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Oberföhring:Wohlfühlen nach Plan

Kleine Bäche, Spielplätze für Erwachsene, eine Quartierszeitung: Bei einem ersten Vernetzungstreffen sammeln zukünftige "Prinz-Eugen-Park"-Bewohner Ideen für das Wohnen in einem lebendigen Quartier

Von Johannes Hirschlach, Oberföhring

Noch steht das Haus, in das Mara und Stefan Roth einmal einziehen wollen, überhaupt nicht. Unter dem Dach eine 93 Quadratmeter große Wohnung mit Garten, genügend Platz für sie und ihre drei Kinder auf dem Gelände der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne in Oberföhring. Noch leuchten abends einsame Straßenlaternen entlang der Wege durch das 30 Hektar große Areal, ansonsten liegt das Gelände weitgehend brach. Ein Schild an der Zufahrtsstraße deutet indes schon jetzt an, was in den nächsten Jahren zum "Prinz-Eugen-Park" werden soll - geplant sind 1800 Wohnungen, dazu Gemeinschaftsräume und Gewerbeflächen. Nach dem Vorbild des Domagkparks in Schwabing haben sich Investoren, städtische Wohnungsbaugesellschaften und private Baugemeinschaften in einem Konsortium zusammengeschlossen.

"Unser Ziel ist es, dass die Bewohner mit einem guten Angebot in dem Viertel leben können", sagt Christian Stupka, der das Projekt mit koordiniert. Deshalb hatte das Konsortium die künftigen Bewohner nun zu einem ersten Vernetzungstreffen geladen, bei dem die späteren Nachbarn untereinander die Gelegenheit hatten, Wünsche zu äußern und Gemeinschaftsprojekte ins Leben zu rufen. Von kulturellen Programmen bis zur Gestaltung der öffentlichen Plätze haben die zukünftigen Bewohner ein Mitspracherecht. Dass auf diesem Wege lebendiger Wohnraum zum Wohlfühlen entsteht, davon ist auch die Familie Roth überzeugt. "So sagt man sich später im Treppenhaus nicht einfach nur ,Hallo'", hofft Stefan Roth.

Etwa 180 der späteren Bewohner des Prinz-Eugen-Parks waren der Einladung ins Jugendwohnheim Salesianum gefolgt. Singles, Paare, junge Familien mit Kinderwagen, Senioren - alle mit eigenen Vorstellungen und Ideen für die neue Heimat. Wünsche hatten auch Mara und Stefan Roth etliche mitgebracht: Ein Urban-Gardening-Projekt wäre schön, findet der 38-Jährige, außerdem Angebote für Kinder und Familien. Konzepte eben, dank denen die Nachbarschaft "nicht so anonym" bleibt.

Um die verschiedenen Punkte zu koordinieren, richtete Stupka, der durch das Treffen führte, fünf Thementische ein. Je nach Interesse konnten die Teilnehmer ihre Ideen für kommerzielle und kulturelle Infrastruktur, zur Gestaltung des öffentlichen Raums, zur Nachbarschaft, zu kinder-, jugend- und familienfreundlichen Angeboten und zum Mobilitätskonzept zur Diskussion stellen. Vor allem letzteres stieß auf rege Resonanz, denn: Die Anbindung des Neubaugebiets an öffentliche Verkehrsmittel, eine Paketstation, Tankstellen oder Carsharing-Konzepte brannte den Anwesenden in der Runde auf den Nägeln. Und auch an ungewöhnlichen Vorschlägen mangelte es nicht: "Ich könnte mir vorstellen, die Straßen in Schlangenlinien zu verlegen, damit die Leute langsamer fahren", lautete eine Idee.

Kreative Gedanken entwickelte parallel auch die Gruppe am anderen Ende des Saales: Für die Gestaltung des Prinz-Eugen-Parks wünschte sich eine Teilnehmerin "kleine Bächlein an den Straßen" und in jedem Fall einen Brunnen. Auch Spielplätze für Erwachsene wurden gefordert - nicht solche mit Karussell und Schaukel, sondern beispielsweise ein Trimm-Dich-Pfad, ein Beachvolleyballfeld oder ein Grillplatz. Die Teilnehmer umrissen derart viele Themen, dass ein Bürger appellierte, nicht alles zuzuplanen, sondern auch Freiräume für temporäre Veranstaltungen zu lassen.

"Ich sehe schon, dass Sie alle sehr engagiert sind", freute sich Natalie Schaller vom Konsortium Prinz-Eugen-Park, die am Tisch nebenan Ideen für Nachbarschaftsprojekte sammelte. Dutzende Vorschläge hatten die Diskutanten dort eingebracht: Neben einer Werkstatt, einem Stadtteilkino und Kindertheater wurden auch eine Plattform zum Verleihen von Dingen, Nähkurse und eine Quartierszeitung genannt.

In der Infrastruktur-Gruppe wurden Wünsche nach einem Bio-Supermarkt laut. Die Teilnehmer des Workshops für Kinder- und Familienangebote äußerten insbesondere die Sorge, ob genügend Kita-Plätze zur Verfügung stehen werden. Die wichtigsten Punkte nach dem kollektiven Brainstorming herauszufiltern und umzusetzen, soll nun Aufgabe von Arbeitsgruppen und eines Quartiersrates werden, der mit den Bauherren in Kontakt steht.

Für Familie Roth beginnt noch in diesem Jahr die heiße Phase: Dann beordert ihre Genossenschaft voraussichtlich die Bagger in den Prinz-Eugen-Park. 2019 wollen die fünf einziehen - nach dem Vernetzungstreffen mit einem guten Gefühl, sagt Mara Roth: "Man merkt, dass die Grundstimmung in die richtige Richtung geht."

© SZ vom 31.01.2017
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