Obermenzing Schüler planen eine Grundschule für Äthiopien

In Endayesus werden die Kinder bisher im Freien unterrichtet.

(Foto: Hawelti e.V.)

Die Bodenplatte ist schon fertig, 6000 Ziegelsteine liegen bereit - doch der Weiterbau scheitert bislang am Geld. Nun lernen die Schüler, dass Helfen nicht so einfach ist.

Von Jakob Wetzel

Bis jetzt haben sie nur die Bodenplatte verlegt. Doch wenn es nach den zehn Schülerinnen und Schülern des privaten Obermenzinger Gymnasiums geht, dann war das erst der Anfang. Dann wird in Endayesus im Norden Äthiopiens schon nächstes Jahr eine fertige Grundschule stehen. Die Pläne dazu haben die Schüler längst entworfen. Auch das Baumaterial ist zum großen Teil vorhanden, die Eltern in Äthiopien haben auf eigene Faust 6000 Ziegelsteine fabriziert. Nun müssten die Bauarbeiter anrücken, um die Mauern hochzuziehen. "Das wäre auch wichtig, damit die Leute sehen, dass wir etwas tun und alles vorangeht", sagt Thomas Schmalschläger. Doch dafür fehlt noch das Geld.

Schmalschläger ist Lehrer am Obermenzinger Gymnasium an der Freseniusstraße - und gemeinsam mit den Schülern in seinem Physik-Projektseminar hat er Großes vor. Seit September 2017 arbeiten sie daran, eine Grundschule für 120 Kinder zu planen. Die Schüler haben dabei gelernt, wie Entwicklungshilfe funktionieren kann; sie haben sich in Projektgruppen beigebracht, wie man Toiletten anlegt, wo es keine Kanalisation gibt, wie man klimagerecht baut und ein Gebäude mit regenerativer Energie versorgt. Gemeinsam mit dem Nürnberger Verein Hawelti haben sie auch einen Standort für ihre Schule gefunden. Im Sommer 2018 haben dort die Bauarbeiten begonnen, überwacht von zwei Ingenieuren. Die Schüler verfolgen dies aus der Ferne und arbeiten an ihrer letzten großen Herausforderung: der Suche nach Spendern.

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Die Idee für den Schulbau sei ihm angesichts der vielen in München ankommenden Flüchtlinge gekommen, sagt Thomas Schmalschläger, der Lehrer und Projektleiter. Er habe gegen die Not der Menschen ankämpfen wollen, aber nicht in München. "Man muss den Leuten daheim eine Perspektive geben", sagt er. "Nicht erst dann, wenn sie bei uns vor den Grenzen stehen."

Doch bald lernten er und seine Schüler, dass Helfen nicht so einfach ist. Anfangs, als sie noch nicht wussten, wo sie ihre Schule bauen wollten, schrieben sie mehrere Konsulate an, wie Schmalschläger erzählt. Eine Antwort bekamen sie nicht. Und später, als sie Firmen um Spenden baten, da erhielten sie zwar Antworten, aber beinahe ausschließlich Absagen. "Es hieß immer: Wir finden das Projekt gut", sagt Schmalschläger. Geld aber gab es nicht.

Voran ging es erst, als sich die Schülergruppe an das Eine-Welt-Netzwerk Bayern wandte: Hier fand sie den Verein Hawelti, der in Äthiopien gut vernetzt ist. Der sei von der Idee sofort angetan gewesen, sagt Schmalschläger. "Und wir haben den Vorsitzenden vom Seminar aus angerufen und gemerkt, dass er uns ernst nimmt", sagt die 17-jährige Paula Krumm aus dem P-Seminar. Hawelti machte sich daraufhin auf die Suche nach einem Ort, der zu den Vorstellungen der Schüler passte: Sie wollten eine Schule mit vier Klassenzimmern bauen - und das nicht irgendwo, sondern an einem Ort, wo bereits unterrichtet wird, wo aber das Haus dazu fehlt.

Schüler der Privatschule Obermenzing planen ein Schulgebäude für Äthiopien.

(Foto: Catherina Hess)

Tatsächlich erhielten die Obermenzinger schon bald eine Mail aus Äthiopien: "Wir haben eine Baumschule für euch gefunden", schrieb Hawelti. In Endayesus. Gemeint war keine Forstfläche, sondern eine Schule, die von einem Rektor geleitet wird und offiziell anerkannt ist, aber kein eigenes Gebäude hat. Die Kinder versammeln sich unter Bäumen, jede Klasse unter einem anderen. "Es gab dort nur einen Raum für die Vorschulklasse, und der war mehr eine Garage", erzählt Krumm. "Wenn es regnet, fällt der Unterricht aus", sagt ihre Mitschülerin Jasmina-Eva Steinborn. "Mit der neuen Schule haben die Kinder also viel bessere Bildungschancen."

"Wir haben etwa 10 000 Euro beisammen"

Diese neue Schule wird neben den vier Klassenzimmern auch ein Lehrerzimmer haben, ein Auditorium und eine Sitzgruppe für Unterricht im Freien. Ein luftiges Dach wird die Räume beschatten, damit niemand in der prallen Sonne sitzen muss und es in der Schule nicht zu heiß wird.

Damit das bis zum Sommer klappt, müssen die Schüler freilich noch viel Geld einsammeln. Sie haben bereits einen Spendenlauf organisiert und im Radio für ihr Projekt geworben. "Wir haben etwa 10 000 Euro beisammen", sagt Schmalschläger. Mit 30 000 Euro könnte man das Gebäude vollenden. "Alles, was wir kriegen, fließt direkt in das Projekt", sagt Steinborn. "Schlimmstenfalls bauen wir erst mal nur das Fundament und die Wände und spannen eine Plane drüber", sagt sie. "Dann gäbe es wenigstens schon einmal Räume."

Wenn die Schüler alle ihre Pläne umsetzen wollten, bräuchten sie freilich noch mehr, nämlich 60 000 Euro. Dann bekäme die Schule in Endayesus auch eine Regenwasserzisterne für die Versorgung mit Wasser, außerdem Komposttoiletten sowie eine Photovoltaik-Anlage oder ein Windrad für den Strom. "Die Eltern wünschen sich außerdem ein Gebäude, in dem man kochen kann", erzählt Schmalschläger. Viele Schüler gingen jeden Tag fünf bis zehn Kilometer weit zu Fuß zur Schule und könnten nicht eben schnell zum Essen nach Hause gehen. Möglich sei also noch mehr, sagt der Lehrer. "Ideen sind nicht das Problem."

Und seine Schüler haben einen Wunsch. Bisher haben sie ihre Schule nur auf dem Papier gesehen, auf Zeichnungen und Fotos. Vor Ort seien sie noch nicht gewesen, sagt Schmalschläger. "Aber wir würden gerne hinfahren, wenn die Schule steht."

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