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Obersendling:Wichtige Hilfe im neuen Leben

Start mit Musik: Kader Cosgun von der Lernoase, Mikado-Leiter Levent Askar und Jan Saddei von "Bunt kickt gut" (von links).

(Foto: Robert Haas)

Das Kulturprojekt "Mikado" startet im "Jungen Quartier" in Obersendling - ein wichtiger Baustein für die Integration.

Mikado ist ein Spiel, das Sinn für Statik und eine ruhige Hand erfordert. Das Jugendkultur-Projekt "Mikado" hingegen verspricht eher das Gegenteil von Ruhe und Stillstand. Sein Programm umfasst Tanzkurse und Musikunterricht, Theaterspiel und Sport für Mädchen und junge Frauen, Bildungsreisen, aufregende Aktivitäten in der Natur, Kunstworkshops. Wer immer es nötig hat, bekommt schulische Nachhilfe.

Das Ziel all dieser Angebote, hinter denen der Verein Initiativgruppe Interkulturelle Begegnung und Bildung sowie als maßgeblicher Förderer das Sozialreferat mit seinem Stadtjugendamt stehen: Jugendlichen Schlüsselkompetenzen für eine selbstbestimmte Teilnahme am gesellschaftlichen leben zu vermitteln, ihre Eigeninitiative und Selbstverantwortung zu stärken und den gleichberechtigten Umgang zu üben, unter anderem in "Tandem-Partnerschaften" zwischen jungen Menschen unter 27 Jahren. Ein breites Sortiment außerschulischer Bildungsarbeit auf freiwilliger Basis.

Das "Junge Quartier Obersendling".

(Foto: Robert Haas)

Derzeit steht "Mikado" auch für eine echte Premiere. Das Projekt hat in den vergangenen Tagen als erstes das "Junge Quartier Obersendling" bezogen. In dem riesigen Gebäudekomplex zwischen Machtlfinger Straße und Schertlinstraße, einst ein Büropark der Firma Siemens, sollen von 2019 an weitere Einrichtungen unterkommen, vom Sozialbürgerhaus bis zum Afrikazentrum, von der Schlau-Schule bis zum Verein "Bunt kickt gut". Ferner geplant ist ein Wohnheim für junge Leute mit und ohne Migrationshintergrund, die sich in Aus- oder Weiterbildung befinden. Monika Kleck vom Vorstand der 1982 gegründeten Initiativgruppe Interkulturelle Begegnung und Bildung freut sich: "Jetzt ist es soweit, das Junge Quartier erhält endlich Leben."

Vier der fünf Gebäude des Jungen Quartiers Obersendling werden derzeit saniert. Der gesamte Campus wirkt deshalb wie eine Baustelle. Planen, Zäune, unbefestigte Wege; der Geruch von Staub und Fassadenfarbe. Soeben fertig geworden ist lediglich "Modul 4", ein frisch überholter Riegel mit zahllosen Räumen, in denen zuletzt auch Flüchtlinge untergebracht waren. Jetzt hat hier Levent Askar das Sagen.

Der Sozialpädagoge koordiniert die restlichen Bauarbeiten sowie den Start der verschiedenen Projekte. Früher war er unter anderem für die Nachhilfe-Einrichtung "Lernoase" an der Karlstraße zuständig und damit für den Lernerfolg von 380 Schülern. Die sollen jetzt nach Obersendling kommen, was durchaus einer handfesten Herausforderung gleicht. "So wie wir alle muss auch die Lernoase im neuen Stadtviertel erst einmal ankommen." Damit das wunschgemäß klappt, will Askar forciert "Netzwerkarbeit betreiben" und Kontakte zu den Schulen im Münchner Südwesten knüpfen.

Sechs Kolleginnen und Kollegen stehen dem Projektleiter zur Seite. Sie geben den Takt vor bei der Belebung von Musik-, Nachhilfe- und anderen Räumen. Die Wände sind noch kahl, die Ausstattung wirkt spartanisch. "Aber es geht ja erst los", sagt Askar. Die Mehrzahl der im Jungen Quartier betreuten Jugendlichen hat derzeit einen Migrationshintergrund. Sprachbarrieren hindern den Verlauf der Kurse trotzdem kaum. Denn viele der verpflichteten Referenten und Honorarkräfte - davon allein zwölf Musiklehrer - stammen aus den Herkunftsländern der Jugendlichen.

"Außerdem: Musik ist ohnehin ein internationales Medium, und beim Theater drücken sich die Schauspieler körperlich aus", betont Levent Askar. Also ist auch das alles kein Problem. Vom Raumangebot im Jungen Quartier ist er begeistert: "Da kann man viel draus machen." Intern gefeiert werden soll der Zugewinn an Platz und technischen Möglichkeiten im September. In ein, zwei Jahren wird "Mikado" dann in Modul 2 umziehen.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat das Junge Quartier Obersendling als "Meilenstein im Integrationsplan für München" bezeichnet, es sei "bundesweit einmalig". Seine Liegenschaften mit einer Grundfläche von 25 000 Quadratmetern und 47 000 Quadratmetern Nutzfläche in den fünf Gebäuden hat die Stadt von der Projektgesellschaft German Estate Group AG langfristig gemietet. Die Umgestaltung vom Gewerbeareal zum Modellprojekt soll mehr als 100 Millionen Euro kosten. Eine Summe, um die man nicht Mikado spielt, aber etwas im realen Leben bewegt.

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