Obersendling:Willkommen, aber doch umstritten

Anwohner fürchten wegen der Baupläne auf dem alten Siemens-Gelände ums Klima und die freie Sicht

Von Jürgen Wolfram, Obersendling

Sieben Jahre Planung, und am Ende steht eine "Großform" mit 1400 Wohnungen in "mäandrierender Bauweise" sowie sieben 13-geschossigen Hochpunkten. Fehlt nur noch der Satzungsbeschluss des Stadtrats zum Bebauungsplan. Der Investor, die Rock Capital Group, hat jetzt bei einer digitalen Info-Veranstaltung en détail präsentiert, was auf einem Teil des ehemaligen Siemens-Geländes in Obersendling die einstigen Bürobauten ablösen soll.

Von der Architektin Birgit Rapp vorgestellt wurde ein "lebendiges Quartier, ein durchlässiges Gebilde" mit Torbogen, Wohnungen, Kitas, Geschäften, Quartiersplatz, "Durchwegungen" und, besondere Betonung, grünen Innenhöfen. Das sogenannte Siemens-Wäldchen soll "ins Grünangebot eingebunden" werden. Eintönigkeit bei der Fassadengestaltung werde vermieden, versprach Rapp. Im Chat zeigte sich dann allerdings, dass nicht alle Bedenken der Anwohner mit dem Projekt Campus Süd/Hofmann Höfe ausgeräumt sind. Sie befürchten, die Hochpunkte könnten sich als Barriere für die Frischluftzufuhr und die Aussicht erweisen. Vor allem eine Stadtteil-Initiative von der benachbarten "Südseite" beschwört dieses Szenario.

Die "klimatologische Fragestellung" ist stets ein Knackpunkt in der Diskussion um den Campus Süd gewesen. Aktuell dominiert die Forderung, die Hochpunkte anders zu positionieren, im Sinne eines früheren Entwurfs zu drehen. So einfach gehe das jedoch nicht, erklärte Rapp. Zur "Komplexität" der Angelegenheit gehörten etwa städtebauliche Aspekte oder auch die Einhaltung von Abstandsflächen. Im Übrigen stünden die Hochpunkte weit genug auseinander, als dass sie eine Blockadewirkung entfalten könnten. Zur Mehrung des Wohnraums im Zuge der Planung sagte Rapp, diese ändere nichts an den "bestehenden Qualitäten" des Entwurfs.

Projektleiter Stephan Rothenburg verwies auf behördliche Feststellungen, wonach Risiken für die Durchlüftung des Viertels nicht gegeben seien. Zudem würden Dachgärten und "Wasserverdunstungseffekte" das Mikroklima günstig beeinflussen. Und ob die Aussicht gestört werde, sei letztlich eine Frage der Perspektive. Rothenburg skizzierte auch die weitere Schrittfolge. Angelehnt an die vier geplanten "Höfe" in der S-förmigen Wohnanlage, plane man vier Bauabschnitte. Sofern der Stadtratsbeschluss vorliege, könne 2022 begonnen werden, zunächst mit den Rückbauten. Für jeden Bauabschnitt seien etwa drei Jahre veranschlagt.

Zur digitalen Info-Show hatten sich knapp hundert Leute zugeschaltet, wie Moderator Markus Weinkopf bekannt gab. Auch der Vorsitzende des Bezirksausschusses (BA) Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln, Ludwig Weidinger (CSU), meldete sich zu Wort. Er registrierte "Interesse" an der Planung und erinnerte an die ablehnende Stellungnahme des BA zum einschlägigen Bebauungsplan. Zwar wird in diesem Beschluss "Wohnungsbau an dieser Stelle" grundsätzlich begrüßt. Jedoch sieht das Gremium "Nachbesserungsbedarf", vor allem bei der Anbindung an den Nahverkehr, der Entschärfung von Gefahren an den Tiefgaragen-Ausfahrten sowie bei der Zahl der geförderten Wohnungen. Von der Stadtverwaltung seien diese Einwendungen "gewürdigt" worden, berichtete Weidinger. Was das genau heißt, blieb offen.

© SZ vom 31.07.2021
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