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Obergiesing/Fasangarten:Freie Bahn für die Frische

Der Grünzug Hachinger Tal ist für den Münchner Südosten wichtig, weil er die Stadt kühlt und mit Luft versorgt. Gerade deshalb wollen Bürger und Lokalpolitiker sicherstellen, dass dort möglichst wenig gebaut wird

Neue Wohnungen sind ja nach Ansicht vieler Politiker für die Münchner so wichtig wie die Luft zum Atmen. Dabei gerät leicht aus dem Blick, dass beides nicht ohne weiteres zu haben ist: Je mehr gebaut wird, desto schlechter wird tendenziell die Luft in der Stadt. Umso wichtiger wäre es, bestehende Frischluftschneisen konsequent von Bebauung freizuhalten. Auf dieses Problem hat Thomas Kiesmüller im Bezirksausschuss (BA) 16 Obergiesing-Fasangarten hingewiesen. Der Vorsitzende der Eigenheimervereinigung Fasangarten-Ricklihain forderte konkret, die Frischluftschneise Hachinger Tal zu bewahren.

Bei seinem Auftritt im BA betonte Kiesmüller die Bedeutung guter Luft für Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen wie auch als Beitrag zum Schutz der Natur. Dabei habe die Frischluftschneise Hachinger Tal eine besondere Funktion für den Luftaustausch und die Klimaregulierung im Münchner Südosten. Diese wirke bis zum Mittleren Ring an die Chiemgaustraße. Bei den Messungen der Schadstoffe 2018 habe man an der Chiemgaustraße aber mit 58 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft zuletzt ein alarmierend schlechtes Ergebnis erhalten - das ohne Frischluftschneise vermutlich noch schlimmer ausgefallen wäre.

Unverzichtbar: Das Hachinger Tal stellt für München eine der wichtigsten Frischluftschneisen dar.

(Foto: Claus Schunk)

Aber auch so droht Gefahr nach Einschätzung Kiesmüllers. So gebe es eine Reihe von Planungen im Münchner Südosten und der Nachbargemeinde Neubiberg, die diese Frischluftschneise beeinträchtigen könnten. Unter anderem seien das in Unterbiberg die vorgesehene Bebauung der Flächen südlich von Perlach und Fasangarten. Auf städtischer Flur zählt er etwa die Planungen für einen Wertstoffhof an der Fasangartenstraße und für fünfstöckige Häuser an der Münchberger Straße dazu.

Dabei sei völlig unklar, wie sich die Projekte auf den Luftaustausch, die Umwelt und vor allem auf die Menschen im Umfeld auswirken werden. Um das Allgemeinwohl zu schützen, sollte also geklärt werden, welche Folgen diese Bauvorhaben für die Frischluftschneise Hachinger Tal sowie das Stadtklima haben werden und wie mögliche negative Folgen verhindert werden können. Dabei sind, wie Kiesmüller in Erinnerung ruft, an den genannten Vorhaben jeweils viele Stellen beteiligt: die Stadt München mit den Referaten für Planung, Umwelt, Kommunales und Kreisverwaltung sowie die Bezirksausschüsse 16 und 17, die Gemeinde Neubiberg, eventuell auch das Landratsamt München und der Bezirk Oberbayern. Abschließend appellierte Kiesmüller an alle zuständigen Stellen, mit übergreifenden Umweltverträglichkeitsprüfungen und entsprechenden Maßnahmen ihren Beitrag zur Sicherung und Verbesserung der Luft- und Lebensqualität im Münchner Südosten zu leisten. Eine Forderung, mit der er im BA offene Türen einrannte: Das Gremium machte sie sich einstimmig zu eigen und will sie nun an die genannten Adressaten weiterleiten.

Der ehemalige städtische Umweltreferent Joachim Lorenz (Grüne) bestätigte die Bedeutung des Hachinger Tals als Frischluftschneise: "Das ist einer der wirksamsten Grünzüge Münchens." Ohne dessen mäßigenden Einfluss würde sich die Stadt im Südosten gerade im Sommer noch mehr erhitzen - nach den Erfahrungen vom Vorjahr eine eher beunruhigende Vorstellung. Auch SPD-Fraktionssprecher Alexander Schmitt-Geiger sprach sich für den Schutz der Frischluftschneisen aus.

Mit diesem Anliegen haben sich Kiesmüller, Lorenz und Schmitt-Geiger bereits an Neubibergs Bürgermeister Günter Heyland (Freie Wähler) gewandt. Im Antwortschreiben an Thomas Kiesmüller signalisierte Heyland ("Ich kann Ihre Befürchtungen zur Bebauung in Unterbiberg und Perlach gut verstehen") grundsätzlich Verständnis. Ihm zufolge hat die Gemeinde Neubiberg bereits 2018 eine Änderung des Flächennutzungsplans eingeleitet. Das öffentliche Verfahren werde noch heuer mit einer Infoveranstaltung in Unterbiberg beginnen. Dort werde erläutert, so Heyland, dass es nicht in der Absicht der Kommunen liege, die Wirksamkeit des Grünzuges als Frischluftschneise und Temperaturausgleichszone außer Kraft zu setzen. Auch wenn am Kapellenfeld die Breite des Grünzugs eingeschränkt werden solle, so sei gleichermaßen vorgesehen, dessen Funktion mit Retentionsflächen für den Hachinger Bach sowie mit Ausgleichsflächen dauerhaft zu sichern.