Nymphenburg Ins Niemandsland kommt Leben

Entlang der Bahnachse Hauptbahnhof - Pasing entsteht im Bereich Laimer Unterführung, Wotanstraße und Christoph-Rapparini-Bogen ein gegliederter Bürokomplex, der sich durch außergewöhnliche Architektur auszeichnet

Von Sonja Niesmann, Nymphenburg

Der südliche Eingang respektive Ausgang von Nymphenburg hat, städtebaulich betrachtet, heftig Schlagseite. Auf der einen Straßenseite ragt am Laimer Tunnel das markante Geschäfts- und Bürohaus "Ambigon" in die Höhe, auf der gegenüberliegenden Seite aber befindet sich nur eine etwa vier Meter hohe, mit Gestrüpp bewachsene Böschung. Dahinter ist Niemandsland - noch.

Dieses Areal soll nun belebt werden: Das Unternehmen CA Immo plant dort einen Bürokomplex, der sich auf 25 000 Quadratmetern Fläche von der Wotanstraße aus zwischen Bahngleisen und Christoph-Rapparini-Bogen entlangzieht. Der Antrag auf Vorbescheid für das "MY.O" (Abkürzung für "My Office") genannte Projekt ist eingereicht. Anstatt eines einzigen geschlossenen Baukörpers, wie es der Bebauungsplan zulässt, habe man sich für eine gegliederte Bauweise entschieden, erläuterte Robert Neuberger vom Münchner Architektenbüro Maier, Neuberger bei der Vorstellung der Pläne im Bezirksausschuss (BA) Neuhausen-Nymphenburg: "Das ist sehr viel durchlässiger."

An einen siebengeschossigen Kopfbau an der Wotanstraße schließen sich drei fünf- bis siebengeschossige Gebäude in Reihe an, die also nicht an jeder Stelle die zulässige Höhe ausschöpfen. Dazu kommt oben auf der Anhöhe ein weiteres frei stehendes Haus. Der Zugang zu den höher liegenden Häusern am Christoph-Rapparini-Bogen erfolgt über eine Freitreppe, der Kopfbau zur Wotanstraße hin wird auf Straßenniveau stehen.

Dort, wo derzeit nur ein schmaler Gehweg entlang der Böschung läuft, soll ein geräumiger Platz entstehen - denn beim Bau der sogenannten Umweltverbundröhre parallel zur bestehenden Laimer Unterführung ist vorgesehen, das Tunnelportal zurückzusetzen. Den Bedenken einiger BA-Mitglieder, die Umweltverbundröhre könne noch jahrelang auf sich warten lassen oder gar nie realisiert werden, begegnete der Architekt mit der Versicherung: "Die Planung funktioniert auch ohne."

In der Stadtgestaltungskommission hat das "MY.O" genante Neubauprojekt in Nymphenburg bereits Anklang gefunden.

(Foto: Maier, Neuberger Architekten)

Der Entwurf für die Gebäude - als wohlklingende Adresse für den Kopfbau stellen sich die Bauherren "Nymphenburger Platz" vor - sieht Lochfassaden vor, mit Bögen und Arkaden im Erdgeschoss. Auch die Penthouse-Büros mit begrünten Dachterrassen im oberen Geschoss erhalten große Bogenfenster. Mit Fassaden aus grün lasierten Kacheln werden die Gebäude farblich dezenter ausfallen als einige der benachbarten, in auffälligem Orange und Rot gehaltenen Wohnhäuser am Christoph-Rapparini-Bogen. In der Stadtgestaltungskommission stieß das Vorhaben im vergangenen Oktober auf "grundsätzliches Wohlwollen", über die Bögen im Obergeschoss wurde aber kontrovers diskutiert. Zudem regt die Kommission an, die im Erdgeschoss vorgesehenen Konferenzräume auch öffentlich zu nutzen.

"Auf Einzelhandel werden wir verzichten, obwohl der Bebauungsplan 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche zulässt", erklärte Andreas Schöffmann von der CA Immo. Gegenüber im "Ambigon" gibt es bereits einen großen Supermarkt und einen Discounter, ebenso Arztpraxen und eine große Physiotherapie-Praxis. "MY.O" sei deshalb als reine Bürowelt konzipiert. Sie eigne sich, ergänzt Robert Neuberger, für ein oder zwei Großmieter, aber auch für kleinteilige Vermietung. Den Wunsch aus dem BA, wenigstens eine kleine Espresso-Bar im Hauptgebäude unterzubringen, teile man durchaus, sagte Schöffmann. Er sei sich aber nicht sicher, ob genug Nachfrage herrscht: "Es gab ja ein Café im Ambigon, das sich leider nicht halten konnte."

Das Geschäfts- und Bürohaus "Ambigon" vor dem Laimer Tunnel bekommt einen Kontrapunkt, auf der gegenüber liegenden Seite der Wotanstraße.

(Foto: Robert Haas)

Mitte diesen Jahres will die CA Immo den Bauantrag einreichen. 2017 könnte nach der Grundstückssanierung, den Abgrabungen und den Baumfällungen mit dem Bau begonnen werden. 2018 könnte das "MY.O" dann bezugsfertig sein.