Nokia Siemens Networks bleibt in München:Rettung unter Vorbehalt

2000 Mitarbeiter von Nokia Siemens Networks dürfen nun doch in München bleiben - aber nur, wenn die übrigen 1600 gehen. Die Lösung ist umstritten, denn: Formal gibt es auch so eine Betriebsschließung und die ist keineswegs nur eine Formalie.

Michael Tibudd

Gewerkschaft und Geschäftsführung sind sich einig, jetzt soll alles ganz schnell gehen bei Nokia Siemens Networks (NSN): Noch in dieser Woche sollen jene 1600 Beschäftigten, die das Unternehmen nicht weiter beschäftigen will, das schriftlich erfahren. Sie haben dann bis Mitte April Zeit, um zu entscheiden, ob sie in eine Transfergesellschaft wechseln wollen. Diese soll bereits zum 1. Mai starten. Die verbleibenden 2000 Mitarbeiter sollen dann schon in neu gegründeten Tochtergesellschaften arbeiten. Die Lösung ist dabei in Mitarbeiterkreisen alles andere als unumstritten.

Nokia Siemens Networks

Ursprünglich wollte Nokia Siemens Networks den Standort München komplett dicht machen, nun dürfen 2000 Mitarbeiter bleiben.

(Foto: dpa)

Am heutigen Montag will NSN alle Beschäftigten bei einer eilig organisierten Veranstaltung in der Olympiahalle über Details der Vereinbarung informieren. Erst am Freitagabend hatte sich eine Verhandlungsgruppe aus Vertretern der Gewerkschaft IG Metall und der örtlichen Geschäftsführung auf die Eckpunkte für einen Verbleib von NSN in München geeinigt.

Ursprünglich hatte das Gemeinschaftsunternehmen von Nokia und Siemens den Standort München komplett dicht machen wollen, 1600 Mitarbeiter sollten an anderen Standorten in Deutschland weiterarbeiten können, der Rest sollte entlassen werden. Formal gibt es allerdings auch jetzt eine Betriebsschließung: Die bisherige Tochtergesellschaft am Standort St.-Martin-Straße wird aufgelöst, die verbleibenden 2000 Mitarbeiter werden in neuen Gesellschaften wieder angestellt.

Ein Zugeständnis, das Gewerkschaftsvertreter als "schmerzhaft" bezeichnen. Die ganze Vereinbarung steht indes noch unter einem Vorbehalt: Nur wenn die große Mehrheit der nicht mehr benötigten Mitarbeiter auch tatsächlich in die Transfergesellschaft wechselt, kommt das Modell wie vorgesehen zustande - andernfalls will NSN die Standortzusage wieder fallen lassen.

Verärgerung unter den Mitarbeitern gibt es ob der unterschiedlichen Bedingungen, die die IG Metall für Mitglieder und Nicht-Mitglieder ausgehandelt hat: So sollen Gewerkschaftsmitglieder für die zwei Jahre lang finanzierte Transfergesellschaft 80 Prozent des bisherigen Gehalts erhalten, andere nur 70 Prozent. Außerdem ist die Abfindung für sie höher - grundsätzlich sollen die Beschäftigten für den Wechsel in die Transfergesellschaft mit einem Jahresgehalt entschädigt werden, Gewerkschaftsmitglieder bekommen 10 000 Euro mehr. "Es sollten auch diejenigen etwas davon haben, die sich organisiert und die mit uns für den Erhalt des Standorts gekämpft haben", sagt Betriebsratschef Horst Schön.

Neben der Aufregung über diese Sonderregelungen sind die Beschäftigten geteilter Meinung über den Wert der Vereinbarung. "Ich weiß nicht, was besser ist: im Unternehmen bleiben zu können oder mit Abfindung rauszugehen", sagt einer. "Die Führungsschwäche des Unternehmens bleibt ja bestehen."

© SZ vom 26.03.2012/afis
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