Nymphenburg Rettungsversuch für die Kakteen-Villa

Kein Denkmal: die Nymphenburger Villa, die einst Heinrich Kaiser gehörte.

(Foto: Catherina Hess)

Stadtviertelpolitiker wollen den Abbruch des "Nymphenburger Kleinods" verhindern. Sie rütteln an der Absage der Denkmalpfleger und verweisen auf die wissenschaftliche Bedeutung des früheren Bewohners Heinrich Kaiser

Von Sonja Niesmann, Nymphenburg

Das Landesamt für Denkmalpflege hat zwar den Daumen schon gesenkt, doch der Bezirksausschuss (BA) Neuhausen-Nymphenburg gibt noch nicht auf. Er versucht, die Villa von "Kakteen Kaiser" doch noch als Baudenkmal einstufen zu lassen. Das Gebäude an der Savoyenstraße 7 in Nymphenburg, einst eine Pilgerstätte für Kakteenfreunde, soll einem Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen und Tiefgarage weichen. Einstimmig fordert der Bezirksausschuss die Stadt nun auf, den Abbruch dieses "Nymphenburger Kleinods" zu verhindern.

Die Denkmalpfleger hatten das 1925/26 erbaute Haus im vergangenen Jahr, ehe es von der Eigentümerin an einen Investor verkauft wurde, besichtigt und kamen zu der Einschätzung, es sei nicht denkmalwürdig. Zwar wirkten die Fassadengliederung und einzelne dekorative Elemente - wie die Haustür mit Kakteenblütenschnitzerei - auf den ersten Blick ansprechend, doch im Vergleich zu anderen Bauten jener Zeit sei es "von eher durchschnittlicher architektonischer Qualität". Zudem sei das eigentlich Charakteristische, das gläserne Gewächshaus für die Kakteen-Aufzucht, nicht mehr vorhanden. Der Bezirksausschuss tadelt dies als Einschätzung nach rein künstlerisch-gestalterischen Gesichtspunkten, die weitere Denkmalkriterien wie geschichtliche, wissenschaftliche oder volkskundliche Werte gar nicht berücksichtige.

Heinrich Kaiser widmete sich an der Savoyenstraße 7, in unmittelbarer Nähe zum Botanischen Garten, mit Leidenschaft der Züchtung von Kakteen, er erfand dort auch die sogenannte Calumor-Dose, eine Dose mit Lüftung zur Samenzucht. Er habe, heißt es in einem Nachruf für den 1961 Verstorbenen, München zu einer Kakteen-Hochburg gemacht, sein Name sei allen Freunden der damals überaus beliebten Stachelpflanzen in Deutschland und darüber hinaus bekannt gewesen. Mit der Titulierung als "Kakteenhandlung", stichelt der BA, werde die Denkmalbehörde Kaisers Arbeit und diesem "besonderen Kapitel der Münchner Stadtgeschichte" nicht gerecht. Man müsse sich unter anderem auch fragen, welche Bedeutung die wissenschaftliche Forschung Heinrich Kaisers für die Entwicklung der Botanik gehabt habe. Deshalb sollten in dieser Sache auch Vertreter des Stadtarchivs, des Botanischen Gartens, der Hochschulen und Sammlungen angehört werden, regt das Gremium an. Engagierte Bürger wie Elke Wendrich vom Verein Denkmalnetz Bayern oder der Kunsthistoriker Michael Borio haben in den vergangenen Wochen schon allerlei Einrichtungen und Mitstreiter im Kampf um den Erhalt mobilisiert.

Baurechtlich seien Abriss und Neubau zulässig, habe die Lokalbaukommission bereits signalisiert, erklärte BA-Vorsitzende Anna Hanusch (Grüne): "Der einzige Hebel ist das Denkmal." In einem anderem Fall, auch in Nymphenburg, hat das im vergangenen Jahr geklappt. Anlieger und Stadtviertelpolitiker setzten sich gegen den Abbruch einer Villa an der Prinzenstraße ein und erreichten, dass diese als Einzeldenkmal in die Liste aufgenommen wurde. Die Fachbehörde würdigte damals nicht nur die Architektur, sondern ausdrücklich auch die künstlerische, gesellschaftliche und geschichtliche Bedeutung der Villa, ihr "bewegtes Leben zwischen Kunst und Widerstand gegen ein Terrorregime": Das einstige Wohnhaus des Porträt- und Pferdemalers Richard Benno Adam diente Widerstandskämpfern der Weißen Rose als Treffpunkt.