bedeckt München 17°
vgwortpixel

Obersendling:Alles in Bewegung

Der Sportausschuss des Stadtrats stimmt einem umfangreichen Konzept für den Siemens-Sportpark zu. Auf dem 13,6 Hektar großen Gelände entstehen Hallen, ein Schulschwimmbad und öffentliche Freizeitanlagen

Er soll ein Paradebeispiel werden für die hohe Qualität der Münchner Sport- und Freizeiteinrichtungen: der Hermann-von-Siemens-Sportpark in Obersendling. 2017 von der Stadt übernommen, haben das Referat für Bildung und Sport sowie das Baureferat ein Konzept für das 13,6 Hektar große Gelände entwickelt, das vielen Wünschen Rechnung trägt. Vorgesehen sind die Neubauten einer Dreifach-Sporthalle mit Zuschauertribüne, eines Schulschwimmbads, diverser Freisportanlagen (Rasenspielfelder, 400-Meter-Rundlaufbahn, Handball- und Beach-Volleyballfeld) sowie die Errichtung eines Sportbetriebsgebäudes mit Vereinsräumen, Umkleiden und eventuell einer öffentlich zugänglichen Gaststätte. Alles barrierefrei konzipiert. Ferner stehen eine durchgängige Joggingstrecke, ein Fitness-Parcours, eine Boccia-Bahn sowie eine "Spiel- und Sportwiese" auf der Ideenliste. Der Sportausschuss des Stadtrats hat die Vorschläge jetzt einstimmig befürwortet.

Ein Antrag der SPD-Ratsfraktion auf Prüfung, ob zur Beschleunigung des Hallenbaus die Kooperation mit Vereinen eine Option wäre, stieß gleichfalls auf einhellige Zustimmung. Unter den mehr als 700 Sportvereinen in München gebe es viele, "die willens und fähig sind zu bauen", begründete die SPD ihren Vorstoß. Die Stadt selbst sei wegen der "riesigen Schulbauoffensive" stark ausgelastet; durch eine Zusammenarbeit mit Vereinen könne die Sportinfrastruktur rascher ergänzt und auf eine breitere Basis gestellt werden. "Wenn Sportvereine auf städtischem Grund und mit Unterstützung durch Förderprogramme bauen, profitieren alle Seiten: Die Stadt gewinnt starke Partner für den Ausbau von Sportanlagen, die Vereine eine sehr gute Perspektive für ihre Mitglieder", sagte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Verena Dietl.

ErheblicherInvestitionsbedarf:Die Sanierung der zwischen 1956 und 1961 errichtetenBestandsgebäude auf dem Gelände südlich der Siemensalleelohnt sich kaum.

(Foto: Stephan Rumpf)

Glatt durchgegangen ist ferner ein Anstoß, die Bürger an der Entscheidung, wie der Siemens-Sportpark in Zukunft heißen soll, zu beteiligen. Gut möglich also, dass es nicht bei der bisherigen Bezeichnung bleibt. Der Bezirksausschuss (BA) Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln hat unterdessen seine Forderung bekräftigt, der Siemens-Sportpark dürfe "ausschließlich als öffentliche Sport- und Grünfläche" genutzt werden, was sich mit den Intentionen der Stadt deckt. Jeglicher kommerziellen Nutzung, wie etwa vom Strandbar- und Sportevent-Veranstalter "Beach 38" beantragt, erteilte der BA eine entschiedene Absage. In einem Beschluss hierzu stellt der BA klar, dass "alle vorhandenen Flächen für die öffentliche Nutzung benötigt" würden.

Eindringlich richtete der Bezirksausschuss an die Stadtverwaltung die Frage, wann die Bürgerbeteiligung zu den Sportpark-Plänen eröffnet werde. Denn die Lokalpolitiker sehen sich mit immer neuen Vorschlägen konfrontiert. Zuletzt überraschte ein pensionierter Mathematiklehrer, Mitglied im Modellauto-Verein München, mit dem Wunsch nach einem Parcours für Wagen aus der Bastelwerkstatt. Der Mann stieß auf erhebliche Vorbehalte. Sportanlagen hätten Vorrang, hieß es, und an zusätzlichen Asphaltflächen habe man kein Interesse. Allenfalls zur Zwischennutzung wäre eine solche Miniatur-Rennbahn denkbar.

Hermann von Siemens Sportpark.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der im Sportpark beheimatete Siemens Tennis Club München (STC) mit seinen 700 Mitgliedern soll seine Anlage, die 14 Plätze, ein Vereinsheim, eine Gaststätte, ein Büro und mehrere Lagerräume umfasst, behalten dürfen. Zunächst für die Dauer von fünf Jahren wurde dies vertraglich bereits besiegelt. Langfristig sei geplant, dem STC das Grundstück im Erbbaurecht nach den Konditionen der Sportförderrichtlinien zu übergeben, heißt es in einer Vorlage des Sportreferats. Im Rahmen der Vorplanung werde zudem geprüft, ob die Gaststätte "Dolce Vita" des Tennisclubs weiterhin allen Gästen des Sportparks offenstehen könne. Die Siemens AG hatte den Park jahrzehntelang als Betriebssportanlage für ihre Belegschaft genutzt. Ehe die Stadt das Areal erwarb, hatten auch Privatinvestoren ein starkes Interesse an einer Übernahme gezeigt. Die zwischen 1956 und 1961 errichteten Bestandsgebäude auf dem Gelände südlich der Siemensallee erwiesen sich als so marode, dass eine Sanierung kaum noch lohnt; die Freisportanlagen präsentierten sich ungepflegt bis verwildert. Es besteht also erheblicher Investitionsbedarf. Andererseits stehen 150 Parkplätze und ein umfangreicher, schützenswerter alter Baumbestand auf der Habenseite. Das derzeit noch mit Maschen- und Stacheldraht umzäunte Gelände ist im Flächennutzungsplan als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Zusammen mit den südlich und östlich anschließenden Freiflächen bildet es einen Grünzug Richtung Isarauen, der ökologisch und klimatisch von Bedeutung ist.

Das Areal des Hermann-von-Siemens-Sportparks ist inzwischen in zwei Nutzungszonen aufgeteilt worden, einen Sportbereich und eine öffentliche Grünanlage. Dreifachsporthalle, Schulschwimmbad und verschiedene Freisportanlagen sollen kompakt im Osten des Parks angeordnet werden. An der Notwendigkeit, die Anlage aufzuwerten und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, herrscht unter Kommunalpolitikern kein Zweifel. "Denn im Verhältnis zum Bevölkerungswachstum ist die Anzahl der Sportanlagen generell in den letzten Jahren nur wenig gestiegen", konstatierte der Sportausschuss des Stadtrats schon im September 2015. Zu den Sportpark-Plänen haben viele ihren Kommentar abgegeben. Auch die Gleichstellungsstelle für Frauen meldete sich unlängst zu Wort. Sie machte sich für eine "durchgehende Beleuchtung der Jogging-Strecke" stark. Auf diese Weise lasse sich das subjektive Sicherheitsgefühl erhöhen. Bei Frauen und bei Männern.