Das französische Duo Daft Punk, das knapp 30 Jahre lang die Welt der elektronischen Musik prägte, entstand aus einer Rockband. Ähnlich war es bei dem deutschen DJ-Duo Oberst & Buchner, das sich nicht mit Daft Punk vergleicht, aber als Inspiration für ihre frühen Jahre nennt. „Ich konnte nicht Gitarre spielen und bin direkt Gitarrist geworden“, sagt Andreas Buchner trocken: „Irgendwann mussten wir aus dem Bandkeller raus, da haben wir elektronische Musik gemacht, weil die nicht so laut ist.“
Buchner, 36, und Sebastian Oberst, 37, haben sich als Teenager in ihrer Heimat Landshut kennengelernt, nun spielen ihre Sets auf großen Festivals wie der Fusion oder dem Mystic Creatures Festival, international von Kroatien bis Spanien, in renommierten Clubs wie der Grellen Forelle in Wien, dem Kater Blau in Berlin und dem Bahnwärter Thiel in München. Dort sind sie an diesem Samstag Headliner.
Der Stil von Oberst & Buchner ist vielseitig, besonders auffällig ist die Wahl der Opener ihrer Sets. Die ersten Klänge ziehen unmittelbar rein, da dümpelt nichts. Sei es, weil die Stücke hochgradig alert sind oder geheimnisvoll-unheimlich schimmern, direkt Gesang einsetzt oder etwas komplett Unerwartetes geschieht: So eröffneten sie ihren Auftritt beim Mystic Creatures Festival 2025 mit einem bizarren Ausschnitt aus einer Motivationsrede von einem Lebens-Coach. Als er sagt, „Das Leben ist keine Zielerreichungsstaffel, das müssen wir mal begreifen“, setzt die Musik ein.
Humor ist ein großer Teil von Buchners und Obersts Schaffen, sei es in der Musik oder auf Social Media, wenn sie sich auf Fotos in Piloten-Kostümen oder auf einem Spielplatz-Wipptier zeigen. „Weil wir das nicht hauptberuflich machen, können wir das mit Humor sehen“, sagt Buchner. Er ist Lehrer, Oberst arbeitet in einem Software-Unternehmen. Wie nahezu alle Künstler heutzutage sind sie darauf angewiesen, ihre Auftritte, ihre Musik und auf eine Weise auch sich selbst online zu präsentieren. „Wir wollen auch gar nicht so sein, dass wir sagen: Ach, die guten alten Zeiten, in denen nur die Musik gezählt hat“, sagt Oberst, „aber wir sind einfach nicht so die Social-Media-Typen. Lieber sind wir eins mit der Party“. Oft würden sie vergessen, ihre Musik online zu posten.
Oberst bringt es auf die einfache Formel: „Wir spielen Musik von anderen Leuten und manchmal machen wir eigene Musik“. Die beiden haben zwei Alben rausgebracht, „Marble Arch“ und „Sfumato“. Das Besondere an der Zusammenarbeit: Sebastian Oberst und Andreas Buchner leben nicht mehr in derselben Stadt und arbeiten über die Distanz. Eine Zeit lang haben sie in Wien gewohnt, hatten ein eigenes Studio. Diese Zeit hat sie geprägt, deshalb sei es für ihre Arbeit kein Hindernis, dass Oberst nun in Berlin lebt. „Wir sind so eingespielt. Es fühlt sich so an, als ob man im selben Raum sitzt“, sagt Buchner, „wir schicken uns Projekte hin und her, wie man sonst Plätze tauscht in der Session.“ Oft wüssten sie schon, wie der jeweils andere auf einen Vorschlag reagieren werde. Neben der kongenialen Arbeitsweise muss nur noch die Technik stimmen: „Wir haben unsere Produktionssysteme identisch aufgesetzt, benutzen unsere Software mit denselben Konfigurationen“, sagt Oberst.
So haben sie sich auf ihren Auftritt im Bahnwärter Thiel vorbereitet. Sie freuen sich auf ihren drei Stunden dauernden Gig: „Für uns ist der Bahni einer der besten Clubs, den wir kennen. Das liegt auch am Publikum“. Das kann sich auf ein abwechslungsreiches Set freuen. „Es wird eine Wundertüte“, sagt Oberst.
„Samstag mit Oberst & Buchner“, Sa., 4. April, Bahnwärter Thiel, Tumblingerstraße 45, 22–6 Uhr, Tickets 15 Euro an der Abendkasse

