Trauermarsch:Angehörige der Opfer vom OEZ fordern Gehör

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Trauermarsch: Trauermarsch zum sechsten Jahrestag des rassistischen Anschlags am Olympia-Einkaufszentrum.

Trauermarsch zum sechsten Jahrestag des rassistischen Anschlags am Olympia-Einkaufszentrum.

(Foto: Robert Haas)

Gedenkort statt Burger-Verkauf: Zum sechsten Jahrestag des rassistischen Anschlags am Olympia-Einkaufszentrum kritisieren Hinterbliebene die Stadt.

Von Martin Bernstein

"Es gibt eine große Stille - und wir wollen das ändern", sagt Sibel Leyla. Sie ist die Mutter des damals 14-jährigen Can Leyla, der genau vor sechs Jahren zusammen mit acht weiteren Menschen von einem 18-jährigen Rassisten am Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) ermordet wurde. Mit einem Trauermarsch vom Odeonsplatz durch die Stadt erinnern die Familien am Freitagnachmittag gemeinsam mit mehreren Hundert Münchnerinnen und Münchnern an die Opfer. Und sie machen deutlich, dass aus ihrer Sicht das rechtsextremistische Attentat noch lange nicht aufgearbeitet ist. "Rassismus gedeiht, wo er geleugnet wird", steht auf einem Plakat.

Seit Jahren setzen sich die Angehörigen von Armela Segashi, Can Leyla, Dijamant Zabërgja, Guiliano Kollmann, Hüseyin Dayıcık, Roberto Rafael, Sabina S., Selçuk Kılıç und Sevda Dağ dafür ein, dass der Anschlag als rechter Terrorakt ins kollektive Gedächtnis aufgenommen wird und dass sich München seiner Verantwortung stellt. Dazu gehört auch die Vernetzung mit den Hinterbliebenen und Überlebenden weiterer rechtsextremistischer Anschläge wie denen in Halle und Hanau. Der Anschlag am OEZ ist Teil einer ganzen Serie rassistisch motivierter Attentate, deren Täter sich im Internet radikalisierten, zum Teil sogar direkten Kontakt hatten, einander als nachahmenswerte Vorbilder galten und die gleiche menschenverachtende Gesinnung teilten.

In mehreren deutschen Städten gibt es Veranstaltungen zum sechsten Jahrestag der Münchner Morde - in Regensburg, Weiden, Münster, Offenbach und Düsseldorf, Berlin, Bremen, Jena, Leipzig, Magdeburg, Rostock und Zwickau. Für den Abend - zur Tatzeit - ist in München eine Gedenkveranstaltung am Mahnmal vor dem OEZ geplant, bei der neben Oberbürgermeister Dieter Reiter ausschließlich Angehörige der Opfer zu Wort kommen sollen.

Sie verbinden ihre Trauer mit konkreten Forderungen, auch an die Adresse der Stadt. Es sei für sie unerträglich, dass in dem McDonald's am OEZ, wo ihre Kinder umgebracht wurden, "jetzt wieder Burger und Pommes serviert und gegessen werden". Der Ort müsse zum Gedenkort werden. Wie in Hanau müssten die Gräber der Ermordeten dauerhaft erhalten und gepflegt werden, beispielsweise als städtische Ehrengräber. Zudem fordern die Angehörigen einen Raum in Moosach, einen "Ort des Erinnerns (...) und der Solidarität im Kampf gegen rechten Terror und Rassismus". Rechter Terror werde in Deutschland nicht konsequent bekämpft, sagt Sibel Leyla auf dem Odeonsplatz. Sie fühle such beim Blick auf die Menschenmenge zum ersten Mal nicht allein. Aber: "Der Horror ist nicht vorbei."

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