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Oberföhring:Krisengipfel gegen den Kita-Notstand

Vier erste Klassen starten im Herbst im Prinz-Eugen-Park. Formal gehören sie zur Knappertsbusch-Schule.

(Foto: Robert Haas)

Im Sommer ziehen die ersten Bewohner in den Prinz-Eugen-Park, doch ihren Kindern stehen nicht genügend Plätze in Krippen und Kindergärten zur Verfügung. Der Bezirksausschuss will wissen, was die Stadt dagegen unternimmt

Von Ulrike Steinbacher, Oberföhring

Der Bezirksausschuss (BA) Bogenhausen fordert eine öffentliche Sondersitzung zur Schul- und Kinderbetreuungssituation im Prinz-Eugen-Park. Er stellte sich damit am Dienstagabend unter dem Beifall von 50 Betroffenen, die zur Sitzung gekommen waren, einstimmig hinter ein Paket von Dringlichkeitsanträgen der CSU. Vertreter der Referate für Planung einerseits und für Bildung und Sport andererseits sollen Mitte März BA-Vertretern und Bürgern Auskunft über Bedarfsprognosen und Platzangebot der Kitas, über Schulsprengel und Einschreibeverfahren geben. Bisher kursieren nur Gerüchte.

Im Prinz-Eugen-Park entstehen etwa 1800 Wohnungen mit unterschiedlicher Ausstattung für 4000 Menschen aus unterschiedlichen Schichten. Im Sommer werden die ersten Bewohner einziehen. Neben den städtischen Wohnungsbaugesellschaften Gewofag und GWG gehören auch Genossenschaften und private Investoren zu den Bauherrn. Der Ärger begann, als im Herbst bekannt wurde, dass die Zahl der Kinderbetreuungsplätze nicht reicht, einmal, weil mehr Familien als ursprünglich gedacht in das neue Wohngebiet in Oberföhring ziehen, zum anderen, weil die meisten Kitas - alle in Gebäuden von GWG oder Gewofag - erst 2020 bezugsfertig werden. Ob schon Anfang oder erst Mitte 2020, das habe sie bei ihren Recherchen nicht herausfinden können, sagte die Kinderbeauftragte Petra Cockrell (CSU). Sicher sei aber, dass 2018 im Prinz-Eugen-Park etwa 370 Wohnungen fertig würden und 2019 etwa 1000. Und sicher sei auch, dass es keinen Platz für eine weitere Kita gebe.

Das Referat für Bildung und Sport (RBS) hatte im Sommer entschieden, zusätzlich eine Containeranlage aufzustellen für vier Krippen- und vier Kindergartengruppen, etwa 150 Kinder insgesamt. Als Standort wählte das Referat ohne Rücksprache den Grünstreifen gegenüber dem geplanten GWG-Gebäude südlich der Jörg-Hube-Straße. Eine andere Möglichkeit habe es nicht gegeben, weil das gesamte Gebiet bereits überplant gewesen sei, hieß es zur Begründung. Der Bezirksausschuss wurde erst im Oktober informiert, die Mitglieder waren damals schon wütend und forderten einen Standort in der Nähe der Schule. Jetzt stellt sich heraus, dass der Platz an der Jörg-Hube-Straße, den das RBS ausgesucht hat, auch noch große Nachteile hat. Er "liegt unmittelbar an der größten Baustelle des Viertels", sagte Petra Cockrell. Die Kinder seien also hohem Baulärm ausgesetzt, außerdem könne es auf dem Weg zur Kita und wieder nach Hause für sie gefährlich werden. Also fordert der BA erneut, andere Standorte zu suchen. Die Zeit drängt, denn im September soll die Container-Kita in Betrieb gehen, und das RBS braucht ein halbes Jahr Vorlauf.

Außerdem wollen die Stadtviertelvertreter endlich konkrete Zahlen haben, mit wie vielen Kindern in den nächsten Jahren überhaupt zu rechnen ist und ob das Platzangebot ausreicht. Sie fragen, wann die Kitas fertig werden, ob dort genug Personal für den Vollbetrieb zur Verfügung steht und wie das Einschreibeverfahren für dieses Jahr überhaupt aussehen soll. Denn auch da wird es kompliziert: Um sich für einen Kitaplatz anzumelden, müsse man im fraglichen Gebiet seine Meldeadresse haben, erklärte eine Betroffene in der Sitzung. Ummelden könne sie sich aber erst, wenn sie in den Prinz-Eugen-Park ziehe, also im September. Aber bis dahin brauche sie den Kita-Platz längst.

Viele offene Fragen haben die BA-Mitglieder auch zur dreizügigen Grundschule an der Ruth-Drexel-Straße. Sie immerhin ist fix und fertig gebaut, beherbergt derzeit allerdings die Kinder aus der benachbarten Knappertsbuschschule, die bis zum Sommer saniert wird. Wie es dann weitergeht, ist ebenfalls offen. Wird es einen eigenen Schulsprengel für den Prinz-Eugen-Park geben und das von Anfang an? Wie viele Kinder sind die nächsten Jahre zu erwarten? Wird die versprochene Ganztagsbetreuung vom ersten Jahr an stattfinden, auch in den Ferien? Oder kommt sie erst, wenn mehr als 180 Kinder die Schule besuchen, wie Cockrell gehört hat? Das RBS teilt auf Anfrage mit, die Schule werde im ersten Jahr noch zur Knappertsbuschschule gehören, weil es wegen Bauverzögerungen "noch nicht genug Kinder für einen eigenen Schulstandort geben wird". Ein Sprengel werde voraussichtlich 2019 gebildet. Ob eine Ferienbetreuung eingerichtet werde, hänge vom künftigen Träger des Ganztagsangebots ab. 13 Schüler seien dafür die Mindestzahl.

Zu den Hintergründen des Kinder-Ansturms vermutete der BA, das Planungsreferat habe die Quoten für die einzelnen Wohnungstypen im Prinz-Eugen-Park und damit den Bewohner-Mix geändert. Planungssprecher Ingo Trömer weist dies zurück. Stattdessen seien zum einen die Vorgaben für den konzeptionellen Mietwohnungsbau (KMB) sehr familienfreundlich ausgefallen. Und zum anderen gebe es in den großen städtischen Planungsgebieten einen Trend zu sehr hohen Bauraten. Viele Wohnungen würden also zur selben Zeit fertig.

© SZ vom 18.01.2018
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