Kritik:Klangliche Wucht

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Der israelische Pianist Tom Borrow eröffnet den "Nymphenburger Sommer" im Hubertussaal.

Von Andreas Pernpeintner

Als große Entdeckung preisen Eckard Heintz, seit 18 Jahren Organisator des "Nymphenburger Sommers", und sein Nachfolger Caspar Seemann den israelischen Pianisten Tom Borrow. Und wirklich ist dessen Klavierabend zur Eröffnung der diesjährigen Kammermusikreihe im Hubertussaal vorzüglich. Ein großer Steinway ist für diesen Saal ein mächtiges Instrument. Auf die klangliche Wucht, die damit einhergeht, muss man sich kurz einstellen. Dann ist die Unmittelbarkeit des Höreindrucks umso packender. Borrow ist ein Pianist mit Zugriff. Das zeigt schon seine Werkauswahl für diesen Abend (Leoš Janáčeks Sonate "1. X. 1905 'Von der Straße'", die f-Moll-Fantasie op. 49, die dritte Ballade und die "Polonaise-Fantasie" von Chopin sowie Schumanns C-Dur-Fantasie op. 17), die sich nicht mit "Kleinigkeiten" befasst.

Monumentale Strenge wie in der Sonate lässt Borrow als wirklich großes Klanggebilde wirken. Das bedeutet nicht, sein Musizieren würde in solchen Momenten brachial. Wie es Borrow gelingt, in den üppigen Werken Freundliches und Herbes auszutarieren, ist eindrucksvoll. Im virtuosesten Gewühle bleibt eine charmante Geschmeidigkeit erhalten. Rhythmik beleuchtet er prägnant, aber ohne absolute Härte. In den süßesten Melodiepassagen geht die vollgriffige Wirkung des Klaviersatzes nicht verloren. Dass Borrow hierbei den aus dem Instrumentenkorpus entschwebenden Tönen recht beseelt hinterherblickt, wirkt authentisch.

Trotz ihrer Ausgewogenheit ist Borrows volltönende Kunst des Ausgleichs spannend. Er gestaltet dynamisch so lebendig, wie das auch unerlässlich ist, wenn man sich mit diesen Werken gleich mehrfach auf die Langstrecke begibt. Überraschend ist, dass er als Zugabe nach viel Romantik mit Debussys "Feux d'artifice" einen so starken Kontrast setzt. Zugleich aber wird hierdurch ein verbindender Bogen zur Janáček-Sonate gespannt. Bis zum 10. Juli finden im Rahmen des "Nymphenburger Sommers" sieben weitere Kammermusikkonzerte statt.

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