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Oktoberfest 2015:Die Bilanz der koidn Wiesn

Wiesnbilanz - Grafik Sarah Unterhitzenberger

Die Bilanz der Wiesn 2015: Weniger Hendl, weniger Bier.

(Foto: SZ-Grafik: Sarah Unterhitzenberger; Quellen: Stadt München, Bayerisches Rotes Kreuz, MVG)
  • Der Bier- und Hendlkonsum auf der Wiesn ist leicht zurückgegangen - wegen des schlechten Wetters, wenn man Oktoberfestchef Josef Schmid glaubt.
  • Der Trend ging zu teueren und anspruchsvolleren Gerichten. Auch bei den Zelten ist mehr Anspruch zu sehen.
  • Und bei den Modeerscheinungen Einfallsreichtum: Zu sehen waren Ganzkörperanzüge und Lederhosen-Hot-Pants.

Was er nur immer mit seiner "Herbstwiesn" hat? Wo es doch weder im Frühling, noch im Sommer oder gar Winter eine Wiesn gibt? Bürgermeister und Oktoberfestchef Josef Schmid betonte bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Jahreszeit, in der das größte Volksfest der Welt seit 205 Jahren stattfindet. Denn die erklärt seiner Ansicht nach besonders gut, warum in diesem Jahr nicht ganz so viele Menschen in 16 Tagen zur Theresienwiese gekommen sind wie im vergangenen Jahr. Jedenfalls den Schätzungen zufolge.

Schmid hätte genauso gut auch den Ausdruck "koide Wiesn" verwenden können. "Sonnenschein am Tag, bitter kalt am Abend", so fasst er die Wetterlage zusammen, und das erkläre auch, warum der Bier- und Hendlkonsum leicht zurückgegangen ist.

Oktoberfest

Badewannen voll Müll

Bei den Hendln - im Vorjahr waren es noch gut 509 000 - nannte Schmid gar keine Zahl. Wirtesprecher Toni Roiderer sagte nur: "Es waren eigentlich zu wenig, aber die, die eins gegessen haben, waren begeistert!" Schmid sprach später dann aber noch von einem Rückgang zwischen vier bis fünf Prozent.

Das ist nicht besonders ungewöhnlich, vor zwei Jahren waren annähernd ebenso viele Hendl verkauft worden, obwohl die Wiesn damals noch eine halbe Million Besucher mehr hatte. Aber zusammen mit den Zahlen über andere Speisen lässt sich doch ein Trend ablesen: hin zu teureren und anspruchsvolleren Gerichten. Statt des Hendls bestellen sich viele Zeltgäste offenbar inzwischen Enten, Kalbsbraten und Ochsenfleisch. Eine wachsende Zahl lässt sich den Besuch auf dem Oktoberfest mehr kosten als früher, so scheint es, und man ist mit einer soliden Grundlage vor dem Bierkonsum allein nicht mehr zufrieden, sondern will auch gut essen.

Was sich bei den Zelten änderte - und bleiben wird

Den Trend zum Anspruch merkt man auch den Zelten an. Schon im vergangenen Jahr hatte Siegfried Able mit seinem nagelneuen Marstallzelt auf gediegene Ausstattung gesetzt - und dabei fast schon ein bisschen übertrieben: Der Marstall ist das Oktoberfestherzl unter den Festzelten, mit viel Dekoration und Zuckerguss. In diesem Jahr hat das neue Schützen-Festzelt der Wirtsfamilie Reinbold Maßstäbe gesetzt, mit kürzeren Wegen von Küche und Schänke bis zum Gast, und zum Beispiel auch mit eigenen Toiletten auf der Galerie, sowie einer hellen, luftigen Anmutung.

Über kurz oder lang wird das Standard werden für die Wiesnzelte, das kann man jetzt schon sagen. Was man so von den Planungen für das neue Hackerzelt im kommenden Jahr hört, soll dort auch auf mehr Annehmlichkeiten für Publikum und Personal geachtet werden.

Trägerinnen von Lederhosen-Hot-Pants überschätzen sich zuweilen

Und was gab es sonst Neues an Entwicklungen und Modeerscheinungen auf der Wiesn 2015? An den Ständen trat der Minion als Konkurrenz zum Lebkuchenherzl und dem Deppenbierfasshut an. Bei den Damen gab es heuer trotz der Temperaturen einer "Herbstwiesn" auffallend viele Lederhosen-Hot-Pants zu sehen, womit sich manche Trägerinnen freilich überschätzten. Einige weibliche Wiesnbesucher indes sah man in vermutlich extra fürs Dirndlgewand gekauften, da farblich abgestimmten Daunenjacken.

Vereinzelt waren außerdem auch Männer in hautengen Ganzkörperanzügen als Superman, Spiderman, King Kong zu bewundern oder - Überraschung! - Lederhosenträger. Auch das oft eine zweifelhafte Errungenschaft, wenngleich auch auffällig war, dass immer mehr ausländische Besucher in hochwertiger Tracht unterwegs waren.

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Kiffer fragt Polizisten nach Feuer

Aber erlaubt sollte auf der Wiesn sein, was gefällt, so lange niemandem damit geschadet wird, eine Stilpolizei gibt es zum Glück noch nicht. Dafür hatten die richtigen Ordnungshüter wie auch in den Jahren zuvor gut zu tun, wenn auch ein bisschen weniger als in den Vorjahren. Denn die Zahl der Straftaten ist weiter zurückgegangen, Polizeisprecher Wolfgang Wenger erklärt dies unter anderem mit dem Konzept, das die Beamten verfolgen: präsent sein und Präsenz zeigen. Mit Ersterem bezogt er sich auf die Zivilfahnder auf der Wiesn, die auch Kurioses erlebten: So fragte ein Kiffer, der sich gerade einen Joint gedreht hatte, ausgerechnet einen Polizisten nach Feuer.

Auch die Polizei hat dieses Jahr eine Neuerung eingeführt. Erstmals veröffentlichten die Beamten ihre Wiesn-Einsätze auf Twitter - "ein wunderbares Medium" wie Wolfgang Wenger findet. Und auch den friedlichen Betrieb auf der Oidn Wiesn lobte der Polizeisprecher. Gerade einmal zwölf Straftaten seien zu verzeichnen, darunter sieben Körperverletzungen, vier Taschendiebstähle und eine Beleidigung - bei mehr als einer halben Million Besuchern. Freilich lässt sich auch bei dieser relativ ruhigen Wiesn nicht wirklich von einer friedlichen sprechen, was sich schon allein an einer zunehmenden Rauflust mit dem Masskrug ablesen lässt.

Wiesnchef Schmid findet, es sei immer noch eine Wiesn "auf hohem und höchstem Niveau" gewesen, insgesamt seien Festleitung, Schausteller, Marktkaufleute und Wirte mit dem Verlauf zufrieden. Polizei, Feuerwehr und Rotes Kreuz sprechen von einer "normalen" Wiesn - wie jedes Jahr. Die Frage ist nur, inwiefern sich der Ausdruck "normal" überhaupt auf das Oktoberfest anwenden lässt. Wenn es normal ist, dass die Massen zu einem durchschnittlichen Schlagerlein ausflippen, das als "Wiesnhit" deklariert wird, dann war diese Wiesn nicht normal. Dieses Jahr gab es keinen. Josef Schmid immerhin gab sich mit dem vom Vorjahr zufrieden. Er bezeichnet sich als Helene-Fischer-Fan.

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Welcher Wiesnhit ist das?

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