Nußbaumpark Aus für den Kulturstrand

Nach 22 Uhr sind nur noch 35 Dezibel im Nußbaumpark erlaubt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Egal ob Kulturstrand oder Public Viewing: Die Urbanauten dürfen im Nußbaumpark keine Events veranstalten, die Krach machen. Wegen der Kliniken gelten dort strenge Lärmschutzauflagen. Das Problem war dem Stadtrat bekannt, doch erst jetzt ziehen die Behörden die Notbremse.

Von Thomas Anlauf

Der vom Stadtrat gegen alle Bedenken als Standort für den Kulturstrand durchgesetzte Nußbaumpark ist für öffentliche Veranstaltungen völlig ungeeignet. Damit ist das Projekt, das seit 2011 während der Sommermonate bis zu 150 000 Besucher angelockt hatte, für dieses Jahr endgültig gekippt.

Wegen der direkt angrenzenden Kliniken gelten am Nußbaumpark derart strenge Lärmschutzauflagen, dass es dort selbst ohne Konzerte oder Public-Viewing während der Fußball-Weltmeisterschaft viel zu laut wäre. Das haben aktuelle Berechnungen jetzt bestätigt. Am Freitag zog das Kreisverwaltungsreferat (KVR) deshalb die Notbremse.

"Die Lärmsituation dort erlaubt kein Public Viewing", sagte die KVR-Sprecherin Kristin Nettelnbrecher. Zwei Mal hatten Vertreter des KVR und des Gesundheitsreferats (RGU) mit dem Veranstalter Benjamin David in den vergangenen Tagen zusammengesessen. Der hatte mit seinen Urbanauten im Jahr 2010 den Zuschlag erhalten, in den folgenden vier Jahren seinen Kulturstrand an vier Orten in der Innenstadt zu veranstalten: dem Professor-Huber-Platz an der Ludwig-Maximilians-Universität, dem Vater-Rhein-Brunnen beim Deutschen Museum, auf der Corneliusbrücke und im Nußbaumpark.

Zwar hatte er ausdrücklich in seinem Bewerbungskonzept auch Vorschläge für den Nußbaumpark gemacht und signalisiert, dass er dort wegen der nahen Kliniken womöglich auf laute Konzerte verzichten würde. Trotzdem warnte David auch davor, dass es Ärger mit der Klinikleitung geben könnte.

Tagsüber nur 45 Dezibel

Auf der westlichen Seite des zwei Hektar kleinen Parks liegt das Innenstadtklinikum der Ludwig-Maximilians-Universität. Der Autoverkehr ist hier schon lange so gut wie ausgesperrt, um die Patienten zu schonen. Entsprechend streng sind auch die Lärmschutzbestimmungen. Tagsüber dürfen dort nur 45 Dezibel Lautstärke ins Klinikum dringen, was in etwa dem Geräuschpegel einer Bibliothek entspricht.

Nach 22 Uhr sind es sogar nur noch 35 Dezibel. Zum Vergleich: In einem ruhigen Schlafzimmer bei Nacht herrschen 30 Dezibel - Stille. Ein Konzert oder Public Viewing während der Fußball-Weltmeisterschaft ist an so einem Ort undenkbar. Der Stadtrat wusste davon, trotzdem hielt er an dem Veranstaltungsort fest.

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Der Kulturstrand ist ein Politikum. Benjamin David ist aktives Mitglied der Grünen, manche, wie der SPD-Fraktionschef Alexander Reissl, sehen die zahlreichen Aktivitäten des Urbanauten-Chefs eher argwöhnisch. Im vergangen Herbst eskalierte ein Streit zwischen David und Reissl, nachdem der Urbanauten-Chef den Nußbaumpark als Spielstätte endgültig öffentlich abgelehnt hatte und dem SPD-Politiker Stimmungsmache gegen ihn unterstellte. Ende November stimmte eine knappe Stadtratsmehrheit gegen eine Verlegung der Spielstätte, Grüne, CSU und FDP hatten sich vergeblich für einen Alternativstandort ausgesprochen.

"Die Lärmproblematik war dem Stadtrat bekannt", sagt KVR-Sprecherin Nettelnbrecher. Auch das KVR hatte in seiner Stellungnahme zur entscheidenden Sitzung jedoch dazu geraten, am Nußbaumpark als Veranstaltungsort festzuhalten - aus vergaberechtlichen Gründen. Von den Bedenken des Gesundheitsreferats, das seit 2011 auf die strengen Lärmschutzrichtlinien im Umkreis der Kliniken verweist, ist in der siebenseitigen Stellungnahme nichts zu lesen.

Übrigens steht dort auch nichts von den neuen Nachbarn des Nußbaumparks, der Tagesklinik IOZ. Das Interdisziplinäre Onkologische Zentrum an der Nußbaumstraße 12 gibt es seit zwei Jahren, es liegt auf der anderen Straßenseite der geplanten Spielstätte. Die Krebspatienten dort bleiben zwar nicht über Nacht in der Klinik, allerdings gelten auch hier strenge Richtlinien: 45 Dezibel darf es dort maximal laut sein. Die Urbanauten wollten wenige Meter entfernt während der Fußball-Weltmeisterschaft eine Konzertbühne mit Leinwand für Public Viewing und eine Bar aufbauen.

Das wird nun definitiv nicht passieren. Am Freitag teilte Benjamin David mit, dass dort aufgrund der bislang unbekannten Klinik-Situation der Kulturstrand "nicht durchgeführt werden kann".