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Oberföhring:Ziemlich beste Nachbarn

Von 21 Baufeldern sind bereits 18 fertig, von den 4500 Bewohnern sind schon jetzt an die 3700 im Prinz-Eugen-Park angekommen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Den Menschen im Neubauquartier Prinz-Eugen-Park muss die Integration auch ohne spezielle Betreuung durch Netzwerker und Sozialexperten gelingen - der Bezirksausschuss lehnt die Festsetzung als Schwerpunktgebiet ab

Von Nicole Graner, Oberföhring

In einem sind sich die Sozialexperten des Netzwerkprojekts Regsam und die Genossenschaft für Quartiersorganisation (GeQo) einig: Für den Prinz-Eugen-Park, in dem einmal 4500 Menschen leben werden, ist es nicht nur wichtig, dass sich Bewohner und soziale Einrichtungen miteinander vernetzen, sondern auch, dass sich das Quartier mit dem bestehenden Stadtviertel vernetzt. Außerdem, sagt Johannes Pflaum von Regsam, sei es gerade im Prinz-Eugen-Park mit seinen unterschiedlichen Wohnformen und einem hohen Anteil sozial geförderter Wohnungen wichtig, "alles zum Guten zu vernetzen". Sozusagen, wie der Regsam-Betreuer der Gebiete Bogenhausen, Au-Haidhausen und Ramersdorf-Perlach hinzufügt, "ziemlich beste Nachbarn zu kreieren". Als ein Schwerpunkt-Gebiet für die Regsam-Moderatoren, in welches bei der Betreuung dann besondere personelle Ressourcen fließen könnten, sieht der Bogenhauser Bezirksausschuss das Neubauquartier gleichwohl nicht.

Alle drei Jahre kann Regsam in Kooperation mit den zusammengeschalteten Sozialexperten der Regionalen Arbeitsgemeinschaft Soziales (RAGS) bestimmte Quartiere zu Schwerpunktgebieten auswählen. Den Prinz-Eugen-Park hätte Johannes Pflaum gern als ein solches gesehen, ebenso wie Lisa Schäfer von GeQo. "Ich hätte das gut gefunden, sich weiter zu vernetzen. Gerade auch im Sinne einer guten Nachbarschaft." Um den Bedarf genau zu ermitteln, wurde deshalb der Bezirksausschuss (BA) Bogenhausen um seine Meinung gebeten. Die Regsam-Beauftragte im BA, Marianne Moser (Grüne), hat dazu einen Fragebogen ausgefüllt, der in einzelnen Punkten herausarbeitet, warum ein Schwerpunktgebiet sinnvoll sein könnte. Die sehr "heterogene Bewohnerschaft" ist ein Grund, und die "räumliche Verteilung" der verschiedenen sozialen Bewohnergruppen ein anderer. Während sich die 347 Wohnungen der Einkommensorientierten Förderung (EOF) und die 57 Apartments des kommunalen Programms für Benachteiligte am Wohnungsmarkt vor allem im westlichen Teil häufen, überwiegen im Süden die Eigentumswohnungen. So heißt es unter anderem in der Begründung. Ziel könnte es unter anderem sein, die GeQo in ihrer Arbeit zu unterstützen, die Gemeinschaft zwischen den unterschiedlichen Wohngruppen zu fördern, Inklusion und Integration voranzutreiben und die umliegenden Viertel mit Hilfe sozio-kultureller Einrichtungen im Quartier aktiv einzubinden.

Die Lokalpolitiker allerdings lehnten es in ihrer jüngsten Sitzung ab, den Prinz-Eugen-Park als ein Schwerpunktgebiet auszuwählen. Der Bedarf sei einfach nicht da. Der Indikator für soziale Herausforderungen liege in Bogenhausen lediglich auf einer Skala von eins bis fünf bei eins. "Es sind Quartiere auch ohne Regsam entstanden", erklärte Xaver Finkenzeller (CSU). Eine abstrakte Diskussion zu einem Zeitpunkt zu führen, in dem das Viertel ja noch gar nicht fertig sei, halte er für "verfehlt". "Wir sollten warten, bis das Quartier fertig ist." Es gehe den Grünen vor allem um eine "vorausschauende Maßnahme", entgegnete deren Fraktionssprecherin Petra Cockrell. Erst in drei Jahren könne man sich wieder als ein Schwerpunktgebiet bewerben. Und Marianne Moser machte noch einmal deutlich, dass Oberföhring aufgrund seiner Sozialstruktur bereits Indikatorwerte zwischen zwei und drei habe.

Von wegen abstrakte Diskussion. Auch Julia Schäfer von GeQo bedauerte die Haltung des Bezirksausschusses. Denn von 21 Baufeldern seien bereits 18 fertig, und viele Menschen lebten schon jetzt im Quartier. Von den 4500 Menschen sind es jetzt an die 3700. "Der größte Teil ist also schon da", sagte Schäfer. Johannes Pflaum will den Prinz-Eugen-Park weiter im Blick behalten. Denn wer sich einmal beworben habe, bleibe auf der Liste.

© SZ vom 07.12.2020
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