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Festnahme:Heiratsschwindler ergaunert 140 000 Euro

  • Über das soziale Netzwerk Facebook gesteht ein Heiratsschwindler einer Seniorin aus Österreich seine Liebe und versprach ihr eine gemeinsame Zukunft.
  • Der Mann gab vor, als Forscher auf einem Schiff zu arbeiten, da er jedoch einen Überfall von Piraten fürchtete, bat er die Dame um finanzielle Unterstützung.
  • Innerhalb weniger Monate ergaunert der Liebesschwindler insgesamt 140 000 Euro von der Rentnerin.

Das Leben lehrt, dass die größten Niederlagen zunächst gern im Gewand des größten Glücks daherkommen. Diese bittere Erfahrung musste eine Frau aus Österreich machen, die den fantastischen Geschichten eines Liebesschwindlers geglaubt und ihm über Monate hinweg insgesamt 140 000 Euro zugesteckt hatte, bis ihr doch etwas seltsam vorkam und sie sich der Polizei anvertraute. Dank grenzüberschreitender Zusammenarbeit der Strafverfolger konnten Münchner Beamte am Dienstag vergangener Woche zwei Mitglieder der Betrügerbande bei einer fingierten Geldübergabe am Münchner Hauptbahnhof festnehmen.

Der Mann, der sich im März mit der 68-jährigen Unternehmerin aus dem Bezirk Gmünd in Niederösterreich auf Facebook anfreundete, erzählte eine so unglaubliche Geschichte, dass sie wohl dachte, so etwas kann sich keiner ausdenken: Er sei als Wissenschaftler auf einem Forschungsschiff unterwegs, weshalb es mit einem persönlichen Treffen auch nie klappte. Dennoch gelang es ihm, die einsame Dame zu überzeugen, er sei in aufrichtiger Liebe zu ihr entbrannt und könne sich nichts Schöneres vorstellen als eine gemeinsame Zukunft.

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Angeblich führte der Forscher auf seinem Schiff ein Barvermögen von 7,3 Millionen Dollar mit sich. Bevor jedoch die gemeinsame Zukunft in Liebe und Wohlstand anbrechen konnte, gab es noch ein paar winzige Hürden zu überwinden: Die Dollarscheine seien aus Sicherheitsgründen eingefärbt worden, weil er einen Überfall von Piraten fürchtete. Um die aufwendige Reinigung zu finanzieren, sollte die 68-Jährige vergleichsweise bescheidene Beträge bezahlen.

Bei Treffen in Dresden, Linz, Wien und Paris übergab die liebestrunkene Frau jeweils mehrere Zehntausend Euro an Mittelsmänner ihres Schwarms. Auch der Transport des Geldes vom Schiff erwies sich wegen der hohen Anforderungen an die Sicherheit als sehr kostspielig. Im Juli schließlich wurde die Frau doch misstrauisch und wandte sich an die österreichische Polizei. Als eine weitere Geldübergabe in München geplant war, ersuchte das Landeskriminalamt Niederösterreich die bayerischen Behörden um Rechtshilfe.

Am 27. August schließlich nahmen Ermittler des Kommissariats für Betrugsdelikte am Hauptbahnhof einen 44-jährigen Italiener und einen 35 Jahre alten Mann aus Kamerun fest. Die beiden waren der 68-Jährigen schon von zwei Geldübergaben in Paris bekannt. Aber nicht nur die Hoffnungen der verliebten Seniorin wurden enttäuscht. Auch die Hoffnung der Betrüger, durch die Geldübergaben in verschiedenen Staaten die Ermittlungen zu erschweren, erfüllten sich nicht. Österreicher und Deutsche lobten die Zusammenarbeit als ausgezeichnet und reibungslos.

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