bedeckt München

Obermenzing:Frieden gestiftet und versöhnt

Metropolit Mark Arndt, Erzbischof der Russischen Orthodoxen Auslandskirche (ROKA) mit Sitz in München,

Metropolit Mark Arndt, Erzbischof der Russisch- Orthodoxen Auslandskirche. 1941 als Michael Arndt in Chemnitz als Protestant geboren.

(Foto: Privat)

Der russisch-orthodoxe Erzbischof Mark Arndt wird 80 Jahre alt

Er ist Metropolit von Berlin und Deutschland, in seine Zuständigkeit als Bischof fallen auch die Eparchie Großbritannien, die Gemeinde in Kopenhagen und die "Russische geistliche Mission" in Jerusalem. Mark Arndt, Erzbischof der Russischen Orthodoxen Auslandskirche (ROKA), wird an diesem Freitag 80 Jahre alt. Einer der ranghöchsten christlichen Würdenträger im Land hat seinen Bischofssitz im kleinen Kloster des heiligen Hiob von Pocaev am Rand des Blutenburg-Parks in Obermenzing. Dort leben seit dem Jahr 1945 russisch-orthodoxe Mönchen abgeschieden in einem ehemaligen Heim der Hitlerjugend. Mark Arndt übersiedelte 1980 in die Bruderschaft, deren bescheidenes Leben er dort teilt. Seit 40 Jahren ist er nun Bischof und damit dienstältester Amtsträger der Russischen Kirche im Ausland.

Von Geburt her ist Mark Arndt Protestant, er stammt aus einer Musikerfamilie in Chemnitz. Einer seiner Vorfahren war Johann Arndt (1555 - 1621), einer der bedeutendsten und einflussreichsten Theologen des nachreformatorischen Protestantismus, dessen Hauptwerk "Vier Bücher vom wahrem Christentum" in der russisch-orthodoxen Welt eine wechselvolle Rezeptionsgeschichte hatte.

Sein Nachfahre Mark, mit Taufnamen eigentlich Michael, fühlte sich der russischen Sprache und Kultur schon früh verbunden. Nach dem Aufstand von 1953 floh die Familie aus der DDR in den Westen. Als Gymnasiast in Frankfurt am Main entwickelte Arndt sein Russisch weiter, er bewegte sich in russischen Emigrantenkreisen und lernte so auch die Orthodoxie kennen. Später entschied sich Michael Arndt für ein Studium der Slawistik in Frankfurt und Heidelberg und konvertierte 1964 zum russisch-orthodoxen Glauben. Nach seiner Promotion studierte er an der Theologischen Fakultät der Serbischen Orthodoxen Kirche in Belgrad. 1975 wurde er Mönch und zum Priester geweiht. Er trug nun den Namen Mark und wirkte zunächst in Wiesbaden auf dem Neroberg, wo er eine kleine monastische Gemeinschaft gründete. Seinen Ruf als Friedensstifter und Versöhner erwarb sich Erzbischof Mark Arndt, als er sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1990 intensiv dafür einsetzte, dass die Auslandskirche sich wieder mit dem Moskauer Patriarchat vereinigte. 2019 wurde er zum Metropoliten ernannt.

Aktuell steht die russisch-orthodoxe Gemeinschaft vor einer großen Herausforderung, plant sie doch, den Bischofssitz von Obermenzing an einen anderen Standort zu verlegen, der ihnen mehr Möglichkeiten eröffnet. Für das Projekt sammeln die Mönche Spenden. Näheres unter: https://kurzelinks.de/427e.

© SZ vom 29.01.2021 / czg/KNA
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema