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Ocui:Langsamer ist mehr

Show Cooking ist das Konzept im Ocui.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Mal magenfreundliche Geschmacksneutralität, mal verwirrter Koch: Im Restaurant Ocui besteht noch Optimierungspotential.

Liebe Leser, das Restaurant ist derzeit geschlossen.

Streng genommen ist das Ocui ein Food Court. Gleich am Eingang bekommt der Gast eine Magnetkarte, mit der er sich an drei Kochinseln verschiedene Gerichte und Getränke besorgen kann. Food Courts sind keine amerikanische Erfindung, aber ein amerikanisches Phänomen.

In den achtziger Jahren begannen die Betreiber von Shopping Malls, die Imbisslokale um einen zentralen Sitzbereich herum zu gruppieren. So konnte sich jeder Besucher seine Mahlzeit zusammenstellen und diese dann gemeinsam mit Freunden und Familie oder auch alleine verzehren. In München hat die Schrannenhalle das Prinzip recht erfolglos kopiert. Das Ocui versucht sich nun mit einer edlen Variante. Weil alles hier inmitten von Designermöbeln, viel hellem Holz und hellen Kacheln stattfindet, wirkt das nicht so billig wie in der Laminatwüste eines Einkaufszentrums oder der Kirmeshöhle der Schranne. Es wirkt sogar ausgesprochen modern.

Ocui steht für "Open Cuisine". Damit erinnert das Lokal an die Vorläufer der Food Courts, jene offenen Garküchen, wie es sie auf den Märkten des vormodernen Europa gab und die man in Asien immer noch an jeder Ecke finden kann.

Die drei Kochinseln sind dabei klar aufgeteilt. An der ersten gibt es zwei asiatische Wok-Gerichte (einmal Reis, einmal Nudeln), ein Curry, sowie italienische Nudeln - alles in verschiedenen Variationen von Gemüse, Fisch, Fleisch und Soßen, es gibt Salate und zwei Suppen. An der zweiten gibt es Holzofenpizza. An der dritten reicht ein Kellner Getränke und Nachspeisen. Der Anspruch der Nachhaltigkeit und Frische soll dem gehobenen Shopping-Publikum entgegenkommen. Das Ocui verspricht also eine komfortable Alternative zum üblichen Fastfood.

Für gehobene Bummler

Food Courts erfüllen aber nicht nur eine gastronomische, sondern auch eine soziale Funktion. Sie sollen als künstlich geschaffener öffentlicher Raum einer Shopping Mall einen sozialen Schwerpunkt geben. So auch das Ocui, das sich als Food Court der gehobenen Innenstadtbummler sieht. "Volle Tüten, leerer Magen?", steht auf einem Flugblatt mit Lageplan.

Und auch dieser Lageplan hat seine Funktion, denn das Ocui liegt eben nicht inmitten, sondern am Rande der Altstadt. Am Oberanger um genau zu sein. Der war bis 1972 als Verbindung zwischen Marienplatz und Lindwurmstraße eine wichtiger Verkehrsweg vom Stadtzentrum in den Münchner Süden. Mit der Eröffnung der Fußgängerzone verödete die Parallelstraße zur Sendlinger Straße. Inzwischen hat die Immobilienwirtschaft die Brache als Filetstück entdeckt. Viel Geld wurde in den letzten Jahren investiert und auch die Stadt beteiligte sich mit einer siebenstelligen Summe an der Aufwertung. Aber trotz der gepflegten Grünflächen am Straßenrand und der neuen Cocktail-Espresso-Häppchen-Lokalen ist aus dem Oberanger vor allem eine teure Neubaumeile geworden.

Unter Deutschlands teuerster Wohnung

Ocui

Langsamer ist mehr

Das Ocui ist nun ein weiterer Versuch, Laufkundschaft in den Oberanger zu locken. Es ist im exklusivsten der neuen Gebäudekomplexe untergebracht, dem Angerhof, in dessen Dachgeschoss Deutschlands angeblich teuerste Wohnung liegt. Drei Besuche sind dieser Beurteilung vorangegangen. Recht rasch war der asiatische Reis mit Rind (8,00 Euro) im Wok zubereitet, so war man ungefähr gleichzeitig mit der Begleitung mit Vorliebe für Pasta Salsiccia (8,00 Euro) am Tisch zurück. Das Reisgericht zeichnete sich vor allem durch eine magenfreundliche Geschmacksneutralität aus, an der auch die rote Kokos-Curry-Sauce nicht viel änderte, die etwas zu stark ins süßliche Kokos tendierte. Die italienischen Nudeln mit Würstchen, Wirsing und Tomaten waren nicht aufregender.

Auch beim zweiten Besuch sollte es asiatisch sein. Auf die Frage, welche der beiden Asia-Saucen man wolle, fiel die Wahl wieder auf Kokos-Curry, weil Soja-Honig-Sauce doch zu stark an Nachtisch erinnert. Die Asianudeln mit Huhn waren ebenfalls rasch fertig. Der junge Koch erkundigte sich nochmals.

Dann aber entschuldigte er sich vielmals, es sei nun doch die Soja-Honig-Sauce geworden. Sein Angebot, das Gericht neu zuzubereiten, hätte allerdings das gemeinsame Mahl mit der Begleitung verhindert, also - danke, nein. Ein zweiter Koch schüttelte lächelnd den Kopf, ihm passiere das auch öfter, dass er die zwei Saucen verwechsle, sagte er.

Pizza mit Gravitationsfeld

Überhaupt scheint es beim Training des Personals Probleme gegeben zu haben. Beim dritten Besuch war die Pizza-Insel mit einem einzigen Mann besetzt. Der hatte ein Telefon zwischen Schulter und Ohr geklemmt, starrte seinen Gast kurz an und lief wortlos davon. Erst Minuten später tauchte ein anderer Mann im Ocui-Uniform-Polohemd auf und machte sich sogleich daran, die Pizza Prosciutto e Funghi (6,50 Euro) zuzubereiten.

Wieder ging es erstaunlich schnell, diesmal allerdings auf Kosten der Pizza. Die schien in ihrem Zentrum ein eigenartiges Gravitationsfeld entwickelt zu haben, jedenfalls waren Schinken und Pilze in der Mitte gehäuft, auch der Käse reichte nur bis zum letzten Viertel des Fladens, der dann von bloßer Tomatensauce umkränzt war. Weil die Zeit im Ofen ganz offensichtlich zu kurz gewesen war, schmeckte die Tomatensauce, als sei sie eben aus einem Plastikkübel geschöpft worden, während die Kruste vom Rand bis zum Zentrum den heftigen Nachgeschmack rohen Teigs behalten hatte.

Prinzipiell ist die Idee vom nachhaltigen Fast Food gerade in der Schweinefleisch-lastigen Münchner Innenstadt sehr zu begrüßen. Das Ocui hat jedoch in den Arkaden und Höfen der eigentlichen Innenstadt genügend Konkurrenz, um auch qualitativ Nachhaltiges servieren zu müssen.