Obermenzing Ein Faible fürs Romantische

Starke Besetzung: 65 Frauen und Männer gehören dem Chor an. Manche halten ihm ihr Leben lang die Treue.

(Foto: privat)

Der Chor der Passionskirche Leiden Christi hat besonders viele Mendelssohn-Werke im Repertoire. Zur Feier seines 100-jährigen Bestehens aber singt er Webers Jubelmesse und Haydns Schöpfung

Von Annette Jäger, Obermenzing

Die Jubelmesse wird am Ostermontag erklingen - kaum etwas könnte besser passen zu diesem runden Geburtstag: Die Chorgemeinschaft der Passionskirche Leiden Christi in Obermenzing feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Und das ist ein guter Grund für die Chormitglieder zu jubeln. Mit der Messe von Carl Maria von Weber, die zum Auftakt des Festjahres am 22. April erklingen wird, kann der Chor genau das darbieten, was seine Stärke ist: Etwa 65 Sänger stimmen dieses Werk der Romantik an.

Singen verbindet - so legt es die Geschichte der Chorgemeinschaft nahe. Der Chor wurde 1919 gegründet, schon fünf Jahre, bevor die Stadtpfarrkirche Leiden Christi geweiht wurde. Die Gründung fand am Wirtshaustisch statt, so steht es in der Gründungsurkunde. Damals war Obermenzing noch eigenständig, der damalige Bürgermeister Otto Frommknecht, späterer bayerischer Verkehrsminister, und der Stadtpfarrer Franz Stadler haben den Chor aus der Taufe gehoben. Seitdem wird in Obermenzing gesungen, weder Kriegswirren noch Geldknappheit konnten die Laien davon abhalten, über die Jahrzehnte hinweg im Gottesdienst und zu den Kirchenfesten große sakrale Werke anzustimmen. Diese starke Gemeinschaft zeichnet den Chor bis heute aus.

Seit seiner Gründung hat der Chor das Leben der Kirchengemeinde geprägt und er ist zur sozialen Institution geworden. Wer einmal mitsingt, verlässt die Gemeinschaft so schnell nicht mehr, außer, er zieht um. Einige Sänger sind seit Jahrzehnten dabei, wie Eberhard Spengler, der seit 1968 singt. "Hier halten alle zusammen", sagte er. Bei Konzerten werden Stühle und Notenständer zusammen auf- und wieder abgebaut, man fährt gemeinsam zu Probenwochenenden. Auch Ulrike Mittelhammer ist schon seit 1972 dabei. "Der Chor ist der Magnet in der Gemeinde", sagt sie. Sie habe als Kind schon auf der Orgelbank gesessen, wenn der Vater bei Kirchenfesten gespielt hat. Das Singen in der Gemeinschaft präge ihr Leben. Es gab Chormitglieder, die ihr Leben lang dabei waren. In der Festschrift zum 75. Jubiläum wird an Anna Knecht erinnert, Mitglied der ersten Stunde, die dem Chor "buchstäblich bis zum letzten Atemzug die Treue" gehalten habe.

Der Zulauf hält bis heute an. Es komme immer wieder Nachwuchs dazu, sagt Spengler, auch aus Laim, Aubing und Karlsfeld. Ein Großteil der Sänger ist zwischen 25 und 65 Jahre alt. Manchmal könnten es mehr Männer sein, wünscht sich Chorleiter Eduard Steinbügl. Sie machten nur etwa ein Drittel der Chormitglieder aus. Es mangele, wie bei so vielen Chören, an Tenören.

Seit 2001 leitet Kirchenmusiker Steinbügl die Singgemeinschaft, er hat das Repertoire nach und nach erweitert. Die klassischen sakralen Werke - Passionen, Messen, Oratorien von Mozart, Haydn oder Brahms - seien das Alltagsgeschäft der Chorarbeit. Immer wieder überraschend sei, wie sehr dem Chor romantische Stücke liegen. So finden sich viele Mendelssohn-Werke im Repertoire, "da fühlt sich der Chor wohl". Das liege an der starken Besetzung, die eine musikalische Dynamik mit sich bringt, sagt Steinbügl. Der Kirchenmusiker fordert seinen Chor aber auch auf neuem Terrain. Jedes Jahr erarbeitet er ein bis zwei zeitgenössische oder moderne Werke mit den Sängern. So kamen schon Stücke von Arvo Pärt zur Aufführung, Knut Nystedt oder Igor Strawinsky. Weltliche Stücke sind eher die Ausnahme, kommen aber beim Publikum gut an: Orffs Carmina Burana sang der Chor im Juli 2017 auf dem Kirchplatz unter freiem Himmel und zog damit an die 600 Zuschauer an.

Auch im Festjahr steht ein Open Air-Konzert auf dem Programm: Am 20. Juli kommt "Die Schöpfung" von Haydn auf dem Kirchplatz zur Aufführung. Das Konzert wird der Höhepunkt im Jubiläumsjahr sein. Ansonsten sind drei weitere Sonderkonzerte neben dem üblichen Gesangsprogramm in Gottesdiensten und zu Kirchenhochfesten im Festjahr geplant: Die Jubelmesse am 22. April mit anschließendem Festempfang für Gottesdienstbesucher und Ehrengäste, das Herbstkonzert am 23. November, bei dem der Chor die "Messa di Gloria" von Puccini singt und zum Abschluss tritt der Chorleiter selbst am 29. Dezember auf und interpretiert einen Querschnitt der aufgeführten Chorwerke des gesamten Jahres auf der Orgel, dazu gibt es Trompetenbegleitung. Der Chor wird bei seinen Auftritten von einem in seiner Besetzung wechselnden Orchester unterstützt und holt immer wieder auch professionelle Solisten dazu. Dass sich der Chor solche Aufführung auf hohem Qualitätsniveau leisten kann, geht auf die Arbeit des Fördervereins zurück. Er bildet die finanzielle Basis der Choraktivitäten und feiert im Jubiläumsjahr sein 35-jähriges Bestehen.

Die Generalproben vor den Aufführungen sind für Chormitglied Ulrike Mittelhammer immer eine besondere Freude, erzählt sie. Denn dann kommen zum ersten Mal alle zusammen: der Chor, das Orchester, die Solisten. Das einzige, was dann noch fehlt, ist der Applaus.

Karten zu allen Konzerten sind an jedem ersten Sonntag im Monat zwischen 11.30 und 13 Uhr im Pfarrheim an der Passionistenstraße 12 zu kaufen.