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Oktoberfest 2017:Was neu auf der "längstmöglichen Wiesn" in diesem Jahr ist

Die großen Wiesnwirte stellen ihren neuen Festkrug vor.

(Foto: Claus Schunk)

Lola Montez auf dem Krug der Wirte, neue Fahrgeschäfte und zwei Apps. Das Oktoberfest feiert überraschend viele Premieren.

Gläsern sind die Masskrüge auf der Wiesn schon seit Jahrzehnten, gläsern wird jetzt auch der Wiesnbesucher. Wenn er damit einverstanden ist und das ausdrücklich will. Denn in diesem Jahr gibt das städtische Online-Portal muenchen.de erstmals eine kostenlose App heraus, mit der man unter anderem via Facebook allen seinen Freunden mitteilen kann, in welchem Wiesnzelt oder an welchem Fahrgeschäft man sich gerade aufhält.

Darüber hinaus bietet die App mit dem naheliegenden Titel "Oktoberfest 2017" auch einen detaillierten Geländeplan mit Suchfunktion sowie eine Übersicht über sämtliche Neuigkeiten und Termine. Wiesn-Chef und Zweiter Bürgermeister Josef Schmid (CSU) erwartet sich bei einer regen Nutzung der App darüber hinaus auch exaktere und schnellere Hochrechnungen über die Auslastung der Zelte und eine mögliche Überfüllung des Festgeländes: "Das ist schon möglich, wenn sich nur ein Prozent der Besucher auf dem Festgelände einloggen."

Die städtische Wiesn-App ist freilich nicht die einzige Neuerung auf der "längstmöglichen Wiesn" (Schmid), die heuer 18 Tage dauert, weil der Feiertag 3. Oktober auf einen Dienstag fällt und damit das Oktoberfest um zwei Tage verlängert. Ganz abgesehen davon, dass es erstmals auch eine offizielle App "Mein Fest" gibt, mit der man bei insgesamt 60 Wirten und Schaustellern per Smartphone bezahlen kann, wartet die Wiesn nämlich noch mit sieben neuen und ziemlich analogen Attraktionen auf.

So ist dieses Jahr zum ersten Mal der "XXL Racer" im Einsatz: Dort sind die Fahrgastgondeln an einem 55 Meter langen Propeller befestigt, der sich um eine horizontale Achse dreht. Mehr in der Vertikalen unterwegs ist der "Voodoo Jumper", der sich wie ein Karussell im Kreis dreht und dabei Hüpfer macht. Der "Drifting Coaster", eine Achterbahn neuen Stils mit vielen Links-Rechts-Drifts, schleudert seine Passagiere in schwingenden Gondeln mit 60 Kilometern in der Stunde durch die Gegend, und der 80 Meter hohe "Jules Verne Tower", ein sogenannter Riesenkettenflieger, legt noch fünf mehr drauf. Sein Betriebstempo beträgt 65 Stundenkilometer.

Recht beschaulich geht es im Vergleich dazu im "Photopalast anno 1900" vor. Hier kann man sich in historischen Kostümen fotografieren lassen. Neuigkeiten aus der Vergangenheit gibt es natürlich auf der Oiden Wiesn, die auch heuer wieder drei Euro Eintritt kosten wird (Fahrgeschäfte verlangen dort einheitlich einen Euro Eintritt). So sind dieses Jahr erstmals ein 70 Jahre altes Nostalgiekinderkarussell sowie die älteste Kindereisenbahn der Welt vertreten, der "Märchenlandexpress" aus dem Jahr 1924. Das Museumszelt wird jetzt von der "Historischen Gesellschaft Bayerischer Schausteller e. V." betrieben, dort gibt es jetzt auch Kinderbetreuung durch Lilalu bei der "Oiden Kinderwiesn".

Auf dem offiziellen Krug: Lola Montez

Bei der Gastronomie ändert sich wenig. Zwar bekommt die Ochsenbraterei ein neues Zelt, das soll sich aber - abgesehen von einer neuen Galerie - nicht so arg vom bisherigen unterscheiden und hat auch die gleiche Kapazität von exakt 7641 Gästen. Rundum neu ist das Volkssängerzelt "Zur Schönheitskönigin" mit rund 700 Plätzen auf der Oiden Wiesn, das einem altbayerischen Wirtshaus nachgebildet ist und die Tradition der Volkssänger fortschreiben soll. Ebenfalls auf der Oiden Wiesn findet man den Sektstand der Sektkellerei Nymphenburg, den es zuletzt in den Siebzigerjahren auf dem Oktoberfest gab.

Völlig neu ist hingegen wieder der offizielle Krug der Wiesnwirte, den sie am Mittwochabend der Öffentlichkeit vorstellten. Designerin Tita Gronemeyer hat diesmal Lola Montez in den Mittelpunkt gestellt. Die Tänzerin, die sich als Spanierin ausgab, hat von 1846 an dem alternden König Ludwig I. mächtig den Kopf verdreht und für allerhand Remmidemmi in der Stadt gesorgt. Möglicherweise war sie sogar einmal auf der damaligen Wiesn. "Eine Gestalt der bayerischen Geschichte ist sie auf alle Fälle", sagt Wirtesprecher Toni Roiderer vom Hackerzelt.

5000 Exemplare gibt es vom Krug. "Das sind alles salzglasierte, originale Keferloher", so Roiderer, "es gibt sie mit und ohne Deckel, auf alle Fälle aber ohne Bierpreisdeckel." Mehr Sicherheitspersonal werden die Wiesnwirte heuer nicht einstellen. Jeder der großen Wirte zahle ohnehin schon zwischen 250 000 und 500 000 Euro mehr Pacht wegen der höheren Sicherheitskosten. "Und wenn wir noch mehr Security-Leute einstellen, haben wir ja keinen Platz mehr für die Gäste".

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