unterscheidet das Treiben 2020 vom gewohnten Betrieb des Oktoberfests.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4959730
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 08.07.2020/mmo
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.