Süddeutsche Zeitung

Oberföhring:Kompromiss beim Ortstermin

Eine Anwohnerinitiative rettet im Prinz-Eugen-Park zwei bis drei Bäume, die Fällung der übrigen 80 kann nun beginnen

Von Nicole Graner, Oberföhring

"Requiescat in pace" - ruhe in Frieden - steht auf einem laminierten roten Plakat. Es hängt an einer Hainbuche und flattert im kalten Wind. Die "Initiative zur Rettung von Altbaumbeständen in der Grünen Mitte" hat damit nicht nur diesen Baum gekennzeichnet, sondern auch andere, die für die Wege-Erschließung des Stadtquartiers Prinz-Eugen-Park und den Bau des Kletterspielplatzes in der "Grünen Mitte" gefällt werden müssen. 83 von 2225 Bäumen sollen weichen. An die 200 Anwohner haben eine Petition für den Erhalt der Bäume unterschrieben und plädieren für eine baumfreundliche Wegeführung. Die Mehrheit im Quartier allerdings, so hat es eine Blitzumfrage der Genossenschaft für Quartiersorganisation (GeQo) ergeben, will stattdessen, dass die derzeit geplante Wegeführung und die Grüne Mitte schnell fertiggestellt werden.

Auch wenn die Planungen der Stadt für Anwohner, GeQo, den Quartiersarbeitskreis Ökologie und die Lokalpolitik immer transparent offengelegt worden sind, auch wenn es Infoveranstaltungen und einen Ortstermin gegeben hat, erklärte die Abteilung Gartenbau des Baureferats am Dienstag noch einmal der Anwohnerinitiative, dem Bezirksausschuss (BA) und der GeQo die Planungen und diskutierte an Ort und Stelle erneut über die Bäume. "Glauben Sie uns", sagte Florian Hochstätter, der Abteilungsleiter Gartenbau, "wir haben um jeden Baum gekämpft." Man habe es sich nicht leicht gemacht und die Planungen nicht im "stillen Kämmerlein" entwickelt, sondern ganz offen. Aber man könne, wie Hochstätter einräumte, nicht jedes Detail gemeinsam mit den Bürgern entscheiden. Die Wegeplanung sei schon lange klar gewesen. "Jetzt noch mal in die Planung einzugreifen, diese Möglichkeit gibt es nicht mehr." Auch drängt die Zeit. Denn schon vor einer Woche hätten die Fällarbeiten beginnen sollen. Die beauftragte Firma steht in den Startlöchern. Das Warten, so sagt Hochstätter, koste. Trotzdem wolle man versuchen, erklärte Simone Paffrath von der Anwohner-Initiative, noch ein paar Bäume zu erhalten. "Das wäre ein Erfolg."

Zwei neuralgische Punkte in der zukünftigen "Grünen Mitte", also dem Platz zwischen Jörg-Hube- und Ruth-Drexel-Straße, auf dem unter anderem ein großer Spielplatz entstehen soll, standen im Fokus der eineinhalbstündigen Begehung: die Wegekreuzung, die die Quartiere vom Norden nach Süden und vom Westen nach Osten miteinander verbindet, sowie der parallel zur Jörg-Hube-Straße verlaufende Weg, der mit einer Treppe in Richtung Stradellastraße an der Böschung zur Grünfläche endet.

An der Kreuzung müssten fünf Bäume weichen. Um eine Eichen-Baumgruppe zu schützen, muss man den Fußgängerweg rechts an ihr vorbeiführen. Diese Eichen seien, so macht das Gartenbaureferat deutlich, "unbedingt zu erhalten". Damit aber der Weg mit 2,50 Metern Breite - nötig für Pflegefahrzeuge und ausreichend Platz für Fußgänger mit Kinderwagen oder für Rollstuhlfahrer - plus einem Meter Schotterrasen möglich ist, müsse man von den Eichen nach rechts abrücken. Im Wege stehen dort unter anderem drei Hainbuchen, die allerdings nicht mehr in einem guten Zustand seien, wie das Gartenbaureferat ergänzt. Ob man die nicht retten könne, wenn man den Weg anders führe, will die Anwohnerinitiative wissen. Doch da macht Hochstätter klar: "Den Weg verschieben, um aber dann andere Bäume zu gefährden, halte ich für nicht angemessen." Auch nach eingehender Betrachtung auf dem Plan, nach detaillierter Abwägung wird letztlich deutlich: Die Bäume stehen an dieser Stelle zu dicht. Rettet man den einen, gefährdet man dafür den anderen. Zu dieser Erkenntnis war man auch schon beim ersten Ortstermin gekommen. "Da haben wir genau die gleichen Überlegungen durchgespielt", erklärt Bezirksausschuss-Mitglied Petra Cockrell (Grüne). Wie auch bei den Bäumen - vor allem Eschen und Kirschen - am östlichen Ende des Platzes in Richtung Stradellastraße.

Ein paar Bäume können aber nun doch gerettet werden -wenn man die Treppe am Ende des Weges verlagert, wie die Initiative vorschlägt. Zwei bis drei Bäume, darunter eine große Kirsche, könnten dann stehen bleiben. Eine Idee, die auch die Vertreter der Gartenbauabteilung gut fanden und umsetzen möchten. "Das würde ich mich jetzt trauen zuzusichern", sagte Florian Hochstätter. Ein kleiner Erfolg also für die Anwohnerinitiative. Aber auch ein Erfolg für das Gartenbaureferat und alle am Prozess der Planung und Kommunikation Beteiligten: Denn Mangel an Transparenz oder Gesprächsbereitschaft müssen sie sich alle nicht nachsagen lassen.

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SZ vom 20.01.2021
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