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Obermenzing:Unsichtbar fröhlich

Didier Lourenço "Love" Ausstellung in der Galerie Kunststücke Obermenzing

Stachelige Innigkeit: "Love" nennt Didier Lourenço dieses Werk, die Muster seiner Tapeten und Kleider sind von alten spanischen Fliesen inspiriert.

(Foto: Didier Lourenço/oh)

Der Katalane Didier Lourenço stellt in der Galerie "Kunststücke" aus

Von Katrin Kurz, Obermenzing

Die Frau in dem gemusterten Kleid und dem Kaktus auf dem Schoß sitzt jetzt bei Steffi Hugendubel-Doll im Esszimmer. Das Bild des spanischen Malers Didier Lourenço hat ihr so gut gefallen, dass die Galeristin es gleich selbst behalten hat. Es stammt aus seiner Serie "Invisibles", Werke daraus sind noch bis Ende Januar in der Galerie Kunststücke in Obermenzing zu sehen.

Ein aktueller Bezug zur Situation in Zeiten von Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen ist durchaus vorhanden: Denn mit dem Titel beschreibt Lourenço jene Unsichtbarkeit nach Außen, die durch den individuellen Rückzug ins eigene Zuhause entsteht. In seinen Werken zeigt er fröhlich lächelnde, bunt gekleidete Frauen, welche die Betrachterinnen und Betrachter direkt ansehen. Durch diesen offenen, unverblümten Blick entsteht eine intime Verbindung, die Distanz und Isolation aufzuweichen scheint. Tatsächlich könnte man den Eindruck haben, die Frauen auf den Gemälden wären präsent im Raum und nähmen direkt am Geschehen teil.

Lourenço stammt aus einem kleinen Ort unweit von Barcelona. Bereits mit 19 begann der heute 52-Jährige erste Experimente mit Öl auf Leinwand und lithografischen Drucken. Wenige Jahre später gewann er den "Banco Sabadell Prize", eine bedeutende Auszeichnung für spanische Nachwuchstalente. Zahlreiche Solo-Ausstellungen folgten, heute hängen seine Werke in Galerien in New York, Los Angeles, Hongkong oder Südafrika. Und eben in Obermenzing, denn Steffi Hugendubel-Doll vertritt den Künstler in Deutschland. Durch Zufall hat sie Lourenços Arbeiten auf einem Barcelona-Trip entdeckt und konnte ihn bereits vor zwei Jahren für eine erste Präsentation gewinnen. Seine aktuellen "unsichtbaren" Damen, versammelt unter dem Ausstellungstitel "Inside" konnte Lourenço zwar aufgrund der Reisebeschränkungen nicht persönlich nach München begleiten, die Galeristin steht jedoch in engem Telefon-Kontakt mit dem Künstler. Warum er so gerne Frauen male? "I'm a spanish man!", er sei ein spanischer Mann, sagt Didier Lourenço mit seiner rauchig-weichen Stimme am Telefon. Sein südländisches Temperament dringt herüber ins trüb-kalte Obermenzing durch, selbst sein sonores Schmunzeln ist zu spüren. Mit dieser Antwort gibt man sich - ohne Zweifel - zufrieden.

Der Hintergrund seiner Bilder ist inspiriert von geometrischen Mustern alter katalanischer Fliesen, die sich oftmals in den Kleidern der Frauen fortsetzen. Mitunter sitzt eine Katze mit im Bild, ein Papagei, ein Elefant oder eben ein Kaktus. Die lebendige Farbigkeit der Bilder ist ansteckend, genauso wie die warme und fröhliche Ausstrahlung der weiblichen Gesichter. Madonnenhaft, mit großen Augen blicken sie einem entgegen. Manchmal verträumt, oder gar schlafend, wie in "The Dream". Der Stil Lourenços erinnert ein wenig an Oskar Schlemmer, die Gesichter wirken teils kubistisch, und dennoch lässt sich seine Bildersprache wohl nicht vergleichen. Temperamentvoll wirken die Ölbilder des Spaniers, und zuweilen habe er einfach Spaß daran, "Blödsinn zu machen", lacht er polternd am Telefon. Und der Fantasie freien Lauf zu lassen. So entstand etwa die Frau auf der fliegenden Wäscheklammer, der Titel "Fly with me" versprüht Leichtigkeit und Lebensfreude.

Zur Finissage Ende Januar kann Lourenço vielleicht persönlich nach München einfliegen. Bis dahin telefoniert er auch gerne direkt mit interessierten Besuchern. So wie mit Antje Haddick. Die 53-Jährige hat sich sofort in die heiteren und lebensbejahenden Bilder verliebt, die "ausdrucksstarke Weiblichkeit und das spanische Flair" haben es ihr angetan. Ihr Lieblingswerk zeigt eine Frau mit großen, braunen Augen, in einem blumig getupften Kleid, mit einer blauen Katze an ihrer Seite. Die freundliche Dame wird also bald im Wohnzimmer der Haddicks sitzen und dort sehr präsent sein.

Die Ausstellung "Inside" von Didier Lourenço ist bis 26. Januar in der Galerie Kunststücke, Bergsonstraße 45, zu sehen: donnerstags und freitags, 15 bis 18 Uhr, samstags, 11 bis 15 Uhr, sowie nach Vereinbarung unter Telefon 0170/245 76 31.

© SZ vom 12.12.2020
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