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Offene Briefe:Warnung vor den Folgen

Ensembles und Theatergemeinde appellieren an Politiker

Von Evelyn Vogel

Nur wenigen Stunden nachdem der Krisenstab der Stadt die Anträge aus der Münchner Kulturszene, für Vorstellungen und Konzerte mehr als die vom Freistaat erlaubten 50 Zuschauer zuzulassen, abgelehnt hat, haben sich die künstlerischen Ensembles von Residenztheater, Kammerspiele, Gärtnerplatztheater, Volkstheater, der Schauburg sowie der Staatsoper in einem Offenen Brief an Ministerpräsident Markus Söder, Kunstminister Bernd Sibler, Oberbürgermeister Dieter Reiter und Kulturreferent Anton Biebl gewandt und die Bedeutung von Theater betont: "Theater ist wichtig!", heißt es darin. "Kulturelle Veranstaltungen zu untersagen, halten wir für falsch. Sie ignorieren damit die Maßnahmen, die die bayerischen Theater seit Monaten einhalten, um einen Zuschauerbetrieb zu ermöglichen." Man nehme die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen sehr ernst. Bislang habe kein Theater "Super-Spreader-Ereignisse provoziert". Die Ensemblemitglieder appellieren an die Politiker: "Lassen Sie uns die Menschen in diesen schweren Zeiten weiterhin mit einem vielfältigen Kulturangebot versorgen - und sei es nur für die Dauer eines Abends." Der Brief endet mit dem Appell: "Auf die gesellschaftliche Lage kreativ zu reagieren und Denkanstöße anzubieten, ist unsere Kunst. Eine Kunst, die in diesen Zeiten Halt geben kann und muss."

Unterstützung erhalten die Theater- und Opernhäuser von der Theatergemeinde München, einem der größten Münchner Kulturvereine. In einem ebenfalls Offenen Brief an Söder heißt es: "Wir hören und sehen jeden Tag, wie bereitwillig und diszipliniert das Kulturpublikum die Hygienekonzepte annimmt und umsetzt. Wir hören und sehen aber auch den Unmut und die Verärgerung über Auflagen und Regeln, die nicht verhältnismäßig sind und offenkundig nur Symbolcharakter haben." Die kommenden Maßnahmen müssten mit Augenmaß ergriffen werden. "Nur dann kann ein irreparabler und langfristiger Schaden für unsere Kulturlandschaft in München und Bayern noch verhindert werden", so die Vertreter der Theatergemeinde.

Auch andere Kulturverbände haben im Kampf gegen die Corona-Pandemie vor neuen Einschnitten bei Kinos, Museen oder Theatern gewarnt. "Ein flächendeckendes Kulturverbot hätte dramatische Folgen für die Kinolandschaft und die Filmwirtschaft in Deutschland", teilte die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) mit. "Das wäre ein heftiger Schlag und für kleine Privattheater schnell existenzbedrohend", sagte der geschäftsführende Direktor des Deutschen Bühnenvereins, Marc Grandmontagne, laut dpa. Der Deutsche Museumsbund forderte, die Ausstellungshäuser nicht zu schließen. Bisher gebe es "keine gemeldeten Fälle von Museen als Infektions-Hotspots".

© SZ vom 29.10.2020

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