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Oberlandesgericht:In den Akten verstecken sich Menschen

2009 wurde sie dann Abteilungsleiterin, zuständig für Mord und Totschlag. Eines der größten Verfahren damals war 2011 der Kraillinger Doppelmord an zwei kleinen Mädchen, deren Onkel wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, wegen Mordes aus Habgier. Damals wurde sie auch Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft München II, und in seiner Not holte sie der OLG-Präsident zum NSU-Verfahren.

Das hätte Titz gerne bis zum Ende begleitet - doch für menschliche Zeitvorstellungen ist dieses Verfahren nicht gemacht. Es zieht sich nun seit mehr als vier Jahren und Titz macht einen neuen Karriereschritt: Vom 1. Juni an wird sie Direktorin des Amtsgerichts Wolfratshausen, zuständig für elf Richter und insgesamt fast 70 Mitarbeiter.

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Der großen Bühne geht sie dennoch nicht verloren. Als Vorsitzende des Bayerischen Richtervereins mischt sie sich weiter in die justizpolitischen Debatten ein, und die Ausbildung von jungen Juristen ist ihr wichtig: "Natürlich haben wir immer Akten vor uns. Aber in diesen Akten verstecken sich Menschen", sagt sie.

"Ich versuche mir immer deutlich zu machen, dass es für mich vielleicht nur eine kleine Entscheidung ist, über ein paar Dutzend Tagessätze, über den Widerruf einer Bewährung - aber für den betroffenen Menschen kann das die entscheidende Sache in seinem Leben sein. Der Angeklagte kann sich ein ganzes Leben lang grämen darüber, was er getan hat. Oder das Opfer ein ganzes Leben lang leiden, dass die Tat nicht angemessen gesühnt wurde." Dabei gilt sie als durchaus strenge Richterin.

Andrea Titz hat noch immer ein gutes Gefühl, wenn sie ihr Arbeitszimmer im siebten Stock des Strafjustizzentrums an der Nymphenburger Straße in München betritt - selbst wenn sie keine epochale Entscheidung trifft. Ihr geht es darum, Gerechtigkeit zu schaffen, etwas dafür zu tun, dass diese Gesellschaft funktioniert.

Das hört sich so einfach an. Aber man will sich gar nicht vorstellen, was sie alles angestellt hat, damit ihr der verschlossene NSU-Richter Manfred Götzl zumindest ein paar Brosamen an Wissen zukommen ließ, damit sie nicht ganz mit leeren Händen vor der Presse stand. Aber darüber redet sie kein einziges Wort. Diese Frau kann nicht nur reden. Sie kann auch sehr gut schweigen.