Obersendling:Mehr Wohnraum gefordert

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Stadtviertelvertreter kritisieren Pläne für ein Mischgebiet an der Wolfratshauser Straße

Von Jürgen Wolfram, Obersendling

Das brachliegende Gelände des ehemaligen Autohauses Riedl sowie angrenzende Grundstücke an der Wolfratshauser Straße 100 sollen sich in ein größeres Mischgebiet für Wohnen und Gewerbe verwandeln. Ein diesbezüglicher Antrag auf Bauvorbescheid hat jetzt den Bezirksausschuss (BA) Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln aufgeschreckt. Denn die Dimension des Vorhabens würde die Festsetzungen des einschlägigen Bebauungsplans sprengen, was die Lokalpolitiker zu verhindern trachten. Sie stören sich an der absehbaren Fällung von Bäumen, der "enormen" Versiegelung des Geländes durch eine Tiefgarage, ferner an der Höhe eines geplanten elfgeschossigen Turms und vor allem daran, dass die vorgesehene Wohnnutzung in Relation zu Einzelhandelszwecken zu gering ausfalle.

So weit, so einig war man sich. Wesentlich schwerer fiel es dem Stadtteilgremium, einen gemeinsamen Nenner zu den Details zu finden, namentlich zur rot-grünen Empfehlung, wenigstens den Planungsgewinn noch viel kräftiger abzuschöpfen, als es die Sozialgerechte Bodennutzung in München eigentlich vorsieht, falls die Stadtverwaltung die BA-Einwände missachten sollte.

Alles, was an Wohnraumflächen möglicherweise über den derzeit gültigen Bebauungsplan hinausgeht, sei zu 50 Prozent und zu einem Vorzugspreis an die Stadt zu verkaufen, fordert mehrheitlich der Bezirksausschuss. Alexander Aichwalder (Grüne), Vorsitzender des BA-Unterausschusses Bau und Planung, begründete den Vorstoß damit, dass bezahlbarer Wohnraum letztlich nur entstehe, wenn man diese Aufgabe den kommunalen Wohnungsunternehmen übertrage und diese begünstige. Ein schärferer Zugriff auf Planungsgewinne gehe insofern konform mit den Intentionen der grün-roten Stadtratsmehrheit, versicherte Aichwalder.

Dieser Marschrichtung folgten jedoch nicht alle BA-Mitglieder. Für Rudolf Zirngibl (CSU) roch die Sache tendenziell nach "Sozialismus", und auch Richard Panzer (parteilos) befand: "Wir reden hier über Enteignung." Jenseits aller spitzfinden Beschlussformulierungen, über die lange gestritten wurde, forderte die CSU-Fraktion eine Klarstellung: Es müsse "an erster Stelle darum gehen zu sagen, dass wir die Einhaltung des bestehenden Bebauungsplans wollen". Die Haltung des BA in Sachen Wolfratshauser Straße 100 dürfe nicht "verhandelbar oder käuflich" sein, forderte Claudia Küng (CSU). Michael Kollatz (SPD) setzte unter Berufung auf das "Vermächtnis" des jüngst verstorbenen Hans-Jochen Vogel einen anderen Akzent: Es gehe jetzt grundsätzlich um eine Änderung der Bodenpolitik.

Dass es ihm wichtig ist, bei gemischten Vorhaben so viel Wohnraum wie irgend möglich zu generieren, machte der Bezirksausschuss einhellig klar. Auf den ersten Blick erscheine ein Anteil dieser Nutzungsart von 78 Prozent, wie im Falle der Wolfratshauser Straße 100 angedacht, vielleicht ausreichend. Tatsächlich aber reiche die Quote in einem "Wohnstandortsgebiet" nicht aus. Und anderes Gewerbe als Einzelhandel passe schon gar nicht dorthin, hieß es.

© SZ vom 06.08.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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