NPD-Kundgebung am Marienplatz Ein knappes Dutzend Rechte trifft auf 300 Gegendemonstranten

Ein knappes Dutzend Rechte unter viel Polizeischutz gegen 300 Gegendemonstranten.

(Foto: Tom Soyer)

Der Polizeieinsatzleiter musste sogar nach den Kundgebungs-Verantwortlichen telefonieren lassen, weil die NPD erst nicht da war.

Von Tom Soyer

Der Plan ging offenkundig nicht auf: Die NPD hatte für den Sonntag auf dem Münchner Marienplatz von 11 bis 15 Uhr eine Kundgebung angemeldet und im Windschatten der Chemnitzer Vorgänge auf Zulauf gehofft. Den hatte die NPD zwar, allerdings ausschließlich von Gegendemonstranten, die ausdauernd verhinderten, dass mitten in München rechte Parolen über den Platz hallen. Anfangs sechs, dann maximal neun Rechte unter viel Polizeischutz sahen sich einer Mehrheit von etwa 300 Menschen ausgeliefert, die keinen Zweifel aufkommen lassen wollten, wer in München die Mehrheit bildet.

Dabei begann die NPD-Kundgebung um Schlag 11 Uhr ziemlich ungewöhnlich: Die NPD war nämlich gar nicht da, so dass sich auf dem Marienplatz bereits Gelächter breit machte. Der Polizeieinsatzleiter musste gar nach den Kundgebungs-Verantwortlichen telefonieren lassen, ehe mit wenigen Minuten Verspätung ein Pkw mit starker Polizeieskorte in den mit Gattern umzäunten Demonstrations-Bereich geleitet wurde.

All das begleitet von vereinzelten Trillerpfeifen und sehr lauten "Nazis raus!"-Rufen. Nach Angaben der Polizei formierte sich die Gegendemonstration in der Spitze sogar mit bis zu 500 Menschen. Dabei dominierten "Omas gegen Rechts", Parteivertreter wie die Landtagsabgeordneten Katharina Schulze (Grüne) und Florian von Brunn (SPD), viele Linke-Anhänger und viele Menschen mit "München ist bunt"-Schildern optisch wie akustisch die Szenerie. Was die NPD im polizeigesicherten Geviert ins Mikrofon sprach, verließ die Sperrzone angesichts der übermächtigen Gegenkulisse quasi nicht.

Zwei Teilnehmer der NPD-Demonstration zeigten auf dem Marienplatz den Hitlergruß und wurden von der Polizei bis zum Ende der Veranstaltung in Gewahrsam genommen. Sie erwartet eine Anzeige. Umgekehrt erstattete die NPD gegen drei Gegendemonstranten Anzeige wegen angeblicher Beleidigung und beendete die Veranstaltung vorzeitig bereits um 13.30 Uhr. Nach Angaben des Münchner Polizeipräsidiums waren rund 100 Beamte im Einsatz, die Polizei zeigt sich angesichts der emotional aufgeheizten Ausgangslage sehr zufrieden mit dem alles in allem friedlichen Verlauf.

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