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Ausbauprojekt:Perlachs neuer Bahnhof

Attraktiver soll der Perlacher S-Bahnhof von April 2017 an werden.

(Foto: Claus Schunk)

Beim barrierefreien Ausbau der Station will man die Stadt München ins Boot holen. Nur dann lässt sich auch die von vielen Bürgern gewünschte Süd-Erschließung realisieren. Die Arbeiten sollen im April 2017 beginnen

Von Hubert Grundner, Perlach

Voraussichtlich im April 2017 beginnt der barrierefreie Ausbau des S-Bahnhofs Perlach. Abgeschlossen werden soll das Bauprojekt, das rund sieben Millionen Euro kosten wird, nach etwa sieben Monaten. Über das Vorhaben informierten Vertreter der Deutschen Bahn im Rahmen eines Bürgerdialogs, zu dem der Landtagsabgeordnete Markus Blume (CSU) in den Gemeindesaal von St. Paulus geladen hatte.

2013 gelang nach jahrelangen Bemühungen die Aufnahme der im Münchner Osten gelegenen S-Bahn-Stationen Perlach, Riem und St.-Martin-Straße in das 60-Millionen-Euro-Ausbauprogramm der bayerischen Staatsregierung. "Bis zum Tag der Kabinettsentscheidung ging der Kampf", erinnerte sich Blume zu Beginn des Perlacher Bürgerdialogs. Seither arbeiteten die Planer der DB Station & Service AG am konkreten Umbauplan für den Bahnsteig in Perlach, heißt es in einer Zusammenfassung des Infoabends. Von ehemals drei Varianten blieb demnach eine übrig, die nun im Genehmigungsverfahren ist.

Sie sieht vor, den heutigen Mittelbahnsteig in seiner Lage zu belassen, aber mit einer Höhe von 96 Zentimetern neu zu errichten, um ein ebenes Einsteigen in die Züge zu ermöglichen. Dabei wird der Bahnsteig auf einer Länge von 42 Metern überdacht und mit einem Blindenleitsystem ausgestattet. Die heute bereits vorhandene Unterführung zum Bahnsteig wird runderneuert und mit Aufzügen ausgestattet. So ist künftig ein barrierefreies Umsteigen von der S-Bahn auf den Bus und umgekehrt gewährleistet. Neu hinzu kommt eine mit Treppen ausgestattete Personenunterführung am östlichen Ende des Bahnsteigs, die in nördlicher Richtung auf einen ebenfalls neu zu errichtenden Fußweg zur Neubiberger Straße mündet, erklärten die DB-Experten den Zuhörern. Diese zusätzliche Erschließung mache den Bahnhof attraktiver, ihre Finanzierung werde aber erst dadurch möglich, dass der Abgang als zusätzlicher Fluchtweg auch vorgeschrieben sei. Denn die Bahn dürfe die Mittel des Freistaats Bayern nur zur einfachen Herstellung der Barrierefreiheit und Erfüllung des rechtlich Notwendigen einsetzen, wie Heiko Hamann als Leiter des Münchner Bahnhofsmanagements der DB Station & Service AG verdeutlichte.

Diese Maßgabe führt auch dazu, dass für die von vielen Bürgern gewünschte südliche Erschließung des Bahnsteigs die Stadt München ins Boot geholt werden muss. Der Vorschlag dazu lautet: Durchstich der heute bereits vorhandenen Personenunterführung unter dem Gleiskörper in südlicher Richtung und Bau einer parallel zum Gleis verlaufenden Rampe, die südlich des Bahnübergangs auf die Unterbiberger Straße trifft. Thomas Kauer (CSU), Vorsitzender des Bezirksausschusses Ramersdorf-Perlach, berichtete dazu, dass bei der Stadt "große Offenheit für diese Überlegungen" herrsche und zeigte sich zuversichtlich, dass der Abschluss einer Finanzierungsvereinbarung zwischen Stadt und Bahn gelingen könne. Eine Anbindung des Bahnsteigs in südwestliche Richtung (Hofer Straße) scheide aus, da die Grundstücke nicht im Eigentum von Stadt oder Bahn stünden.

In der anschließenden Diskussion bildeten Fragen nach Außenbahnsteigen, dem zweigleisigen Ausbau der Strecke und Alltagsprobleme mit der Sauberkeit des Bahnhofs die Schwerpunkte. "Die Sympathie für Außenbahnsteige mit in der Mitte liegenden Gleisen war bei allen Beteiligten zu Beginn des Planungsprozesses hoch", schilderte Blume. Doch schnell habe sich gezeigt, dass sie deutliche Mehrkosten und eine erheblich längere Planungs- und Genehmigungsdauer zur Folge hätten. Denn notwendig würden Eingriffe in die Bahnübergänge, die Signaltechnik und die Fahrleitung bis hin zum elektronischen Stellwerk. Diese von Projektplaner Sven Belger vorgetragene Aufzählung überzeugte laut Blume schließlich auch eingefleischte Anhänger der Außenbahnsteige - zumal die nun gefundene Mittelbahnsteigslösung für einen möglichen zweigleisigen Ausbau der Strecke ebenso geeignet sei.

Gebaut werden wird unter rollendem Rad, auf einzelne Gleissperrungen müssen sich die Perlacher dennoch einstellen. Hoffnungen, dass auch die unbebauten Bahnflächen rund um den Park-and-Ride-Parkplatz entwickelt werden, weckte Grundstückseigentümer Nikolaus Beiler während des Abends. Er berichtete von Gesprächen mit der Stadt, dort "bahnhofstypische" Nutzungen wie Einzelhandel zu etablieren. Im Rahmen des nötigen Bebauungsplanverfahrens soll auch die künftige Nutzung des Empfangsgebäudes geklärt werden, das bis dahin nur erhalten werden soll. Am Ende waren viele zufrieden: Perlach bekomme so gut wie "einen neuen Bahnhof", befand Bahn-Manager Hamann, und Blume resümierte: "Nie zuvor war der Umbau des Bahnhofs so nah."

© SZ vom 01.02.2016
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