Serie: Frauen machen Politik "Frauen setzen mehr auf Konsens"

Kristina Frank ist seit vergangenen Sommer Kommunalreferentin im Münchner Rathaus, davor saß sie für die CSU im Stadtrat.

(Foto: Robert Haas)

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Protokoll von Heiner Effern

Welche Nöte, Sorgen und Wünsche es gibt, hänge von der jeweiligen Zeit ab, sagt Kristina Frank. "Auf die ist ein männlicher Oberbürgermeister eingegangen, und auf die wäre auch eine Oberbürgermeisterin eingegangen." Sie glaube aber schon, dass Frauen andere Schwerpunkte gesetzt hätten.

OB-Wahl 2020

Bisher haben Männer die Stadt regiert. In eineinhalb Jahren wollen Kristina Frank (CSU) und Katrin Habenschaden (Grüne) als Spitzenkandidatinnen ihrer Partei das Münchner Patriarchat beenden. Dass für die SPD wieder Dieter Reiter antritt, gilt als sicher. Doch was wäre anders mit einer Frau an der Stadtspitze?

Familienpolitik: Vieles ist tatsächlich in der Familie und im familiären Rollenbild, das täglich gelebt wird, verankert. Deswegen freue ich mich, dass sich mit jeder Generation dieses tradierte Rollenbild ein bisschen auflöst und jeder seine Rolle freier finden kann. Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir als Frauen dieses große Kinderbetreuungsthema, das wir derzeit in München haben, die Not an Plätzen sowohl in der Kita als auch im Kindergarten und Hort deutlich früher erkannt und deutlich früher behoben hätten. Das gleiche gilt auch für Pflegeplätze und die Pflegesituation insgesamt Ich glaube auch, dass man deutlich mehr Wert auf das Thema familien- und altersgerechtes Wohnen gelegt hätte. Eine Frau, die sich, auch wenn sie voll im Job steht, normalerweise sehr stark um Haushalt und Angehörige kümmert, hätte vielleicht ein anderes Augenmerk darauf gerichtet.

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Öffentliche Toiletten: Öffentliche Toiletten und Schultoiletten wären vermutlich nicht in den Zustand geraten, wie wir ihn 2014 hatten. Frauen können sich nicht wie Männer einfach mal schnell irgendwo anders erleichtern. In der Regel sucht man sich schon geschlossene vier Wände. Deswegen wäre die Sanierung mit einer Frau an der Stadtspitze deutlich früher erfolgt - oder gar nicht erst notwendig geworden. Alleine, dass ich den Kinderwagen nicht mit in die Toilettenkabine mitnehmen kann, ist echt ein Problem. Das Kind draußen sitzen lassen: magst du nicht. Buggy draußen lassen und nur Kind mitnehmen, geht auch nicht: Wo soll es denn drinnen sitzen?

Verkehr: Ich denke, dass man so agiert hat, wie die Anforderungen in der Gesellschaft der jeweiligen Epoche waren. Man hat natürlich in einer Zeit, in der Autos wirklich gehypt waren, eher versucht, eine autogerechte Stadt zu errichten. In einer Zeit wie heute, in der Mobilität teils auch anders gelebt wird, muss man einen breiten Nutzungsmix abbilden.

Sicherheit: München ist eine sichere Stadt, und ich bin sehr glücklich, dass das so ist. In manchen Situationen fühlt man dabei vielleicht anders als Frau. Rund um den Hauptbahnhof haben sich viele Damen nicht mehr wohlgefühlt, wenn sie zum Beispiel vom Deutschen Theater dorthin laufen mussten. Der Kommunale Außendienst wäre deshalb auch von jeder CSU-Frau gefordert worden. Ob eine Frau zwingend eine Bewaffnung gefordert hätte (wie der damalige Fraktionskollege Michael Kuffer, Anm. der Redaktion), oder ob sie es erst mal mit einer anderen Beleuchtung, vielleicht auch mit einer Änderung der baulichen Situation versucht hätte, ist hypothetisch. Das kann ich deswegen nicht beantworten.

Politikstil: Ich glaube schon, dass Männer und Frauen unterschiedliche Art und Weisen haben, an Themen heranzugehen. Bei einer Frau ist das eher sachorientiert, bei einem Mann häufiger Ego-geprägt. Frauen setzen wesentlich mehr auf den Teamgedanken, den Konsens und die Lösungsfindung als auf die Konfrontation. Schwafeln ist keine generell weibliche Eigenschaft. Da wir Frauen immer sehr viel unter einen Hut bringen müssen, indem wir den Job mit Kind, Haushalt und Mann verbinden, also überall in der Verantwortung stehen, versucht man sich so kurz wie möglich zu fassen und in dieser kurzen Zeit allen wichtigen Inhalt rüberzubringen.

Ich habe manchmal den Eindruck, dass Männer sich sehr gerne sehr lange reden hören. Deshalb wären Sitzungen im Stadtrat vermutlich deutlich besser vorbereitet und straffer strukturiert. Das Machtverhalten ist bei Frauen deutlich weniger ausgeprägt. Man sagt ja nicht umsonst "Alpha-Männchen". Wir neigen weniger zur Selbstdarstellung, sondern wollen mit Sachargumenten überzeugen. Für mich geht es nicht darum, wie lange man redet, um zu überzeugen, sondern wie gut die Argumente sind.

Klischees: Ich finde es schön, wenn man ganz 'gentleman-like' als Frau behandelt wird. Das nehme ich auch im politischen Leben stark wahr. Mich freut es, dass man sich zwischen Mann und Frau normalerweise auf einer etwas faireren Ebene bewegt, als es vielleicht zwischen Mann und Mann der Fall wäre. Ein Klischee, das mich extrem stört: Es heißt immer, dass Frauen Frauen blockieren würden. Das nehme ich so überhaupt nicht wahr. Im Rathaus habe ich keinerlei Zickigkeit zwischen den Stadtratskolleginnen bemerkt.

Frauen in der Politik: Ich habe nie wahrgenommen, dass ich besonders gefördert wurde, weil ich eine Frau bin, oder dass ich absichtlich nicht gefördert wurde, weil ich eine Frau bin. Die Menschen versprechen sich vielmehr oft mehr neue Ideen von einem Gegenmodell in der Politik. Das kann eine Frage des Alters sein. Mich unterscheidet vom Oberbürgermeister eine ganze Generation. Es kann aber auch eine Frage des Geschlechts sein, oder auch der Vorlieben. Es ist doch schon ganz normal, dass Frauen für ein hohes politisches Amt kandidieren. Bundeskanzlerin ist schon lange eine Frau.

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