Null Acht Neun Mia san Göhte

Sittenwächter und Dichterhüter sind entsetzt, dass "Fack ju Göhte" zur Marke werden soll. Dabei ließe sich leicht Abhilfe schaffen

Kolumne von Christiane Lutz

Des einen Fack ist des anderen Fuck. Das muss gerade die Münchner Produktionsfirma Constantin erfahren, die den erfolgreichen Film "Fack ju Göhte" bezahlt hat. Nachdem das gleichnamige Musical nicht recht in München gezündet hat, möchte Constantin jetzt den Titel "Fack ju Göhte" als Marke schützen lassen und Klamotten, Unterrichtsmaterial und Waschmittel (warum auch nicht?) mit dem Schriftzug ausstatten. Das "Amt der Europäischen Union für Geistiges Eigentum" hielt das für eine schlechte Idee, das "Fack ju" verstoße gegen die guten Sitten. Auch der Europäischen Gerichtshof befand in erster Instanz, mit dem Titel würde der allseits beliebte Dichter Johann Wolfgang von Goethe herabgewürdigt und verunglimpft, noch dazu in fehlerhafter Schreibweise! "Fack ju" klinge halt doch sehr nach dem Kraftausdruck "Fuck you" und sei geprägt durch "eine ihm innewohnende Vulgarität", Film hin oder her.

Abgesehen davon, dass das Verb "innewohnen" wunderschön ist und viel häufiger Verwendung finden sollte, ist das mit den guten Sitten kein sehr schlagkräftiges Argument. Krapfen mit Germknödel- oder Schwarzwälderkirschtortengeschmack verstoßen auch gegen die guten Sitten, trotzdem werden die derzeit überall verkauft und keiner beschwert sich.

Ansonsten hat der EuGH natürlich völlig recht, Goethe und der gute Geschmack haben Vorrang vor bedrucktem Waschpulver. Vielleicht ist das Ganze aber in Wahrheit mehr eine phonetische statt eine inhaltliche Angelegenheit. Der scharfe Frikativ, der F-Laut am Anfang des "Fack Jus", kann für manche Ohren unschön klingen. Nur will das ja niemand wahrhaben, in Ober- und Niederbayern, wo man pfeffernde Fs an Wortanfängen geradezu zelebriert. Karl Falentin. Fiktualienmarkt. Kein Zugezogener, der da nicht zusammenzuckt.

Vorschlag: Bis in Luxemburg ein Urteil im Fall "Fack ju" fällt, könnte Constantin den Titel so überarbeiten, dass er die Sittenwächter und Dichterhüter nicht mehr erschreckt. Denkbar wäre, eine deutlichere Verbindung zu München herzustellen, etwa ein "Mia san Göhte". Oder eine Übertragung ins Fränkische. "Ffagg ju Göööde" klingt so kuschelweich, dass man sich damit doch sofort die Germknödelkrapfenkrümel aus dem Gesicht wischen möchte. Goethe selbst hat sich zu dem Markenstreit übrigens noch nicht geäußert. Wahrscheinlich aber, dass er, frei nach Hesse, sagen würde: "Und jedem Göhte wohnt ein Goethe inne, der uns beschützt und leise kichert."