Obersendling Viel Neuland auf altem Gelände

Vorfreude, Jazz und ein mediterranes Buffet: Mit einem als Party inszenierten Spatenstich beginnen die Arbeiten für das Projekt "Am Südpark". In den nächsten Jahren entstehen auf dem ehemaligen Eon-Areal 1300 Wohnungen, Büros, Läden, soziale Infrastruktur und ein Ärztehaus

Von Jürgen Wolfram, Obersendling

Ein erster Spatenstich in der Ödnis einer Baugrube wäre den Dimensionen des Vorhabens kaum gerecht geworden. Deshalb verschafften die Bauherren dem Start zur Errichtung des Projektes "Am Südpark" mit Partyzelt und -stimmung die Aufmerksamkeit, die ihm gebührt. An der Drygalskiallee, zwischen Boschetsrieder- und Kistlerhofstraße, entsteht in den nächsten drei Jahren Wohnraum für etwa 2500 Menschen. Büros, Läden, soziale Infrastruktureinrichtungen und ein Ärztehaus arrondieren die Planung. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) nennt es "einen Meilenstein" zur Erreichung der baupolitischen Ziele Münchens. In Obersendling entstehe "ein Stadtquartier, wie man es sich nicht besser wünschen kann". Spatenstiche, gestand der OB am Mittwoch vor 300 Festgästen, seien seine neue Lieblingsbeschäftigung, denn: Am Bedarf zusätzlicher Wohnungen besteht für ihn kein Zweifel. Und das nicht allein wegen der Zuwanderung von Flüchtlingen, sondern auch wegen der ungebrochenen Beliebtheit Münchens im Inland.

Gut acht Hektar stehen auf einer Brachfläche, dem ehemaligen Eon-Gelände, zur Verfügung, um einen signifikanten "Beitrag zur Baukultur in München" zu realisieren, wie Stadtbaurätin Elisabeth Merk sich ihn wünscht. Alle Projektbeteiligten seien dafür "extrem gefordert". Insofern erschien ihr der für den "Indoor-Spatenstich" aufgeschüttete Erdhaufen neben der Bühne wie eine Verniedlichung der mannigfaltigen Anstrengungen. Merk erinnerte an die schwierige Verkehrssituation in der Umgebung des Baugebietes, an Hochhäuser, die im Zuge der Planung geschleift wurden sowie an die folgenreiche Umwandlung von Gewerbestrukturen in Wohnflächen, die nach einem Ausgleich verlange. Man sei "an Grenzen gegangen", dürfe sich nun aber auf ein lebendiges Quartier mit ausgezeichneter Verkehrsanbindung freuen, so die Stadtbaurätin.

Zugleich: Hans Schlamp, Klaus-Michael Dengler, OB Dieter Reiter, Elisabeth Merk und Erich Schwaiger (v. l.) mit Schwung beim Spatenstich.

(Foto: Catherina Hess)

Hinter dem Projekt "Am Südpark" mit seinen bis zu 1300 Wohnungen unterschiedlicher Größe stehen drei Bauträger: die Accumulata Gruppe, die Concept Real zwei GmbH sowie die kommunale Gewofag Holding. Gewofag-Geschäftsfüher Klaus-Michael Dengler sieht in dieser Konstellation ein richtungweisendes Modell: "Die städtische Gesellschaft Seite an Seite mit Privatfirmen für bezahlbaren Wohnraum in München, das ist echte Partnerschaft und keine Konkurrenz." Erich Schwaiger von der Concept Real zwei sieht das Bauträger-Trio gleichfalls auf dem besten Weg, "München ein Stück Lebensqualität hinzuzufügen". Darüber hinaus würdigte Schwaiger die Bürgerbeteiligung bei Planungen: "Der Zeitgeist ist so, dass Projekte nicht mehr von oben nach unten durchsetzbar sind. Die Münchner sind offen für Veränderungen, wollen aber nicht überfahren werden." Nach viel planerischem Hin und Her im "perfect match" betrachtet sich Hans Schlamp, Aufsichtsratsvorsitzender der Accumulata Gruppe, als einen der Spielführer. Er schwärmte am Mittwoch von einer "gelungenen Symbiose aus Wohnungen, urbanem Geschäftszentrum, Studentenapartments und Sozialeinrichtungen". Investitionsvolumen allein für das "Südwink"-Zentrum von Accumulata: 100 Millionen Euro.

Denkbar, dass mancher Besucher auch vom Spatenstich noch eine Weile schwärmt. Denn die Schaufeln händigte "Glücksbringerin" Caroline Noeding, Miss Germany des Jahres 2013, an die Projektverantwortlichen aus. Wenig später spielte eine Jazzband auf, und die Gäste delektierten sich an einem mediterranen Buffet. All das dürfte die Vorfreude auf Ende 2018 gehoben haben, wenn das neue Stadtquartier seiner Bestimmung übergeben wird. Die Concept Real zwei GmbH ist mit 600 Miet- und 300 Eigentumswohnungen ("feel.munich"), Läden und zwei Kindertagesstätten dabei, Gesamtinvestition: 350 Millionen Euro. Die Gewofag steht für etwa 240 Wohneinheiten in verschiedenen Fördermodellen sowie neuartigen "Bürgerheimen", also Apartments für Alleinstehende mit niedrigem Einkommen. Darüber hinaus errichtet die städtische Wohnungsbaugesellschaft eine sechsgruppige Kindertagesstätte, einen Bewohnertreff und eine ambulante, integrative Pflege-WG. Die Wohngemeinschaft wird vom Verein "Gemeinsam leben lernen" als integratives Projekt betrieben. In ihm kommen geistig und mehrfach behinderte Menschen mit Studierenden zusammen. Unter anderem an Auszubildende oder städtische Beschäftigte in Mangelberufen wie Erzieher oder Pfleger richtet sich das Angebot der Bürgerheime. Mit deren Fertigstellung ist Ende 2019 zu rechnen. Viel Neuland also auf dem alten Eon-Gelände.