Oberföhring Erst wird's schlimmer, ehe es besser wird

Auf der alten Herzog-Heinrich-Brücke über den Isarkanal und die Isar ist schon seit 2008 nur noch Tempo 50 erlaubt - aus Sicherheitsgründen. Die marode Stahlkonstruktion aus dem Jahr 1962 wird durch zwei etwa 170 Meter lange neue Brücken ersetzt.

(Foto: Florian Peljak)

Der vierspurige Ausbau des Föhringer Rings beginnt. Die Arbeiten überschneiden sich mit weiteren großen Baustellen im Norden: Autofahrer werden bei der Querung der Isar viel Geduld aufbringen müssen.

Von Ulrike Steinbacher, Oberföhring/Freimann

In den kommenden sechs Jahren wird es eng auf dem Föhringer Ring. Noch enger, muss man sagen, denn seit Langem sind Autoschlangen im Berufsverkehr dort Alltag. Schon 1999 war der Beschluss gefallen, das knapp zwei Kilometer lange Teilstück vierspurig auszubauen, das den Stau zwischen der Ungererstraße in Schwabing und der Effnerstraße in Bogenhausen auslöst. Dann folgten aber zwei Jahrzehnte Streit über die Kosten zwischen Stadt München und Freistaat Bayern. Denn verwaltungstechnisch ist der Föhringer Ring - für die Behörden heißt er Staatsstraße 2088 - ein kompliziertes Gebilde: Zuständig für Staatsstraßen ist der Freistaat, die größere Hälfte der Strecke liegt auf Münchner Grund, 900 Meter gehören zur Gemeinde Unterföhring. Deren Politiker lösten den gordischen Knoten, als sie 2017 beschlossen, dass Unterföhring fünf der 52,2 Millionen Euro Kosten für den Ausbau übernimmt. München zog mit der gleichen Summe nach. Und jetzt geht es los.

Weil Rodungen nur in den Wintermonaten erlaubt sind, erklärt Bauoberrat Stefan Rinderer vom Staatlichen Bauamt Freising, müssen die Bäume auf dem ersten Baufeld südlich der zweispurigen Herzog-Heinrich-Brücke bis Ende Februar gefällt sein. Dort entsteht eine etwa 170 Meter lange neue Brücke über Isar und Isarkanal, die Anfang 2021 zunächst den gesamten Verkehr aufnehmen wird, bis die alte Verbindung abgerissen und durch eine weitere neue Querung ersetzt ist.

Parallel zum Brückenbau erneuern die Arbeiter von 2020 an zwei Jahre lang den östlichen Abschnitt des Föhringer Rings zwischen der Einmündung der Kreisstraße M 3 und der Isar. An den Ein- und Ausfahrten entstehen durchgehende Einfädelspuren. Danach wird der Straßenabschnitt im Westen zwischen Isar und Nürnberger Autobahn, der jetzt eine Abfolge von Verschwenkungen und Überleitungen ist, durchgehend vierspurig ausgebaut, inklusive vier neuer Brücken über Garchinger Mühlbach, Sondermeierstraße, Schwabinger Bach und Eiskanal. Spätestens 2025, so der Zeitplan des Bauamts, sollen die Erweiterungen abgeschlossen, die beiden Brücken - jede mit zwei Geradeaus- und einer Abbiegespur - in Betrieb und damit das Nadelöhr am Föhringer Ring beseitigt sein.

Da die Straße mitten durch die Isarauen und den Nordteil des Englischen Gartens führt, müssen die Planer bei ihren Vorbereitungen an der Baustelle verstärkt auf Tiere achten: Wenn die Bäume gefällt sind, könnten Fledermäuse gegen die Windschutzscheiben der Autos fliegen, erklärt Stefan Rinderer. Daher wird am Rand der gerodeten Flächen ein Schutzzaun aufgebaut. Danach errichten die Arbeiter dieses Jahr die Zufahrten zur Brückenbaustelle, die auf der Isarinsel zwischen Fluss und Kanal liegen wird. Dies wird den Autofahrern stärker zu schaffen machen als die Rodungen, prognostiziert Rinderer, schließlich muss das Material für die Rampen auf dem Föhringer Ring angeliefert werden. Damit der Stau nicht unerträglich ausufert, sollen die Arbeiten in den Schulferien stattfinden, an Pfingsten geht es los. Wann der Brückenbau selbst beginnt, ist noch nicht festgelegt. "So bald wie möglich", lautet die Auskunft des Staatlichen Bauamts.

Der Föhringer Ring ist eine von nur vier Tangentialverbindungen, die im Norden der Stadt am oder im Englischen Garten über die Isar führen. Die anderen sind die Prinzregentenstraße, wo im März die Sanierung von Altstadtringtunnel und Eisbachbrücke beginnt, die vergleichsweise schmale Max-Joseph-Brücke, die Tivoli- und Montgelasstraße verbindet, und der Mittlere Ring, wo von 2023 an der Englische-Garten-Tunnel entstehen soll.

Man muss kein Genie sein, um zu erkennen, dass sich die Verkehrssituation im Norden verschlimmern wird, bevor Verbesserungen greifen. Denn die Baustellen überschneiden sich zeitlich: Am Altstadtringtunnel wird bis Mitte 2023 gebaut, am Föhringer Ring bis 2025. Und am Isarring ist "ein Baubeginn im Jahr 2023 anvisiert", die Bauzeit auf viereinhalb Jahre geschätzt, wie das Planungsreferat dem Bezirksausschuss Bogenhausen mitteilt.

Pressesprecherin Dagmar Rümenapf vom Baureferat ist aber optimistisch: "Bestes Beispiel für eine funktionierende Großbaustelle am Mittleren Ring" sei der Luise-Kiesselbach-Tunnel. Die Baustellenkoordination der Stadt werde sich darum bemühen, dass während der Bauzeit die gleiche Anzahl von Fahrspuren zur Verfügung steht wie jetzt. Am Föhringer Ring mit einer Spur pro Richtung an der Engstelle trifft das zu, für den Isarring kann Rümenapf noch keine konkreten Aussagen treffen, und die Prinzregentenstraße bleibt vierspurig befahrbar. Der Altstadtringtunnel aber wird zeitweise gesperrt sein.