Oberföhring Eine Frage der Ökologie

In der Mustersiedlung im Prinz-Eugen-Park wird viel Holz verbaut, für 600 Wohnungen in acht verschiedenen Projekten

Von Fabian Huber, Oberföhring

Die Presslufthämmer rattern, Betonmischer schieben sich vorbei, Arbeiter wuchten Holzbalken über das Baugerüst. Großbaustelle im Prinz-Eugen-Park, hier soll Europas größte zusammenhängende Holzbausiedlung entstehen. Betreten verboten! So war es abgemacht zwischen dem Holzbaunetzwerk München (HN) und den gut 300 Teilnehmern der Führung, die in zwei Gruppen brav an der Bordsteinkante entlang durch das Quartier watscheln. Im Baufeld WA15-Ost aber hält es Gruppe eins nicht mehr am Straßenrand. Langsam drängt das Fachpublikum - überwiegend Baumeister, Bauherren, Studenten und Verwaltungsangestellte - in einen Innenhof. Zwischen zweigeschossigen, noch eingerüsteten Holzhäusern schlängeln sich über den Köpfen der Besucher zwei Stege. In regelmäßigem Abstand kreuzen sie sich.

Holzwürfel und Hinterhöfe: Gut 300 Besucher kamen zur Führung des Holzbaunetzwerks München (HN) durch die ökologische Mustersiedlung im Prinz-Eugen-Park. Die Atrium-Reihenhäuser links im Bild stammen aus dem Architektenbüro von Ulf Rössler.

(Foto: Robert Haas)

Ein futuristischer Plan des Büros agmm Architekten. Vom geschwungenen Laubengang aus sollen einmal Holzbrücken zu den Wohnungen im ersten Stock führen. "Wir wollten eine informelle Begegnungsfläche. Durch eingezäunte Kleingärten bekommt man so etwas nicht", erklärt Markus Borst, der sich mit diesem Konzept gegen einen ursprünglichen Reihenhaus-Entwurf im Bebauungsplan durchsetzte.

Borst ist einer der Architekten, die an diesem Nachmittag die acht Projekte - von den städtischen Wohnungsbaugesellschaften GWG und Gewofag über die Genossenschaft Wogeno bis hin zu privaten Baugemeinschaften - in Kurzvorträgen vorstellen. 600 Wohnungen, einige bereits zum Ende des Jahres bezugsfertig, bilden auf dem ehemaligen Kasernengelände eine ökologische Mustersiedlung. So hat es der Stadtrat 2009 beschlossen und für eine Förderung von 13,9 Millionen Euro einige Auflagen erteilt: Neben der Verwendung sogenannter Nawaros, nachwachsender Rohstoffe, muss die Biodiversität gewahrt werden, durch Nistplätze für Vögel etwa oder ausreichend Bepflanzung. Und auch eine gemeinschaftliche Nutzung ist zwingend.

"Ich wünsche mir solche Quartiere auf der ganzen Welt", sagte HN-Mitbegründer Ulf Rössler (links) zur Begrüßung.

(Foto: Robert Haas)

Also gibt es in den Hofhäusern von agmm Architekten nicht nur die speziellen Laubengänge, sondern auch einen Toberaum für Kinder und eine gemeinsame Dachterrasse. Der Entwurf des Berner "Atelier 5" sieht in seinem L-förmigen Winkelbau einen Pavillon mit Gemeinschaftsräumen vor. Im Schatten des zum Teil siebengeschossigen Kastens der Baugemeinschaft München GbR (H2R und PlanZ Architekten) wird regelmäßig ein Marktstand einkehren. Außerdem sind für die Siedlung zwei Kitas und mehrere Gästezimmer vorgesehen.

Insgesamt acht Projekte - wie hier das der Genossenschaft Wogeno - wurden an diesem Nachmittag in Kurzvorträgen vorgestellt.

(Foto: Robert Haas)

"Das hat schon einen dörflichen Charakter", sagt Maria Pfretschner anerkennend. Die Tirolerin, eigentlich Wohnbau-Projektleiterin in Augsburg, blickt immer wieder über das weiträumige Quartier aus Holzquadern und Hinterhöfen. Die Spanne in der Mustersiedlung reicht vom Einfamilienheim über Reihenhäuser mit Atrium bis hin zur Sozialwohnung.

Martin Förtsch allerdings, Architekt aus München, findet viele der Häuser "zu beige". Auch ein bekannter Vorwurf kommt während der Führung auf. Welche regenerativen Energien denn zum Einsatz kämen, fragt eine Teilnehmerin. Die Antwort ist ernüchternd: Dem Standard Energie Plus entsprechen sie nicht, erzeugen also nicht mit alternativer Energie mehr Strom als sie verbrauchen, wie ursprünglich gefordert. Immerhin sind sie an das städtische Fernwärmenetz angeschlossen.

Und selbst von den Architekten gab es mahnende Worte. Wegen Brandschutzregularien und statischen Überlegungen sind die meisten Projekte Hybrid-Bauten. Sockel, Erdgeschoss, Liftschacht oder Treppenhäuser sind also oft aus Beton. "Das sollte bald der Vergangenheit angehören", sagt Ulf Rössler von Dressler Mayerhofer Rössler Architekten und HN-Mitbegründer. Kollege Markus Lager (Büro Kaden + Lager) pflichtet ihm bei: "Auf solchen Veranstaltungen wird sich oft nur gelobt. Wir müssen uns aber fragen: Was kann man noch mehr machen? Welche umweltverträglichen Mobilitätskonzepte gibt es?" Hinter Lager schwingt ein Kranarm über einer Baugrube. Die zukünftige Tiefgarage. Aus Beton.