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Obersendling:Revitalisierung geplant

Die Stadt will ein verfallendes Gewerbegebiet in Obersendling neu entwickeln. Diesmal ist auch Wohnungsbau vorgesehen

Einst war das Fünf-Hektar-Gelände ein pulsierender Abschnitt im Gewerbeband Obersendling. Doch dann trat die Firma Siemens den Rückzug aus dem Münchner Südwesten an, und ein Betonwerk verlagerte seinen Sitz. Heute prägen in weiten Teilen Leerstand und Verfall das Areal zwischen Boschetsrieder Straße und Helfenriederstraße, Machtlfinger Straße und Geisenhausenerstraße. Der abgetakelte ehemalige Real-Markt am Rande des Gebiets verstärkt den Eindruck des Niedergangs, besorgte Anwohner sprechen bereits von einem Glasscherbenviertel. Doch die Stadt will diese Entwicklung aufhalten und ins Gegenteil verkehren. Einstimmig hat der Planungsausschuss des Stadtrats jetzt den Start einer Neuplanung beschlossen.

Erklärtes Ziel der Änderung des Flächennutzungsplans mit integrierter Landschaftsplanung ist eine Revitalisierung und Neustrukturierung des seit mehreren Jahren brachliegenden Bereichs in Obersendling. Entwickelt werden soll "ein urbanes, dichtes Quartier", das sich in die vorhandenen Strukturen und aktuellen Planungen einbinden lässt. Zur besonderen Berücksichtigung wird empfohlen, das ehemalige Industriegleis zu einem "öffentlichen grünen Rückgrat" auszubauen.

Neben "nicht störendem Gewerbe" setzen Investoren und Stadt (ihr gehören von den fünf Hektar lediglich 0,47 Hektar) künftig auch auf Wohnnutzung. Nach ersten planerischen Überlegungen könnten etwa 200 Wohnungen entstehen, verteilt über das gesamte Planungsgebiet. Die Höhe der Gebäude soll sich nach der Beschlussempfehlung des Ausschusses an den Gegebenheiten an der Boschetsrieder Straße orientieren, vorstellbar seien folglich bis zu acht Geschosse. Dabei sei eine "punktuelle Erhöhung durch profilüberragende Gebäude" denkbar. Die genaue Lage dieser Hochhäuser soll bei einem Workshop noch untersucht und im weiteren Verfahren durch eine Stadtbildverträglichkeitsprüfung sowie "im Abgleich mit der gegenwärtig in Fortschreibung befindlichen Hochhausstudie" beurteilt werden.

Der Bau von 200 Wohnungen erzeugt einen Bedarf an sozialer Infrastruktur. Kindergarten- und Kinderkrippenplätze seien also zu berücksichtigen, heißt es in einem Papier des Referats für Stadtplanung und Bauordnung, das dem Ausschuss als Grundlage für seine Entscheidung diente. Grundschüler sollen die Schule an der Zielstattstraße besuchen.

Kulturelle Einrichtungen kämen in dem neu strukturierten Gebiet gleichfalls nicht zu kurz und sollen sich vorzugsweise im Bereich des ehemaligen Betonwerks an der Helfenriederstraße ansiedeln. Beachtet sehen wollen Referat und Planungsausschuss ebenso Naturschutzbelange. Denn 2018 wurde bei einer Kartierung eine große Brutkolonie von Mauerseglern entdeckt. Die absehbare Verkehrszunahme im quirligen Obersendling hält die Stadtverwaltung für verkraftbar, nicht zuletzt dank der U-Bahn, die an der Machtlfinger Straße hält.

Bei Kommunalpolitikern stößt die Neuordnung des Gebiets im westlichen Obersendling, dessen erste Bebauung bis ins Jahr 1935 zurückreicht, auf einhellige Zustimmung. Nach Ansicht Paul Bickelbachers (Grüne) werde die städtebauliche Qualität im Stadtbezirk damit "erheblich verbessert". Und Johann Altmann (BP) verband mit dem angestrebten Strukturwandel die Hoffnung, "dass sich die Entwicklung noch weiterzieht bis zur Hofmannstraße und zur Tölzer Straße". Der Bezirksausschuss Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln hat den Beschlussentwurf zustimmend zur Kenntnis genommen.